Saturday, May 09, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite politik Prämienstopp im Bundesr...

Prämienstopp im Bundesrat: Haben die Länder inhaltlich recht?

2026-05-09
In politik Vom Jan Krüßmann

ÄHNLICHE ARTIKEL

Stachel drin, Ruhe bewahren: Mit Pinzette und gefrorenem Spinat gegen schmerzhafte Stiche

Fernsehtipps zum Wochenende: Welcher Volksbühnen-Star verbirgt sich hinter der Maske?

Mit ihrem Nein zur Entlastungsprämie sorgte die Mehrheit der Bundesländer am Freitagvormittag für Aufruhr. Doch abgesehen von den politischen Folgen – haben diejenigen, die dagegen gestimmt haben, inhaltlich nicht sogar Recht? Klar ist: Schon im Vorfeld hatten viele von ihnen wie auch Wirtschaftsvertreter und Analysten gegen das Instrument argumentiert.

Wirtschaftsverbände hatten die Prämie von Beginn an kritisiert. Sie argumentierten, der Staat lade die Kosten für die Entlastung bei den Unternehmen ab. Diese stünden aber angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute und gestiegener Energiepreise selbst schon heute unter hohem Druck und könnten die Extra-Zahlung nicht finanzieren.

Christoph Ahlhaus, Vorsitzender des Mittelstandsverbands BVMV, hatte die Pläne als eine „Unverschämtheit“ bezeichnet und beklagt, die Bundesregierung bringe damit „Unfrieden und Ärger“ in die Betriebe, weil viele Beschäftigte die Prämie nun einfordern würden. In einem offenen Brief an alle Landesregierungen forderte er noch vor wenigen Tagen, das Vorhaben zu stoppen – und wurde jetzt erhört.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hatte kritisiert, man habe mit den Plänen für die Prämie Erwartungen geschürt und dies bei anderen abgeladen. „Das macht man nicht, das gehört sich nicht“, hatte BDA‑Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter in einem Interview mit der Bild gesagt.

Bei dem Vorschlag des Bundes handelte es sich um ein klassisches Geschäft zu Lasten Dritter.

André Berghegger, Deutscher Städte- und Gemeindebund

Auch so mancher Landeschef und Landesfinanzminister hatte schon lange vor der Bundesratsentscheidung seinen Frust formuliert und gegen die Prämie argumentiert. In Zeiten angespannter Haushaltslage sei eine Prämie für Landesbeschäftigte nicht umsetzbar und angesichts der Wirtschaftslage auch nicht vermittelbar.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte laut Medienberichten im Zusammenhang mit der Prämie mit Steuermindereinnahmen von 2,8 Milliarden Euro gerechnet.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von „Hohn“, Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hatte dafür plädiert, dass sich der Staat in Zurückhaltung übe und der Prämie für sein Bundesland einen Riegel vorgeschoben. Auch Brandenburgs Finanzminister Daniel Kellner hatte erklärt, er könne sich nicht vorstellen, eine Prämie an die Landesbeschäftigten zu zahlen.

Städte und Gemeinden sahen sich ihrerseits finanziell vielfach nicht in der Lage, einen Bonus zu zahlen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund begrüßte dementsprechend die Bundesratsentscheidung. „Bei dem Vorschlag des Bundes handelte es sich um ein klassisches Geschäft zulasten Dritter“, argumentierte Hauptgeschäftsführer André Berghegger gegenüber dem Tagesspiegel.

Zeigte sich nach der Sitzung kritisch: Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen.

© dpa/Carsten Koall

„Die Städte und Gemeinden in Deutschland sind in einer existenziellen Finanzkrise“, so Berghegger. „Sie wären in ihrer Rolle als Arbeitgeber, bei aller Wertschätzung für den großen Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohnehin nicht in der Lage gewesen, diese Prämie zu zahlen.“

Von der Pandemiepolitik inspiriert

Die Länder hätten zu Recht auf zusätzlich drohende Einnahmeverluste aufgrund von Steuerausfällen für Länder und Kommunen hingewiesen. „Insofern ist es gut, dass diese Idee jetzt vom Tisch ist“, sagte Berghegger.

Die Entlastungsprämie war inspiriert von der 2022 ermöglichten „Inflationsausgleichsprämie“ von bis zu 3000 Euro. Das Instrument wurde breit genutzt. Rund 26 Millionen Beschäftigte bekamen mehr als 52 Milliarden Euro ausgezahlt.

Allerdings wurde die Zahlung damals vielfach Teil von Tarifverhandlungen. Das Kalkül der Politik: Die Einmalzahlungen sollten den Anstieg der Gehälter dämpfen, so die stark steigende Inflation bremsen und dauerhafte Belastungen für Unternehmen vermeiden.

In diesem Jahr laufen allerdings kaum noch Tarifverhandlungen, sodass eine Wiederholung 2025 unwahrscheinlich gewesen wäre. Zwar wäre die Auszahlung der Prämie nach letztem Stand noch bis 2027 möglich gewesen. Aber auch das konnte viele nicht überzeugen.

Auch Ökonomen hatten sich kritisch gezeigt und etwa begründet, die Prämie sei wenig zielgenau. Vor allem Beschäftigte in großen Unternehmen würden profitieren, Selbstständige, Rentner und Arbeitslose dagegen nicht. Zudem sei eine mögliche Zahlung nicht nachhaltig. Sinnvoller sei etwa eine vorgezogene Steuerreform.

Die Befürworter der Prämie hatten argumentiert, dass Arbeitnehmer auf diese Weise insbesondere angesichts hoher Energiepreise schnell und unbürokratisch entlastet werden könnten. Während der Pandemie habe das gut funktioniert.

Das Argument überzeugte die Länder nicht. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hatte angesichts all dessen im Vorfeld bereits gedroht, das Vorhaben im Bundesrat zu blockieren.

Bundesrat Bundesregierung CDU Inflation Lars Klingbeil auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

ÄHNLICHE ARTIKEL

Deutsche Kinemathek feiert queeres Kino: Wenn Marlene eine Frau küsst

Deutsche Kinemathek feiert queeres Kino: Wenn Marlene eine Frau küsst

2026-05-09

Der Zylinder von Marlene Dietrich hat Ausgang. Leicht schräg sitzt er in einer stimmungsvoll beleuch...

Die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ wird umgebaut: Dem Nachwuchs eine Chance

Die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ wird umgebaut: Dem Nachwuchs eine Chance

2026-05-09

Man kann diese neueste Entwicklung auf dem Berliner Zeitungsmarkt natürlich auch als „Frischzellenku...

„Der Mann an Angela Merkels Seite“: Joachim Sauers neue Einblicke in ein bewegtes Leben

„Der Mann an Angela Merkels Seite“: Joachim Sauers neue Einblicke in ein bewegtes Leben

2026-05-09

Jahrzehntelang hat er sich an der Seite der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus der Öff...

Mit Musik für Demokratie kämpfen: Das Musical „Die weiße Rose“ kommt nach Berlin

Mit Musik für Demokratie kämpfen: Das Musical „Die weiße Rose“ kommt nach Berlin

2026-05-09

Das gibt es jetzt auch nicht so häufig, dass der Tourstart einer Musicalproduktion mit einem Podiums...

Finanzen: Weniger Steuereinnahmen für Berlin erwartet

Finanzen: Weniger Steuereinnahmen für Berlin erwartet

2026-05-09

Das Land Berlin muss nach der jüngsten Steuerschätzung für Bund, Länder und Kommunen mit etwas gerin...

Nächster Beitrag
Reaktionen zum Stopp der Entlastungsprämie: Grüne sprechen von „Fiasko für Kanzler Merz“

Reaktionen zum Stopp der Entlastungsprämie: Grüne sprechen von „Fiasko für Kanzler Merz“

EMPFOHLEN

„Und was fragt mich der Papst? Nach Stuttgart 21“: Kretschmann sorgt bei seinem Abschiedsfest mit Benedikt-Anekdote für Lacher

„Und was fragt mich der Papst? Nach Stuttgart 21“: Kretschmann sorgt bei seinem Abschiedsfest mit Benedikt-Anekdote für Lacher

2026-05-09
„Mehr Schulden sind keine Option“: Spahn will Einkommensteuerreform gemeinsam mit SPD erarbeiten

„Mehr Schulden sind keine Option“: Spahn will Einkommensteuerreform gemeinsam mit SPD erarbeiten

2026-05-09

MEISTGESEHEN

  • Streit um GKV-Reform: Gesundheitsministerin Warken verteidigt Sparpaket – SPD-Fraktion will nacharbeiten

    Streit um GKV-Reform: Gesundheitsministerin Warken verteidigt Sparpaket – SPD-Fraktion will nacharbeiten

  • Nur Kenia-Koalition möglich: AfD steigt im „Politbarometer“ wieder auf Rekordniveau

  • Kampf gegen häusliche Gewalt und ihre Folgen: Was kommt, was kommen soll – und was noch fehlt

  • Auflebung der Montagsdemos: Linke plant Protestwelle gegen Sozialreformen

  • Bundesrat stoppt 1000-Euro-Prämie: Diese Notbremse war notwendig

  • Bundesregierung: Streit, Pannen, Klarstellungen: Womit Schwarz-Rot kämpft

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.