Nach einem Jahr Schwarz-Rot kommen CDU/CSU und die SPD laut des aktuellen „Politbarometers“ von ZDF und Tagesspiegel derzeit auf 37 Prozent – bei der Bundestagswahl 2025 waren es noch fast 45 Prozent. Die Unionsparteien allein erreichen in der „Sonntagsfrage“ im Vergleich zur Befragung im April unverändert 25 Prozent. Die SPD steht nach wie vor bei ihrem bisherigen Tiefstwert von zwölf Prozent. Mit diesem Ergebnis hätte die Koalition keine Mehrheit mehr im Bundestag.
Auf dem ersten Platz liegt weiter die AfD mit 27 Prozent (plus 1 Punkt) – ein Rekordwert, den die Partei erstmals im November 2025 erreicht hatte. Auch in den Umfragen anderer Forschungsinstitute war die AfD zuletzt vor CDU und CSU stärkste Kraft. Die Grünen büßen in der „Sonntagsfrage“ einen Punkt ein und fallen auf 13 Prozent. Die Linke hält mit elf Prozent ihren Wert – ebenso wie die FDP mit drei Prozent. Alle übrigen Parteien liegen unterhalb der Fünfprozenthürde.
Rechnerisch möglich wäre so lediglich ein Dreierbündnis aus Union, Grünen und SPD. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben die übrigen Parteien ausgeschlossen, die CDU/CSU zudem auch ein Bündnis mit der Linkspartei.
Schlechte Werte für Merz und die Bundesregierung
Die Arbeit der Bundesregierung und von Kanzler Friedrich Merz (CDU) wird im aktuellen „Politbarometer“ überwiegend negativ bewertet. In der am Freitag veröffentlichten Umfrage geben 69 Prozent der Befragten an, die Regierung leiste eher eine schlechte Arbeit. Nur 26 Prozent bewerten deren Arbeit als gut.
Lediglich von den Anhängerinnen und Anhängern der Union wird die Regierungsarbeit mit 59 Prozent mehrheitlich positiv bewertet, bei der SPD sind es 45 Prozent. Kurz nach Amtsantritt der Regierung vor einem Jahr war diese noch von insgesamt 51 Prozent der Befragten als eher gut bewertet worden.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Merz. Über den Bundeskanzler äußern sich nur noch 28 Prozent der Befragten zufrieden, für 68 Prozent macht er einen eher schlechten Job. Vor einem Jahr hatten sich über Merz noch 47 Prozent positiv und 35 Prozent negativ geäußert. Damit stehen die Regierung und ihr Kanzler jeweils deutlich schlechter da als die vorherige Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach dem ersten Jahr ihrer Amtszeit.
Bemerkenswert ist, dass die Anhängerinnen und Anhänger von Union und SPD das jeweilige Gewicht ihrer Parteien in der Regierungsarbeit gegensätzlich einschätzen. Im Lager der Union halten 59 Prozent den Einfluss der SPD für zu groß. Hingegen betrachten im Lager der Sozialdemokraten 49 Prozent das politische Gewicht der SPD als zu gering.
Pistorius führt Politiker-Ranking weiter an
In der Skala der zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker führt weiterhin Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit einem Wert von 1,8 (zuvor 1,7). Es folgt der voraussichtliche neue baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) mit 1,0 (0,9) vor Außenminister Johann Wadephul (CDU) mit 0,4 (0,3).
Die zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker:
- Boris Pistorius (SPD)
- Cem Özdemir (Grüne)
- Johann Wadephul (CDU)
- Lars Klingbeil (SPD)
- Markus Söder (CSU)
- Bärbel Bas (SPD)
- Heidi Reichinnek (Linke)
- Friedrich Merz (CDU)
- Katherina Reiche (CDU)
- Alice Weidel (AfD)
Die Werte aller übrigen Politikerinnen und Politiker liegen im negativen Bereich, darunter Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil mit minus 0,2 (minus 0,4), CSU-Chef Markus Söder mit minus 0,6 (minus 0,9), Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas mit minus 0,7 (minus 0,6) und Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek mit unverändert minus 0,8.
Merz erreicht auch hier einen neuen Tiefstwert von minus 1,3 (minus 1,1). Es folgen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit minus 1,5 (minus 1,6) und als Schlusslicht AfD-Chefin Alice Weidel mit minus 2,2 (minus 2,4).
Jeder Zweite rechnet mit vorzeitigem Aus von Schwarz-Rot
Unterdessen geben 48 Prozent der Befragten an, mit einem vorzeitigen Aus der Koalition zu rechnen. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Erhebung aus dem März mit 30 Prozent. Inzwischen rechnen nur noch 47 Prozent damit, dass die seit einem Jahr amtierende Regierung von Kanzler Merz bis zur Wahl im Jahr 2029 halten wird – nach 66 Prozent im März.
Für die repräsentative Umfrage wurden laut ZDF vom 5. bis zum 7. Mai 1240 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch und online befragt.
Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen auch nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen zu etwaigen Wahlausgängen. (Tsp/dpa/AFP)