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Ausstellung: Holocaust-Ausstellung: Was wussten die Deutschen wirklich?

2026-03-25
In gesellschaft Vom admin

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Mehr als 80 Jahre nach dem Holocaust stellt eine Ausstellung in Berlin die Frage: Was wussten die Deutschen damals von der Vernichtung der europäischen Juden? Die Antwort lautet: Man hätte einiges wissen können. Es waren auch im NS-Staat und trotz Repressionen erstaunlich viele Indizien verfügbar. Einige trugen dieses Wissen für sich systematisch zusammen. Aber es waren wohl die wenigsten.

„Wir versuchen wirklich in der Ausstellung zu verdeutlichen: Es sind Bruchstücke, und jeder hat von anderen Bruchstücken gehört“, sagte Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, wo die Ausstellung bis Ende Januar 2027 zu sehen ist. Informationen über die Verbrechen im Namen der Deutschen kursierten unter der Hand. „Nicht jeder hat alle Informationen dann jeweils bekommen, sondern immer nur Teile davon, Fragmente.“

Hinweise im Alltag

Die Ausstellung beleuchtet einerseits die offiziellen Verlautbarungen der Nationalsozialisten, die ihre Absichten teils kaum verschleierten. So drohte NS-Diktator Adolf Hitler 1939 für den Fall eines Weltkriegs mit der „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“. Zu dem Zeitpunkt hatten die Nazis bereits Juden boykottiert, verhöhnt, entrechtet und enteignet, Pogrome entfacht, Menschen in die Flucht getrieben, verhaftet, verschleppt. Mussten Zeitgenossen nicht davon ausgehen, dass Hitler Ernst macht?

Auch im Alltag gab es Hinweise darauf, das zeigt die Ausstellung. So wurde etwa Hausrat enteigneter oder geflohener Juden bei Auktionen billig unter die Leute gebracht. Etliche griffen zu. Ein Exponat sind Teller eines hochwertigen Services für zwölf Personen aus dem Besitz von Erna und Felix Ganz, das 1941 zwangsversteigert wurde. Eine Nachfahrin des Käufers teilte das Service 2023 mit Nachkommen von Felix Ganz. 

Man schnappte Gerüchte auf

Verhaftungen und Deportationen von Juden verliefen nicht heimlich. Wehrmachtssoldaten sahen oder verübten während des Feldzugs Verbrechen und brachten ihr Wissen mit nach Hause. Nach Erkenntnissen der Historiker hörte auch etwa die Hälfte der Menschen im Reich trotz Verbots ausländische Sender, so etwa Reden des Papstes auf Radio Vatikan oder die britische BBC mit Reden des Literaten Thomas Mann aus dem Exil. Wer es nicht selbst hörte, schnappte Gerüchte auf. 

Und doch war es offenbar leicht, sich vor solchen Informationen wegzuducken. „Um zu so einer Art Gesamtbild zu kommen, musste man schon aktiv werden und diese Informationsbausteine zusammenbringen“, sagte Kurator Christian Schmittwilken. Auch dafür gibt es Beispiele, etwa die Stuttgarterin Anna Haag, die in ihrem Kriegstagebuch systematisch die Lage analysierte. „Immer wieder haderte sie damit, so viel zu wissen und doch nichts dagegen tun zu können“, heißt es in der Ausstellung. 

Man wollte lieber nicht wissen

Viele hatten Angst vor Denunziation, Repression oder Verhaftung. Viele ignorierten die Puzzleteile des Grauens womöglich auch, weil sie ahnten, dass sie selbst in Verantwortung genommen würden. Wie Schmittwilken berichtete, versuchten die Nazis 1943, die Bevölkerung mit einer antisemitischen Kampagne zu Mitwissern zu machen. Ziel war, sie mit der Angst vor dem möglichen Zorn der Sieger im Krieg zum Durchhalten zu bewegen. Doch sei die Kampagne abgebrochen worden, weil die Bevölkerung unwillig darauf reagiert habe, sagte der Kurator. Nach 1945 hielt das an.

„Die wenigsten haben gesagt, ich wusste überhaupt nicht, was da passiert ist“, sagte Schmittwillken. „Denn die meisten, das zeigt die Ausstellung auch, sind doch unmittelbar mit Bruchstücken in Kontakt gekommen. Aber man muss sagen, viele Leute wollten es ganz einfach nicht wissen.“ 

So blieb bei den Menschen Verdrängtes, bei ihren Kindern und Kindeskindern blieben offene Fragen. Kaum ein Aspekt der NS-Zeit interessiere die Menschen heute mehr als diese Frage nach Wissen, Nichtwissen und Verdrängung, wissen die Berliner Historiker. Eigene Ausstellungen zum Thema seien bisher selten gewesen. In Berlin ist die Präsentation mit rund 300 Exponaten bis 31. Januar 2027 zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

© dpa-infocom, dpa:260324-930-858227/2

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