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Judenhass in Deutschland : Ein Anlass findet sich immer

2026-03-25
In gesellschaft Vom Sebastian Leber

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In zwei Wochen wollen Aktivisten aus ganz Deutschland nach Thüringen zur Gedenkstätte Buchenwald reisen. Am 11. April, dem Jahrestag der Befreiung des KZ, werden sie aber nicht etwa der rund 56.000 Menschen gedenken, die dort während der Herrschaft des Nationalsozialismus zu Tode kamen, sondern Druck auf die Gedenkstätten-Leitung ausüben, damit diese endlich den ihrer Meinung nach erwiesenen „Völkermord in Gaza“ thematisiert. Die Aktivisten werden Palästinensertücher tragen. Ihre Aktion heißt „Kufiyas in Buchenwald“.

Sebastian Leber ist Reporter beim Tagesspiegel. Er recherchiert seit Jahren zu politischem Extremismus, insbesondere zu Rechtsextremismus und Antisemitismus. In seiner Kolumne beschäftigt er sich jede Woche mit einer Widrigkeit der Gegenwart.

Was wie dumpfe Provokation klingt, ist auch genau das – allerdings eine mit System. Das Vorhaben fügt sich ein in eine lange Liste von Versuchen, die Singularität des Holocausts infrage zu stellen. Der Wunschgedanke dahinter: Würde der Holocaust in Deutschland nach 80 Jahren nicht länger als das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte erinnert, sondern bloß als ein Zivilisationsbruch unter vielen, nähme auch die Notwendigkeit ab, das Existenzrecht Israels zu verteidigen.

Es schmerzt zu sehen, dass dieser Manipulationsversuch in der deutschen Öffentlichkeit bislang kaum Empörung auslöst. Während die Anstrengungen Rechtsextremer, einen „Schlussstrich“ zu ziehen, bis heute glücklicherweise energisch zurückgewiesen werden, wird hier – wie so oft, sobald es um Antisemitismus geht – vor allem hingenommen und weggeschaut.

Gazakrieg, Epstein-Akten, Irankrieg

Es schmerzt auch zu sehen, dass der Waffenstillstand in Gaza keineswegs dazu geführt hat, dass sich Juden auf Deutschlands Straßen sicherer fühlen können. Stattdessen haben erst die Veröffentlichung der Epstein-Akten und dann der Irankrieg zu neuem Judenhass inklusive bizarrer Verschwörungsmärchen geführt.

Es schmerzt zu sehen, wie Israelis in Berlin ihren Kindern beibringen, auf der Straße nicht Hebräisch zu sprechen. Wie Juden aus Berlin wegziehen, weil sie es hier nicht mehr aushalten. Wie Zehntausende die Konzerte von Xavier Naidoo besuchen, als sei nichts gewesen. Dass ein DJ gecancelt wird, weil er sich weigert, den jüdischen Staat zu verdammen. Dass eine taz-Redakteurin den Zentralrat der Juden auffordert, „einfach mal die Klappe“ zu halten.

Es schmerzt zu sehen, dass die radikalen Israelfeinde in der Partei „Die Linke“ trotz Gegenwehr von Parteifreunden weiter an Einfluss gewinnen, Skandalbeschlüsse wie jenen im Landesverband Niedersachsen durchsetzen können und damit, wie der Berliner Autor und Rechtsanwalt Hendrik Wieduwilt treffend formuliert, eine Anleitung für zivilen Antisemitismus geschrieben haben.

Nach diesem erneuten Eklat ist Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner aus der Linkspartei ausgetreten. Die Mitgliedschaft sei für einen Antisemitismusbeauftragten, der sein Amt ernst nehme, einfach nicht mehr vertretbar gewesen, erzählt er mir eine Woche nach seinem Austritt am Telefon. Und dass er sehr erleichtert sei, diese Entscheidung nun getroffen zu haben: „Viele Parteifreunde schrieben mir und haben gratuliert. Einige überlegen, den gleichen Weg zu gehen.“

Zwar hat die toxische Bubble der radikalen Israelfeinde nach dem Überschreiten ihres Höhepunkts Ende 2024 an Mobilisierungspotential verloren, ist massiv geschrumpft. Die verbliebenen Aktivisten haben sich weiter radikalisiert. So ähnlich war es auch bei den Querdenkern. Leider gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während Letztere mit ihren Erzählungen großteils in der eigenen Echokammer steckenblieben, haben die radikalen Israelfeinde ihr Gift bis weit in die Mitte der Gesellschaft getragen. Sie waren in dieser Hinsicht deutlich erfolgreicher als die Querdenker. Und ihre Narrative werden bleiben.

Es schmerzt zu sehen, wie wenig Bereitschaft besteht, über antisemitische Vorfälle zu sprechen, sobald es Menschen aus dem eigenen Milieu, dem eigenen politischen Lager oder dem eigenen Umfeld betrifft. Journalisten erleben das ständig.

Schweigen anstatt Aufklärung

Jüngstes Beispiel ist die Spore-Initiative in Neukölln. Diese wurde vom Mäzen Hans Schöpflin gegründet, soll eigentlich „biokulturelle Vielfalt durch Bildungs- und Kulturprogramme“ fördern. Tatsächlich kam es bei Veranstaltungen in der Spore wiederholt zu Sympathiebekundungen für Terrorgruppen, zur Dämonisierung Israels sowie zur Verleugnung des Existenzrechts des jüdischen Staates.

Ich habe Hans Schöpflin angeschrieben und gefragt, ob er uns zu diesem Thema ein Interview geben und seine Sicht auf das Vorgefallene schildern würde. Er ging nicht darauf ein. Ich fragte dann an, wann ihm zum ersten Mal von diesen Missständen berichtet wurde und was er als Gründer unternommen habe, um diese Missstände abzustellen. Hans Schöpflin schweigt.

Wie soll der Kampf gegen Antisemitismus gelingen, wenn sich Menschen wie Schöpflin, die tatsächlich einen Unterschied machen könnten, einfach wegducken, auch wenn man sie freundlich um ein Gespräch bittet?

Es schmerzt gerade so vieles. Aber das Entscheidende: Ich kann mir kaum vorstellen, wie viel größer und unerträglicher dieser Schmerz für jene Menschen sein muss, die selbst von Antisemitismus betroffen sind.

Die Linke Gazastreifen Nationalsozialismus Thüringen auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

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