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Trauer: Politisch motivierter Theater-Rebell: Claus Peymann ist tot

2025-07-17
In gesellschaft Vom admin

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Er selbst bezeichnete sich als „Prinzipal alter Ordnung“ und einen der letzten großen linken Theatermacher in Deutschland. Sich einmischen und auf Missstände aufmerksam machen - so lautete das Credo des nimmermüden Rebellen Claus Peymann. Nun ist Peymann im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte die frühere Geschäftsführerin des Berliner Ensembles, Miriam Lüttgemann, der Deutschen Presse-Agentur mit. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. 

Das Theatermachen empfand er als eine öffentliche Tätigkeit. „Folglich ist ein Theaterdirektor jemand, der sich zu Wort melden muss“, sagte der langjährige Leiter des Berliner Ensembles einmal. „Ich halte nichts von den sensiblen Hinterstübchen, in denen die meisten meiner Kollegen sitzen - obwohl das vielleicht oft nur aus Opportunismus geschieht.“

Was ist über seinen Werdegang bekannt?

Jahrzehntelang machte der Regisseur und Theaterintendant auch jenseits der Bühne Schlagzeilen. Über Stuttgart, Bochum und Wien kam Peymann zum Berliner Ensemble (BE). Dort trat er als „Reißzahn im Arsch der Mächtigen“ an und sorgte bis zu seinem Abschied im Sommer 2017 für ein ausverkauftes Haus.

Autoren wie Thomas Bernhard und Thomas Brasch, Botho Strauß, Peter Turrini, Peter Handke, George Tabori und Elfriede Jelinek gehörten zu Peymanns Weggefährten. Er verpflichtete US-Regisseur Robert Wilson und Popstar Herbert Grönemeyer für umjubelte Inszenierungen wie das Goethe-Musical „Faust I und II“.

Furore wegen seines politischen Engagements

Furore machte Peymann oft weniger mit seinen eigenen, mit der Zeit eher sehr klassisch angelegten Inszenierungen. Für Aufregung sorgte dagegen immer wieder sein politisches Engagement: Er zeigte Solidarität mit dem wegen seiner Serbien-Sympathie in der Kritik stehenden Handke und bot dem ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar ein Praktikum am Berliner Ensemble an. 

Wie damals in den 70er Jahren, als er am Stuttgarter Staatstheater in einer Aufsehen erregenden und folgenschweren Aktion Spenden für die Zahnbehandlung von RAF-Häftlingen sammelte, gehe es um den Kampf für eine gerechtere Welt, sagte Peymann dazu.

Er kommentierte die Berliner Kulturpolitik

Auch in die seiner Ansicht nach verfehlte Berliner Kulturpolitik mischte er sich ein. Er begleitete etwa den unfreiwilligen Abgang von Frank Castorf als Chef der Berliner Volksbühne und das Scheitern von dessen Nachfolgers Chris Dercon kritisch und lautstark. An seinem eigenen Nachfolger am Berliner Ensemble, dem vom Schauspiel Frankfurt gekommenen Oliver Reese, ließ Peymann kein gutes Haar.

Peymann erregte Theater- wie Politikergemüter. Seine Karriere führte ihn von der Berliner Schaubühne - zu deren Gründungsmitgliedern er zusammen mit Peter Stein gehörte - und dem bürgerlichen, ihn nach seiner Spendenaktion für die RAF-Häftlinge nicht mehr duldenden Stuttgart über „dieses proletarisch dunkle Kohlerevier-Theater Bochum“ bis in die „Ersatzmonarchie“ des Wiener Burgtheaters (Peymann: „Ich war der liebe Gott in Wien“).

Sein Wirken als Regisseur

Als Regisseur schrieb Peymann Theatergeschichte. Mit seinen Heiner-Müller-Uraufführungen und Kleists „Hermannsschlacht“ am Bochumer Schauspielhaus sowie seinen Uraufführungen von Bernhard (wie zum Beispiel dem spektakulären „Heldenplatz“ 1988), Handke, Tabori und Turrini. Der am 7. Juni 1937 in Bremen als Sohn eines Studienrates geborene Theatermacher bezeichnete sich zuletzt als „ein staunenswertes Monstrum, das noch immer eine bestimmte Ethik des Berufes hochhält.“

Nach seinem Abschied als Direktor des Berliner Ensembles zog es Peymann an seine alten Wirkungsstätten zurück. In Stuttgart wurde sein „König Lear“ mit Martin Schwab in der Titelrolle des Shakespeare-Dramas bejubelt. In Wien arbeitete er an einer Inszenierung von Eugène Ionescos „Die Stühle“, wegen einer Erkrankung sprang Leander Haußmann ein und setzte das Projekt bis zur Premiere 2019 fort.

Ganz bewusst setzte Peymann auf klassische Interpretationen klassischer Stücke. Mit dem gehypten Spektakel- und Performance-Theater wollte er nichts zu tun haben. Und wenn Kritiker sein Berliner Ensemble deshalb als „Museum“ bezeichneten, antwortete er: „Manchmal ist das Museum der lebendigste Ort einer Stadt.“

© dpa-infocom, dpa:250716-930-806333/1

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