Am Mittwoch steht der Flugverkehr am Berliner Hauptstadtflughafen BER komplett still. Reguläre Passagierflüge seien nicht möglich, teilte eine Sprecherin der Flughafenleitung am Montagnachmittag mit. Betroffen sind rund 445 Abflüge und Landungen mit etwa 57.000 Passagieren.
Grund ist ein Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi alle Beschäftigten der Flughafengesellschaft FBB am BER aufgerufen hat. Hintergrund sei die Blockadehaltung der BER-Leitung in den laufenden Tarifverhandlungen, teilte die Gewerkschaft am Montagnachmittag mit.
Das jüngste Angebot der Arbeitgeberseite sei eine „Provokation am Verhandlungstisch“, hieß es von Verdi. „Wer den Beschäftigten über mehrere Jahre hinweg praktisch nur ein Prozent mehr Lohn pro Jahr anbietet, während die Lebenshaltungskosten steigen, zeigt keinerlei Wertschätzung für ihre Arbeit“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler.
BER-Chefin Aletta von Massenbach bezeichnete den Warnstreik am Montagnachmittag als „unverhältnismäßig – gerade in einer durch den Iran-Krieg ohnehin sehr angespannten Lage“. Die Geschäftsführung sei zuversichtlich, dass bei der nächsten Verhandlungsrunde eine Einigung zustande komme.
Zum Arbeitskampf sind laut Verdi rund 2000 Mitarbeitende der Flughafengesellschaft (FBB) zwischen 5 und 0 Uhr aufgerufen. Darunter sind Beschäftigte der Flughafenfeuerwehr, der Verwaltung, Sicherheitspersonal sowie Mitarbeiter der Flugsicherung und Bestreifung – also jene, die einen reibungslosen Flugablauf gewährleisten.
Insgesamt arbeiten am Hauptstadtflughafen rund 20.000 Menschen. In operativen Bereichen wie der Sicherheitskontrolle oder der Gepäckabfertigung sind vor allem Dienstleister der FBB tätig – diese sind nicht vom Streik betroffen. Die BER-Leitung benachrichtigte Fluggesellschaften, Dienstleister, Sicherheitsunternehmen und ansässige Gewerbebetriebe am Montagnachmittag über die Einschränkungen, erklärte eine Sprecherin. Fluggäste würden über die Webseite des Flughafens und in sozialen Netzwerken informiert.
Verdi fordert Plus von sechs Prozent bei 12 Monaten Laufzeit
Die nächste Verhandlungsrunde ist laut Gewerkschaft für den 25. März angesetzt. Verdi fordert eine Lohnsteigerung von sechs Prozent und mindestens 250 Euro für alle Beschäftigten, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dem gegenüber steht das Angebot der Flughafenleitung: Bis Juni soll es eine Nullrunde geben, gefolgt von einer Lohnsteigerung von einem Prozent ab Juli 2026, 1,5 Prozent ab Juli 2027 und einem weiteren Prozent ab Mai 2028.
Zudem fordert die Gewerkschaft, dass ein Ausbildungstarifvertrag – der eine Mindestanzahl von Plätzen sowie eine Übernahme der Auszubildenden regelt – wieder in Kraft gesetzt wird. Die Flughafenleitung hatte diesen Ende 2025 aufgekündigt.
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„Es liegt in der Natur der Sache. Wir machen das nicht aus Spaß, sondern aus Notwendigkeit“, sagte Rößler zu den Einschränkungen für Fluggäste. Bei Tarifverhandlungen müsse man die Möglichkeit haben, den Forderungen Nachdruck zu verleihen. „Wir hoffen, dass es bei der nächsten Verhandlungsrunde zum Durchbruch kommt“, sagte Rößler.
Diese Rechte haben Fluggäste
Im Fall eines Streiks müssten Airlines bei kurzfristigen Flugstreichungen oder großen Verspätungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt einen Ersatztransport organisieren, heißt es beim Potsdamer Fluggastrechteportal Flightright. Will man sein Geld zurückerhalten, könnten Passagiere stattdessen auch eine Ticketrückerstattung verlangen.
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Bei Pauschalreisen haben Reisende laut Verbraucherzentrale ab einer Verspätung von fünf Stunden Anspruch auf eine Preisminderung. Einen Entschädigungsanspruch gemäß der europäischen Fluggastrechteverordnung sehen die Juristen von Flightright bei Streiks in der Regel nicht, da sich diese der Kontrolle der Fluggesellschaften entzögen.
Dennoch müssten die Airlines auf der Suche nach Ersatztransporten ihre eigenen und Flüge anderer Gesellschaften mit direkten oder indirekten Verbindungen prüfen. „Sollte die schnellstmögliche Beförderung erst etliche Stunden nach dem Ende des Streiks möglich sein, können Flugreisende daher im Einzelfall trotzdem Anspruch auf Entschädigungsleistungen haben“, heißt es auf dem Portal.
„Sie können eine Rückerstattung über den vollen Wert ihrer Buchung erhalten“, schreibt beispielsweise Easyjet zum Vorgehen bei annullierten Flügen. Alternativ ließe sich eine Umbuchung in der App vornehmen. Auch andere Anbieter versprechen schnelle Hilfe. Bei der Lufthansa lassen sich auf einigen Strecken die Tickets auch in Bahnfahrkarten umwandeln. (mit dpa)