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Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

2026-05-01
In leben Vom Andreas Busche

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Den Vorwurf der Bürgerlichkeit will Maja nicht auf sich sitzen lassen. Schauspiel und Theater sind zwar zutiefst bürgerliche Institutionen, doch die Erkenntnis der eigenen Privilegien ruft bei der Schauspielerin augenblicklich einen Abwehrreflex hervor. Ihre mühsam kontrollierte Contenance fällt von ihr ab, ihr Wutausbruch gegenüber der Regisseurin Caroline entwickelt dann schon mehr von der archaischen Kraft Medeas, die diese von ihrer Hauptdarstellerin sehen will. Die Filmcrew steht sichtlich betroffen im Wasser herum.

Um ein Missverhältnis von Selbst- und Fremdwahrnehmung geht es in Ulrich Köhlers neuem Film „Gavagai“ – und am Rande auch um die Schwierigkeit, eine verbindende Sprache für gemeinsame Erfahrungen zu finden. Der Filmtitel bezieht sich auf eine Hypothese des amerikanischen Philosophen Willard Van Orman Quine über einen Ethnologen, der auf einer Forschungsreise einen Indigenen trifft, welcher auf einen Hasen zeigt und das Wort „Gavagai“ ausspricht. Doch was soll der Wissenschaftler mit dieser Auskunft in einer fremden Sprache anfangen?

In „Gavagai“ werden fünf Sprachen gesprochen: Französisch, Wolof, Englisch, Deutsch und kurz auch Polnisch. Da sind Missverständnisse – auch kulturelle – wohl unvermeidlich. Die französische Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) dreht an der Küste Senegals eine radikale Neuinterpretation des Medea-Mythos. Die Korinther werden von der senegalesischen Dorfbevölkerung gespielt, die Rolle des Jason übernimmt Nourou (Jean-Christophe Folly), der seiner Heimat aber schon lange den Rücken in Richtung Paris gekehrt hat und die Einheimischen herablassend behandelt. Der Besetzungscoup: Die gedemütigte und wegen ihrer Hautfarbe diskriminierte Heldin spielt die Deutsche Maja (Maren Eggert).

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Dass dieser Drehbuch-Twist Probleme mit sich bringt, realisiert die Regisseurin allerdings erst, als sich die Crew ein Jahr später unter veränderten Bedingungen auf einem großen Berliner Filmfestival wiedertrifft. Die verheiratete Maja und Nourou hatten während der Dreharbeiten eine Affäre begonnen, aber zurück in ihrem bürgerlichen Leben, das die Schauspielerin vor der Kamera so gerne externalisieren würde, haben sich die Machtverhältnisse umgedreht. Sie möchte ihn auf Distanz halten, spielt sich nach einem rassistischen Zwischenfall mit einem polnischen Hotelmitarbeiter aber gleichzeitig als seine Beschützerin auf.

Der Film

Gavagai Deutschland, Frankreich 2025 Regie und Buch: Ulrich Köhler. Mit: Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, Anna Daikhere Thiadoum. 91 Minuten. Jetzt im Kino 

Mit seiner Film-im-Film-Konstruktion fächert Köhler ein Repertoire an Rollenbildern auf, die sich – kontextabhängig – im ständigen Fluss befinden. Caroline will mit ihrem Medea-Film rassistische Vorstellungen hinterfragen, reproduziert am Filmset in Afrika aber wieder nur koloniale Hierarchien. Zum Beispiel in der Kantine, wo den senegalesischen Komparsen (eine fast Screwball-hafte Eskalation!) die saftigen Hähnchenkeulen vorenthalten werden. Die lautstarke Intervention Majas in der Hotellobby wiederum bringt den Sicherheitsmann um seinen Job. Der verteidigt sich später damit, dass er ja kein Rassist sein könne, weil er als polnischer Arbeiter in Deutschland ebenfalls Rassismus erfahre. „Wer wäre ich in eurem Film?“, fragt der Chef der Sicherheitsfirma irgendwann Nourou. „Der Bösewicht?“

Szene aus dem Film "Gavagai" von Uli Köhler
Foto: Port au Prince Pictures
Sieht den Elefanten im Raum nicht. Maja (Maren Eggert) auf der Berlinale-Pressekonferenz.

© Port au Prince Pictures

Nourou lässt diese Übergriffigkeiten – Majas gut gemeinte Hilfsbereitschaft, die Verständnislosigkeit des polnischen Rassismusopfers, den Enthusiasmus Carolines, die ihn zur Premiere in ein affiges Glitzersakko stecken will („So siehst du mich also?“) – stillschweigend über sich ergehen. Und am Ende bleibt ihm dann trotzdem keine andere Wahl, als auf der sehr komischen Pressekonferenz den prätentiösen Kunstschmarrn von einem Medea-Film als „Meisterwerk“ zu verteidigen, nachdem sich die Regisseurin von ihren Kritikerinnen kulturelle Aneignung vorwerfen lassen musste. Er ist allerdings auch der einzige auf dem Podium, der in einer surreal-absurden Einstellung Caroline als den „Elefanten im Raum“ sieht. Eine weiße Regisseurin, die einen Film in Afrika dreht und die Einheimischen nur als Statisten benutzt.

2011 hatte Köhler sich mit „Schlafkrankheit“ aus dem regionalen Kontext der sogenannten Berliner Schule gelöst. Der Film basiert auf seiner eigenen Kindheit im Kongo, wo seine Eltern einige Jahre als Entwicklungshelfer arbeiteten, und reflektiert die neokolonialen Verhältnisse in Kamerun, die automatisch wiederhergestellt werden, wenn Europäer in Afrika Gutes schaffen wollen.

Mit „Gavagai“ holt er diese Problematik nun nach Berlin zurück und verkompliziert die Perspektiven noch einmal. Dieses kommunikative Missverständnis erzeugt immer wieder komische Effekte, auch wenn man der Gewissenhaftigkeit, mit der Köhler diese Konflikte dreht und wendet, anmerkt, dass der Regisseur bei seinen eigenen Dreharbeiten in Kamerun vor 15 Jahren selbst einen kleinen Kulturschock davongetragen hat.

Aber er kennt den deutschen Filmbetrieb auch gut genug, dass sich so manch anderer Regisseur in der moralischen Selbstgewissheit seiner Figuren wiedererkennen kann. Caroline beendet die Diskussion auf der Bühne kurzerhand mit einer Ohnmachtsgeste, die man in diesem Jahr auch auf der Berlinale oft gehört hat. „Können wir jetzt mal über den Film reden?“

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