So langsam wird Kai Wegner zur lahmen Schnecke im Roten Rathaus. Erst das desolate Krisenmanagement rund um den Stromausfall im Januar, dann die Fördergeldaffäre mit dem späten Rücktritt der Kurzzeit-Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson: Immer wenn‘s drauf ankommt, agiert Kai Wegner erst lange gar nicht und dann zögerlich.
Robert Ide ist Tagesspiegel-Autor und schreibt unter anderem die Newsletter „Checkpoint“ und „Im Osten“. Er sagt: Fünf Monate vor der Abstimmung über die Zukunft Berlins sticht noch niemand heraus, der sie in die Hand nehmen kann.
So wachsen selbst in den eigenen Reihen die Zweifel am Regierenden Bürgermeister und seiner Hoffnung auf eine zweite Amtszeit. Seinen Amtsbonus hat er jedenfalls verspielt.
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Natürlich kann die CDU nicht fünf Monate vor der Wahl ihren Chef aus dem Roten Rathaus jagen. Und abgesehen von Finanzsenator Stefan Evers drängt sich niemand aus dem Senat für eine Nachfolge auf. Evers aber ist nun auf Druck der CDU noch zusätzlich zum Kultursenator für die restliche Amtsperiode ernannt worden, was ihn intern noch stärker macht.
Wegner wirkt schon jetzt müde im Amt
Kai Wegners Machtbasis schrumpft, sein Vorsprung in den Umfragen schmilzt und er wirkt schon jetzt ziemlich müde im Amt. Mit ihm an der Spitze erlebt die CDU ein negatives Momentum im Wahlkampf. Ihr einziges Glück: Die Konkurrenz der Parteien, die auch regieren wollen, hat noch kein eigenes Momentum gefunden.
Fünf Monate vor der Abstimmung über die Zukunft der Stadt sticht noch niemand heraus, der sie in die Hand nehmen kann.
Tagesspiegel-Autor Robert Ide
Die wiedererwachte Linke bietet mit Elif Eralp eine frische, bodenständige Kandidatin auf und zieht das Berliner Überlebensthema Mieten hoch. Aber die Partei ist nicht zuletzt wegen ihrer Bezirks-Wahllisten zersplittert, ihre Regierungsfähigkeit bleibt bisher unklar.
Die Grünen wiederum verfügen über eine feste Basis an Wählerinnen und Aktiven in der Innenstadt, haben aber mit Werner Graf keinen charismatischen Kandidaten. Einen Neuanfang in der Opposition hat die Partei verpasst – nun wird es für sie schwer, über das eigene Klientel hinauszukommen.
Die SPD schließlich hat jahrzehntelang in Berlin mitregiert, alle Probleme der Stadt sind auch ihre. Immerhin zeigt sie mit Steffen Krach aus Hannover ein überraschendes, wenn auch vielen noch unbekanntes Gesicht auf ihren Plakaten. Zum großen Umschwung reicht das allerdings noch nicht.
Fünf Monate vor der Abstimmung über die Zukunft der Stadt sticht noch niemand heraus, der sie in die Hand nehmen kann. Sollte sich der Wahlkampf weiter so hinziehen, könnte eine Kleinigkeit in den letzten zwei Wochen darüber entscheiden, wer am Ende knapp vorn liegt. Bis dahin erlebt Berlin ein Schneckenrennen auf das Rote Rathaus – ziemlich langsam, aber immerhin spannend.
Jeden Donnerstag ab 6 Uhr kommentiert Robert Ide stadtpolitische Themen bei Simone Panteleit und Team im Berliner Rundfunk 91.4. Im Tagesspiegel finden Sie den Kommentar zum Nachlesen und Nachhören.