Dazu Kuscheltechno aus Down Under, Absolventen der Berliner Schule, einen schottischen Trauerkloß, ein fideles Schwedentrio, und die Tochter eines berühmten Schriftstellerehepaars – zum Start in den Wonnemonat Mai ist auf Berliner Konzertbühnen einiges geboten.
1 Rüfüs du Sol
© Boaz Kroon
Fans geschmeidiger Clubsounds, die keine Karten für das Konzert von Paul Kalkbrenner im Potsdamer Neuen Palais (9.5.) ergattert haben, sollten dieses australische Trio als Alternative in Erwägung ziehen.
Rüfüs Du Sol, das sind Tyrone Lindqvist, Jon George und James Hunt aus Sydney, die seit 15 Jahren eine ohrenschmeichelnde Verschmelzung butterweicher Beats, sphärischer Klangteppiche und hauchzarter Gesänge als Signature Sound haben.
Das unerreichte Vorbild in dieser Disziplin ist Coldplays „A Sky Full Of Stars“, aber die epische Trance-Hymne „Innerbloom“ von 2015 kommt da ganz nahe ran. (wun)
Velodrom
Paul-Heyse-Str. 26, Prenzlauer Berg, Fr/Sa 1./2.5., 20 Uhr, ab 108 Euro

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2 Johannes Oerding
© Sony Music Germany
Eine Rampensau war er schon immer. Anfang der Nuller zum Beispiel, als Johannes Oerding, Jahrgang 1981, mit seiner Soul-Schulband Groovekeller auf Stadtfesten am Niederrhein auftrat und als Highlight stets „Let Me Entertain You“ schmetterte.
Bereits damals war klar: Der kann, fühlt und will das. Die Show, das Rampenlicht, die großen Bühnen. Robbie Williams’ Motto wurde seines, nur ohne Schlagzeilen und Skandale: 25 Jahre später gehört der Sänger und Songwriter zu den konstantesten Popstars dieses Landes. Wie hat er das geschafft?
Johannes Oerding hat nie den einen „Ach, der!“-Hit gelandet. Kein „Ein Hoch auf uns“, kein „80 Millionen“. Den brauchte er deshalb nicht, weil er in einer Zeit einen Plattenvertrag ergatterte, als Majorlabels Künstler noch behutsam aufbauten und nicht auf schnelle Streaming-Hits schielten.
Er trat im Vorprogramm von Joe Cocker und Simply Red auf, füllte selbst immer größere Hallen. Verkaufte Alben mit Gold- und Platinstatus. Saß in der Jury von „The Voice of Germany“. Nahm Songs mit Peter Maffay, Sido, Tim Bendzko und Clueso auf und an der TV-Sendung „Sing meinen Song“ teil, seit 2021 als Gastgeber.
Noch immer kennt nicht jeder seine Musik, aber viele sein Gesicht. Oerding vereint mittlerweile drei Generationen in einer Zielgruppe: Kinder, Mütter seines Alters und deren Mütter können sich gleichermaßen auf ihn einigen. Manchmal sogar die Väter.
Der Grund dafür liegt nicht allein in seiner Stimme und den Sympathiewerten. Erstens kratzen seine Texte am „Carpe Diem“-Schlagerfeeling. Es geht um Liebe, Sehnsucht, Nostalgie, den Moment und andere Allgemeinplätze. Um Projektionsflächen der eigenen, nicht in Worte zu fassenden Emotionen seiner Fans.
Zweitens produzierte er selbst während seiner Beziehung mit Ina Müller keinen Gossip – und damit ein Bild vom fast perfekten Schwiegersohn. Einer, der sich zunehmend Ecken und Kanten erlaubt.
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Seine achte Platte „Hotel“ ist seine dritte Nummer 1 in Folge und bietet Überraschendes: Neben Bausteinen aus mildem Beat, Akustikgitarre und bekanntem Mitsingappeal, Features mit Maffay und Michael Patrick Kelly sowie einem Schmachtduett mit Sarah Connor hören wir Banjo, Pedal Steel und Violine.
Wie eine Hommage an Mumford & Sons, ein Roadtrip. Dabei ist Oerding längst angekommen – in den größten Arenen dieses Landes, um mithilfe seiner eingespielten Liveband den Fans und sich selbst eine gute Zeit zu bescheren. Als Entertainer vor dem Herrn. (soet)
Uber Arena
Uber-Platz 1, Friedrichshain, Sa 2.5., 19:30 Uhr, ab 68 Euro
3 Mia.
© Anna K.O.
Eine Weile war es in Diskurszirkeln konsensfähig, die Berliner Band Mia. blöd zu finden: Von der affektierten Schreibweise (mit Punkt) über den peinlichen Künstlernamen der Sängerin (Mieze Katz – dabei ist ihr Geburtsname Maria Mummert doch super) bis hin zur seinerzeit als naive Patriotismus-Propaganda gelesenen 2003er-Single „Was es ist“ kam da einiges zusammen.
Im Rückblick gelten Mia. neben 2raumwohnung und Wir Sind Helden zu den talentiertesten Absolventen einer „Berliner Schule“ deutschsprachiger Popmusik. Ein Versprechen, das sie auf sieben hörenswerten Alben eingelöst haben. (wun)
Columbiahalle
Columbiadamm 13-21, Tempelhof, Sa 2.5., 20 Uhr, 52 Euro
4 A.S. Fanning
© Neil Hoare
Als 2023 das dritte Album des in Berlin lebenden irischen Singer-Songwriters A.S. Fanning erschien, konnte man sich schon ein wenig Sorgen machen.
Die Stücke auf „Mushroom Cloud“ trugen nicht nur Titel wie „I Feel Bad“, „Disease“ oder „Conman“, sie transportierten auch eine Düsternis, die an legendäre Feel-Bad-Barden wie Scott Walker oder Elliott Smith erinnerte. Große Trauerkloß-Liedkunst!
Auf dem Nachfolger „Take Me Back To Nowhere” hat sich das latent Lebensverneinende zwar nicht in Luft aufgelöst, wird aber von grimmigem Humor wie bei „Idiot Leader“ (wer damit wohl gemeint sein könnte?) oder einer beinahe hoffnungsfrohen Folkhymne wie „Stay Alive“ abgefedert.
Ein gebrochenes Handgelenk zwang Fanning dazu, den Songwriting-Prozess von der Gitarre auf Keyboard und Drum-Machine zu verlagern und bei den Aufnahmen stärker aufs Bandkollektiv zu setzen. Scheint ihm gut zu tun. (wun)
Neue Zukunft, Alt-Stralau 68, Friedrichshain, Sa 2.5., 20 Uhr, 26 Euro
5 Peter, Bjorn and John
© Johan Bergmark
Vom Trommelwirbel über das neckische Pfeifen bis zum somnambulen Refrain: Die hinreißende Single „Young Folks“ von Peter, Bjorn and John war einer der besten Songs der Nullerjahre und fing das zwischen Aufbruch und Ennui mäandernde Lebensgefühl der besungenen jungen Menschen kongenial ein.
Das Stockholmer Trio gehörte, neben Bands wie The Wannadies oder The Ark, zu einer schwedischen Indiepop-Blase, deren Protagonisten sich im Vergleich zu britischen oder amerikanischen Zeitgenossen durch eine mit Melancholie grundierte Leichtigkeit auszeichneten. (wun)
Lido, Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Di 5.5., 20 Uhr, 36 Euro
6 Sophie Auster
© imago/ABACAPRESS
Als Tochter von Siri Hustvedt und Paul Auster, des vermutlich berühmtesten Schriftstellerehepaars der Zeitgeschichte, stand Sophie Auster zu Beginn ihrer Karriere unter Nepo-Baby-Verdacht: Würde eine junge Musikerin auch ohne diesen familiären Hintergrund dieselbe Aufmerksamkeit bekommen?
Die implizierte Unterstellung wurde jedoch gegenstandslos, als sich die multiplen Talente der jungen New Yorkerin entfalteten.
Sophie Auster besitzt eine ausdrucksstarke, mit lasziver Rauchigkeit eingefärbte Singstimme und schreibt handwerklich makellose Songs. Sie hat erstklassige Kontakte in die New Yorker Musikszene und kann auf eine Schauspielausbildung am Lee Strasberg Institute zurückgreifen.
Die kommt ihr nicht zuletzt bei Videodrehs zugute, etwa bei dem mit nostalgischem Noir-Flair aufgeladenen Clip zu „Mexico“, einer sanft ironischen Tex-Mex-Persiflage, die Calexico nicht besser hinbekommen hätten.
Am anderen Ende des emotionalen Ausdrucksspektrums von Sophie Auster steht sicherlich ihr Beitrag zu einer konzertanten Hommage (Foto), bei der im Oktober 2024 in Madrid ihres verstorbenen Vaters gedacht wurde. (wun)
Frannz
Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Mi 6.5., 20 Uhr, 43 Euro