Sunday, May 03, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite gesellschaft „Regelmäßig an Grenzen...

„Regelmäßig an Grenzen gestoßen“: Berlins SPD-Landesvorsitzende machen eigenen Funktionären Vorwürfe

2025-11-25
In gesellschaft Vom Anna Thewalt

ÄHNLICHE ARTIKEL

Eingerostete Gelenke, morgendliche Anlaufschmerzen: Die große Mehrheit der Älteren leidet darunter

Spiel über Fritz Bauer: Deutscher Computerspielpreis geht nach Berlin

Für die Berliner SPD ist es mittlerweile geübte Praxis: Nach einem Wochenende, das erneut von einem parteiinternen Eklat überschattet war, sucht man im Landesverband nach Erklärungen – und nach einem Weg in die Zukunft.

Die scheidenden SPD-Landesvorsitzenden Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini, die am Sonntagnachmittag ihren vorzeitigen Rückzug zum Monatsende verkündeten, machten am Tag darauf einem Teil der Partei schwere Vorwürfe. Man habe während der gesamten Amtszeit mit einem „erheblichen Widerstand auf Funktionärsebene“ zu kämpfen gehabt, sagte Hikel bei seinem vorerst letzten öffentlichen Auftritt in der SPD-Landeszentrale, dem Kurt-Schumacher-Haus. Sowohl mit personellen als auch mit inhaltlichen Vorschlägen sei man „regelmäßig an Grenzen gestoßen“.

Tagesspiegel Checkpoint: Berlins beliebtester Newsletter

Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.

Ich bin damit einverstanden, dass mir per E-Mail interessante Angebote des Tagesspiegels unterbreitet werden. Meine Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.

Als Beispiel nannte Hikel die Wahl des geschäftsführenden Landesvorstands, bei der die Wunschkandidaten von Hikel und Böcker-Giannini im Mai 2024 scheiterten. Auch Vorschläge, wie man Umverteilung in der Stadt neu denken könne – etwa indem vermögende Menschen für bisher kostenlose Leistungen zur Kasse gebeten werden –, seien abgeblockt worden. Es habe wenig Bereitschaft  gegeben, „in den Gremien überhaupt darüber zu sprechen“.

Interne Wahlergebnisse waren entscheidend

Hikel und Böcker-Giannini kamen im Mai 2024 durch ein Mitgliedervotum ins Amt. Im parteiinternen Wahlkampf hatten sie sich mit einer eher konservativeren Ausrichtung profiliert und damit die meisten Berliner SPD-Mitglieder überzeugt. Sowohl im Landesvorstand als auch auf Parteitagen stellen jedoch SPD-Linke die Mehrheit, was regelmäßig zu Konflikten führte. Böcker-Giannini sprach davon, dass man „als Kandidatenduo, das nicht gewünscht war“ für viele Funktionäre „ein Stück weit Projektionsfläche“ geworden sei.

Entscheidend für den Rückzug der beiden Landesvorsitzenden waren zwei parteiinterne Wahlergebnisse: Hikel erhielt bei seiner Nominierung als Bürgermeisterkandidat für Neukölln nur 68,5 Prozent und erklärte daraufhin, die Wahl nicht anzunehmen. Das Ergebnis gebe ihm nicht genug Rückhalt für seine Politik, erklärte er.

Am Samstag scheiterte seine Co-Landesvorstizende Böcker-Giannini beim Versuch auf den Listenplatz drei ihres Kreises Reinickendorfs für die Berlin-Wahl zu kommen. Letzteres gab am Ende den finalen Ausschlag für den Rücktritt.

Kandidatenduo, das nicht gewünscht war.

Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini (SPD) über ihr Scheitern

„In fast jedem anderen Landesverband der Bundesrepublik ist es logisch, dass eine Landesvorsitzende auf Platz eins kandidiert und auch die Chance hat, ins Abgeordnetenhaus zu kommen“, sagte Böcker-Giannini am Montag. „Wir haben jetzt festgestellt, dass das in Berlin nicht der Fall ist.“ Hikel sagt mit Blick auf den Rücktritt der beiden: „Das Ruckeln innerhalb der Partei hat die Partei selbst verursacht, weil wir immer transparent waren in dem, was wir tun.“

Für Gilbert Collé, SPD-Kreisvorsitzender in Reinickendorf, reicht das Problem tiefer. „Politisches Vertrauen und Unterstützung lassen sich eben nicht erzwingen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Und beiden ist es eben nicht gelungen, im Laufe ihrer Amtszeit den Vertrauensvorschuss der Mitglieder auch in Vertrauen der Gliederungen und Gremien umzuwandeln.“

Kritik am Konzept der Mitgliederbefragungen

Collé hält das Konzept der Mitgliederbefragungen für interne Parteifunktionen deshalb für gescheitert. Die Parteivorsitzenden müssten die Mehrheit der Funktionäre widerspiegeln, sonst funktioniere es nicht. „Auch wenn es mit der Öffnung nach außen über den ‚Prozess 2035‘ und natürlich die Findung des Spitzenkandidaten auch Erfolge von beiden gegeben hat.“

Tatsächlich sah es so aus, als wenn Hikel und Böcker-Giannini mit der Nominierung von Steffen Krach als Spitzenkandidat vor wenigen Monaten den Landesverband vorerst befriedet hatten. Sowohl linke als auch konservative Sozialdemokraten begrüßten die Entscheidung. Auf dem Nominierungsparteitag vor einer Woche wurde Krach einstimmig gewählt.

Nun kommt dem Mann, der akutell noch Regionspräsident in Hannover ist, nicht nur die schwierige Aufgabe zu, die SPD wieder in die Nähe des Roten Rathauses zu bringen, sondern auch den gesamten Landesverband zu führen. Der geschäftführende Landesvorstand nominierte Krach noch am Sonntag auch als neuen Landesvorsitzenden.

Wahl von Krach soll vorgezogen werden

Wie schnell er diese neue Rolle offiziell übernehmen kann, ist aber fraglich. Regulär wäre ein neuer SPD-Landesvorstand bei einem Parteitag im Juni gewählt worden. Diese Wahl soll nun vorgezogen werden. Allerdings: Vorher müssen auch die Kreisverbände, also die SPD-Verbände auf Bezirksebene, ihre Vorstände und Delegierten neu wählen. Das sollte eigentlich im Frühjahr passieren, die Termine dürften nun ebenfalls vorverlegt werden. Trotzdem halten es einflussreiche Funktionäre am Tag nach dem verkündeten Rücktritt der bisherigen Landesvorsitzenden für unwahrscheinlich, dass ein Landesparteitag vor April oder Mai stattfinden könnte.

Bis zur neuen Wahl sollen die restlichen Mitglieder des geschäftsführenden Landesvorstands die Partei kommissarisch führen, in enger Abstimmung mit dem designierten Parteichef Steffen Krach. Offen ist noch, ob Krach die Partei künftig allein führen wird – oder mit einer Co-Vorsitzenden. Laut Parteistatut ist beides möglich. Denkbar wäre, dass der als pragmatisch geltende Krach gemeinsam mit einer linken Genossin an die Spitze des Landesverbands gewählt wird. Dass eine weitere Co-Vorsitzende eine Frau sein müsste, ist laut Satzung vorgeschrieben.

Der Blick richtet sich auf einflussreiche Frauen in den Kreisen. Da wäre zum Beispiel Annika Klose, Co-Vorsitzende der SPD Berlin-Mitte und Bundestagsabgeordnete. Auch Rona Tietje, Co-Kreischefin in Pankow und aktuell bereits Mitglied im geschäftsführenden Landesvorstand, gilt als gut vernetzt. Sie wird aber dem konservativ-pragmatischen Flügel zugerechnet, was aus der Parteilogik heraus gegen sie spricht. Die Parteilinken dürften das zweite Vorstandsamt, sollte es tatsächlich eine Doppelspitze geben, für sich beanspruchen.

Eine weitere Genossin, die aufgrund ihres eindeutig linken Profils infrage käme, ist Cansel Kiziltepe, Sozialsenatorin und aktuelle Parteivize. Allerdings fragen sich SPD-Funktionäre, ob es sinnvoll wäre, ein Mitglied der schwarz-roten Regierung zur Landesvorsitzenden zu machen. (mit Valentin Petri)

Berlin-Wahl Neukölln Reinickendorf SPD auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

ÄHNLICHE ARTIKEL

Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

2026-05-01

Den Vorwurf der Bürgerlichkeit will Maja nicht auf sich sitzen lassen. Schauspiel und Theater sind z...

Konservative Zuschauer im Blick: Amazon denkt angeblich über Neustart der Trump-Show „The Apprentice“ nach

Konservative Zuschauer im Blick: Amazon denkt angeblich über Neustart der Trump-Show „The Apprentice“ nach

2026-05-01

Kommt Donald Trumps alte Erfolgsshow zurück? Der US-Konzern Amazon prüft laut Medienberichten einen ...

Tori Amos, Pigeon, Maya Hawke, The Black Keys: Die Alben der Woche im Soundcheck

Tori Amos, Pigeon, Maya Hawke, The Black Keys: Die Alben der Woche im Soundcheck

2026-05-01

Jeden Freitag stellen vier Popmusikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche ...

Zum Tod von Georg Baselitz: Der letzte große Expressionist

Zum Tod von Georg Baselitz: Der letzte große Expressionist

2026-05-01

Einfach eklig, diese Füße. Übergroß nehmen sie jeder eine ganze Leinwand ein: nackte, aufgeschwollen...

Mit 88 Jahren: Maler und Bildhauer Georg Baselitz gestorben

Mit 88 Jahren: Maler und Bildhauer Georg Baselitz gestorben

2026-05-01

Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren, wie seine Galerie u...

Nächster Beitrag
Plastikmüll im Asphalt: Berliner Start-up will den Straßenbau revolutionieren

Plastikmüll im Asphalt: Berliner Start-up will den Straßenbau revolutionieren

EMPFOHLEN

Mordaufrufe gegen Juden in Prenzlauer Berg: Bündnis ruft zu Mahnwache auf – Kinder bemalen Gehweg mit Herzen

Mordaufrufe gegen Juden in Prenzlauer Berg: Bündnis ruft zu Mahnwache auf – Kinder bemalen Gehweg mit Herzen

2026-05-01
Johannes Oerding, Entertainer für alle Fälle: Für diese Konzerte in Berlin gibt es noch Karten

Johannes Oerding, Entertainer für alle Fälle: Für diese Konzerte in Berlin gibt es noch Karten

2026-05-01

MEISTGESEHEN

  • Anklage in Berlin-Mitte: Pflegekraft soll Stationsleitung im Krankenhaus vergiftet haben

    Anklage in Berlin-Mitte: Pflegekraft soll Stationsleitung im Krankenhaus vergiftet haben

  • Literatur-Battle: Neuer Kultursenator Evers hält es mit Schiller

  • Löhne in Berlin und Brandenburg: Mehr Geld im Portemonnaie, aber nicht in allen Branchen

  • Prozesse: Chef vergiftet? Anklage gegen Pflegerin erhoben

  • Im Stadtgrün: Auffällige Raupennester in Sträuchern - keine Gefahr

  • Wahlkampf in Berlin: Vier Schnecken rennen auf das Rote Rathaus zu

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.