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Ein Geschäft mit dem Geschäft: Sollen Berlins Bürger 50 Cent für jeden gesammelten Hundekot bekommen?

2025-02-28
In gesellschaft Vom Bernd Matthies

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„Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und Antworten, ist in den Hunden enthalten.“ Sagte Franz Kafka, völlig zutreffend. Leider hat er keine Anleitung hinterlassen, wie man es aus ihnen herausbekommt. Das Zeug, das regelmäßig hinten aus dem besten Freund des Menschen herausfällt, kann es eigentlich nicht sein.

Aber wer weiß? Hundekot ist zumindest gut für kleine kommunalpolitische Scharmützel, für Ideen und Erfindungen, Zank und Bußgeldforderungen. Und wenn es eine politische Partei gibt, die von Natur aus berufen scheint, dieses Thema zu bearbeiten, dann zweifellos die Tierschutzpartei, die in der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung über zwei Sitze verfügt.

Katja Michel, die einen der beiden Sitze hat, macht also alles richtig mit ihrem neuesten Antrag, der es sogar in die Bild-Zeitung schaffte: Jeder Bürger, der Hundekot einsammelt und entsorgt, solle dafür bezahlt werden, fordert sie. Ihre Idee ist bescheiden ausfinanziert: 10 Cent soll es geben für den eigenen Hundekot, 50 Cent für jeden fremden Haufen. Beweisfotos per Handy ans Ordnungsamt schicken, Zahlung abwarten, fertig.

Nun sind wir allerdings in Berlin, der Stadt, deren Bewohner sehr geschickt im Erschließen neuer Einkommensquellen sind. Einfach verabreden: Nimm du meinen Kot, ich nehme deinen. Schon hat sich das finanzielle Ergebnis verfünffacht, wobei offen bleibt, wie die Zuordnung bei ähnlich großen Hunden überhaupt rechtssicher gelingen kann; DNA-Analyse kommt kostenmäßig eher nicht in Betracht.

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Unempfindliche Hundebesitzer – oder allgemein: Leute –, werden schnell einen Weg finden, größere Haufen aufzuteilen, und wer ganz allein ist, lässt den eigenen Hund sich entleeren, geht einmal um den Block und deklariert dann den Kot als fremd, sofern ihn nicht schon ein anderer geschnappt hat. Die Ordnungsämter werden sich gewiss bedanken für diesen schönen Arbeitsauftrag und die sicher beträchtlichen Kosten in einer Stadt mit 15 Tonnen Kot täglich.

Und dann natürlich die soziale Gerechtigkeit! Wie sollen sich Menschen beteiligen, die kein Handy besitzen? Sollen sie die Tüten zum Amt bringen? Muss man ihnen eine Ausgleichszahlung gewähren, weil sie nicht mitmachen können? Und ist Hundekot auf Fotos wirklich zu unterscheiden von jener Substanz, die Menschen unter sich lassen? Das wäre dann ja echt Sch...

Nur so ein paar Einwände, aber das Prinzip stimmt. 10 Euro für jedes eigene, 50 Euro für jedes fremde Sofa, das von der Straße verschwindet, ähnliche Summen für Bauschuttsäcke und morsche Billy-Regale! Selbst das leidige Problem weg geworfener Kippen sollte so zu lösen sein.

Oder, Herr Kafka? „Die Logik ist zwar unerschütterlich“, klagt er, „aber einem Menschen, der leben will, widersteht sie nicht“. Womit eigentlich alles gesagt wäre.

Lichtenberg

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