Wenn am Samstag die große Saisonabschlussparty der Eisbären mit ihren Fans stattfindet (ab 15 Uhr, Uber Platz), wird vor allem eine weitere herausragende Saison gefeiert. Zugleich ist es aber auch mal wieder Zeit, Abschied zu nehmen.
Insgesamt acht Spieler werden den Verein verlassen. Darunter das Torhüterduo Jonas Stettmer (ERC Ingolstadt) und Jake Hildebrand (Adler Mannheim) sowie Marcel Noebels. Der mehrfach zum besten Spieler der DEL ausgezeichnete Stürmer wechselt zu den Kölner Haien.
Abgänge und Vertragsverlängerungen:
Abgänge: Jonas Stettmer, Jake Hildebrand (Torhüter), Les Lancaster, Norwin Panocha (Verteidiger), Marcel Noebels, Blaine Byron, Jean-Sébastien Dea, Lennard Nieleck
Vertragsverlängerungen: Lean Bergmann, Patrick Khodorenko (bis 2027), Liam Kirk, Yannik Veilleux (bis 2028), Eric Hördler, Eric Mik (bis 2029)
„Er hat sich sehr verdient um unseren Klub gemacht und viel für die Eisbären getan“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. „Doch leider gehört es zu unserem Job auch dazu, schwere Entscheidungen zu treffen.“
Noebels hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, dass er immer vorhatte, seine Karriere in Berlin fortzusetzen und womöglich sogar zu beenden. „Wenn man mir vor zwölf Jahren gesagt hätte, dass ich mit den Eisbären fünfmal Meister werde, hätte ich das direkt unterschrieben.“
Es gilt, einen steilen Berg zu erklimmen, aber ich möchte eine Identität, wie wir sie hier in Berlin hatten, bei meinem neuen Verein aufbauen.
Serge Aubin über seinen Vereinswechsel
Alle diese Meisterschaften feierte er unter der Regie von Trainer Serge Aubin, der bekanntlich ebenfalls Abschied nehmen wird, weil er beim SC Bern in der Schweiz einen neuen Klub anleiten wird.
„Es ist an der Zeit für mich, eine neue Herausforderung anzunehmen“, sagte er auf einer Presserunde am Freitag. „Es gilt, einen steilen Berg zu erklimmen, aber ich möchte eine Identität, wie wir sie hier in Berlin hatten, bei meinem neuen Verein aufbauen.“
Ende des vergangenen Jahres seien die Schweizer erstmals auf ihn zugegangen, wie er erzählt. Daraufhin sei er auf Richer und Geschäftsführer Thomas Bothstede zugegangen, um sein Interesse zu bekunden. „Er hat hier so viel geleistet, wir wollten ihm keine Steine in den Weg legen“, sagt Richer.
Obwohl im Rahmen der Olympischen Spiele der Vereinswechsel zur kommenden Saison festgezurrt wurde, drang diese Information erst nach außen, als die Mannschaft in Mannheim den Titel feierte. „Es war mir wichtig, mich bis zum letzten Tag dieser Saison ausschließlich auf die Eisbären zu fokussieren.“ Womöglich wäre die Saison anders ausgegangen, wenn vorher etwas öffentlich geworden wäre.
Trainer werden beim SC Bern schnell entlassen
Sowohl der Verein als auch Aubin können bereits erahnen, wie anspruchsvoll die Zukunft ohne einander werden wird. „Stéphane und ich sind zwei verschiedene Köpfe, aber wir haben immer wie einer gedacht.“ Jahr für Jahr haben sie gemeinsam getüftelt, die Eisbären bestmöglich zusammenzubauen.
Aubin hat stets betont, wie dankbar er dem Verein gewesen ist, dass sie auch nach der Saison 2022/2023 auf ihn vertraut haben, als die Eisbären die Play-offs verpasst hatten. „Ich habe sehr viel gelernt in diesem Jahr“, sagt Aubin. Und mit den richtigen Lehren wurde der zweite Titel-Hattrick in der Berliner DEL-Geschichte geschafft.
Was damals vorgefallen ist, war nicht schön. Aber ich bin heute ein besserer Trainer als damals und weiß, was ich kann.
Serge Aubin über seine erste Trainerstation in der Schweiz
In der Schweiz und speziell in Berlin ist die Nachsicht längst nicht so groß. 2016 hatte Kari Jalonen, der in den vergangenen beiden Jahren hinter der Bande der Kölner Haie gestanden hatte, den Klub übernommen und bis 2020 bis dato die letzte konstante Ära geprägt. Aubin ist bereits der neunte Headcoach, der damit beauftragt ist, den kriselnden Traditionsklub wieder nach oben zu führen.
Aubin hat selbst die Schattenseiten des Trainerdaseins in der Schweiz erlebt. Im Januar 2019 hatten die ZSC Lions aus Zürich den Kanadier entlassen, nachdem er erst im Sommer zuvor begonnen hatte. „Was damals vorgefallen ist, war nicht schön. Aber ich bin heute ein besserer Trainer als damals und weiß, was ich kann.“ Zudem habe das Aus dafür gesorgt, dass er anschließend nach Berlin gekommen ist.
Für die Eisbären war das ein absoluter Glücksfall. Und der Nachfolger ist nicht zu beneiden. Der aktuelle Kader hatte so viel Vertrauen in Aubin, dass er für ihn durchs Feuer gegangen wäre. Eine solche Beziehung muss der Neue erst aufbauen, auch wenn Aubin sagt: „Diese Mannschaft ist unglaublich. Und ich bin überzeugt, dass sie weiterhin erfolgreich sein werden.“
Innerhalb der kommenden drei bis vier Wochen möchte Richer den neuen Trainer vorstellen. Bei den Spielern wird besonders spannend sein, auf welchen Stammkeeper die Eisbären zukünftig setzen werden.