Weder Matthias Ginter noch Julian Schuster und schon gar nicht die Fans des SC Freiburg konnten im Europaparkstadion die Tränen zurückhalten. Als der Abpfiff erklang und der vielleicht artigste Platzsturm der Fußballgeschichte folgte, stand der historische Erfolg des Vereins aus dem Breisgau fest: der Einzug ins Europa-League-Finale.
Bislang war für den Sport-Club in Europa irgendwann Schluss, diesmal nicht: Nach dem 3:1-Sieg über Sporting Braga ist Freiburg im Endspiel von Istanbul angekommen. Dort wartet Aston Villa.
Charlotte Bruch ist Sportredakteurin. Für sie ist der Finaleinzug des SC Freiburg kein Zufall.
Nach dem bitteren Aus im DFB-Pokal ist dieser Triumph der vorzeitige Lohn einer starken Saison oder vielmehr einer beeindruckenden Entwicklung in den vergangenen Jahren. Das Fundament legte Christian Streich in seinen zwölfeinhalb Jahren als Cheftrainer – das wird auch sein Nachfolger Schuster nie müde zu betonen.
Es ist dennoch erstaunlich, wie nahtlos Streichs ehemaliger Kapitän seine Arbeit fortführt. Der Finaleinzug ist kaum zu glauben und zugleich die logische Konsequenz.
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In seiner ersten Saison 2024/25 schrammte Schuster mit seiner Mannschaft noch haarscharf an der Champions-League-Qualifikation vorbei, nun gelang dieser Erfolg in der Europa League. Da kann man leicht vergessen, dass der Sport-Club 2018 noch gegen den Abstieg aus der Bundesliga spielte und nach wie vor ein Ausbildungsverein ist.
Letzteres ist allerdings kein Hindernis, sondern vielmehr eine tragende Säule der Erfolgsgeschichte. In der Startelf gegen Braga standen mit Ginter, Noah Atubolu, Nicolas Höfler, Philipp Treu und Johan Manzambi fünf Spieler, die entweder komplett die Freiburger Nachwuchsteams durchliefen oder spätestens für die U19 geholt wurden. In jedem Jahr drängen junge Spieler nach oben und üben Druck auf die Etablierten wie Kapitän Christian Günter oder Vincenzo Grifo aus.
In Freiburg wird ihnen Raum gegeben, sich zu entwickeln, und selbst bei schwächeren Phasen Vertrauen geschenkt. Gegen Braga überragten Torwart Atubolu mit seinen Glanzparaden und Manzambi mit seinem Tor. Beide machten aber in ihrer noch jungen Karriere auch schwierige Zeiten durch.
Genauso wie der Nachwuchs wirft auch das Trainerteam bei Rückschlägen nicht alles über Bord. Wo andere Vereine nervös werden, bleibt der SC stur bei seinem Plan. Alle Beteiligten bilden eine untrennbare Einheit, ergänzt von den Freiburger Fans. Nicht ohne Grund gewann der SC alle sieben Heimspiele in dieser Europapokal-Saison.
Dank eines guten Mixes aus defensiver Kompaktheit, einem klaren Plan in der Offensive sowie großer Standardstärke darf Freiburg nun die Reise nach Istanbul antreten. Dort gilt der SC gegen Aston Villa als Außenseiter. Nach dieser Europapokal-Saison ist Schuster und seinem Team allerdings alles zuzutrauen.