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Dokumentation über Mesut Özil: Wie der Weltmeister zur Projektionsfläche einer Nation wurde

2026-03-25
In sport Vom Stefan Hermanns

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Per Mertesacker kann nichts dagegen machen. Es passiert bei ihm automatisch.

Wenn Mertesacker, 104-facher deutscher Nationalspieler und Weltmeister 2014, in der ZDF-Dokumentation „Zu Gast bei Freunden“ über Mesut Özil spricht, über seinen früheren Mitspieler bei Werder Bremen, beim FC Arsenal und in der deutschen Nationalmannschaft, dann fängt sein Gesicht an zu strahlen. Özils Zauber als Fußballer kann er sich bis heute nicht entziehen.

„Ich wusste, dass Mesut auf dem Platz den Unterschied ausmachen kann“, sagt Mertesacker, einer von vielen Zeitzeugen, die in der Doku-Reihe zu Wort kommen. „Einen Mozart“ nennt ihn Oliver Bierhoff, der fast zwei Jahrzehnte Manager der deutschen Nationalmannschaft war. „Mesut war fußballerisch gesehen einer der aller-, allerbesten Nationalspieler, die Deutschland je hatte“, findet der frühere Bundestrainer Joachim Löw. „Er war maßgeblich daran beteiligt, dass wir so erfolgreich waren.“

„Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“

Der erste Teil der Doku-Serie „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“ wird am Dienstag, 31. März, 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Die weiteren Folgen sind am Mittwoch, 1. April, um 0.15 und 1.00 Uhr zu sehen. In der ZDF-Mediathek ist die gesamte Reihe schon jetzt abrufbar.

Als Fußballer hat Mesut Özil weit über Deutschland hinausgestrahlt. Bei Real Madrid, der größten globalen Marke des Fußballs, war er neben Cristiano Ronaldo „der wichtigste Mann“, sagt Hamit Altintop, damals sein Mitspieler in Spanien. „Er war unantastbar.“

Und als Özil im Juli 2014 im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro mit seinen Kollegen den WM-Pokal in Empfang nimmt, wird er auf der Ehrentribüne buchstäblich um sein Trikot angebettelt. Von niemand Geringerem als Michel Platini, damals Chef des europäischen Fußballverbandes Uefa und in seiner aktiven Zeit selbst einer der besten Fußballer weltweit. „Wenn man von so einer Legende gefragt wird …“, hat Özil einmal im Interview mit dem Tagesspiegel erzählt. Dann sage man natürlich nicht nein.

Man muss das alles noch einmal in dieser Ausführlichkeit ausbreiten, weil Özils Klasse als Fußballer hierzulande mittlerweile, ja, fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Weil das Werk des Künstlers nicht mehr von der Person getrennt wird, die von den Deutschen als eine höchst kontroverse angesehen wird.

Die Geschichte des Fußballers Mesut Özil wird längst überlagert von dem, was in den Jahren 2018 ff. passiert ist, in denen seine sportliche Relevanz letztlich bis zur Bedeutungslosigkeit abgenommen hat.

Im Grunde begann dieser Prozess schon während der WM 2018 in Russland, bei der die Deutschen als Titelverteidiger bereits in der Vorrunde scheiterten. In einer schlechten Mannschaft gehörte Özil noch zu den besseren Spielern. Aber das wollte damals niemand hören, weil Özil der perfekte Sündenbock war.

Der Stein des Anstoßes: Kurz vor der WM 2018 posierte Özil in London mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan für ein gemeinsames Foto.

© dpa/-

Angeblich war er nicht frei in seinem Spiel, nachdem er kurz vor dem Turnier in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan für ein Foto posiert hatte und in Deutschland daraufhin ein Sturm der Entrüstung losbrach. Offenbar fühle Özil sich nicht wohl im DFB-Trikot, hieß es. Das zumindest hat Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus damals erkennen wollen. Es war alles andere als eine Einzelmeinung.

Mesut war fußballerisch gesehen einer der aller-, allerbesten Nationalspieler, die Deutschland je hatte.

Joachim Löw, früherer Bundestrainer

Eigentlich war Özils Spiel über jeden Zweifel erhaben. Eigentlich. In Wirklichkeit aber war es das nie. Die Kritik an seiner Person ist nicht erst nach dem Erdogan-Foto losgebrochen. Das Ressentiment – seine Körpersprache, die hängenden Schultern! – hat auch zuvor schon oft genug mitgeschwungen.

Dass Özil auf vielen Fotos nach dem WM-Finale 2014 mit nacktem Oberkörper zu sehen ist, weil er sein Trikot an Michel Platini verschenkt hatte, selbst das ist gegen ihn verwendet worden. Dagegen anzukämpfen? Nahezu aussichtslos.

Özil war im Leben eher Objekt als Subjekt

Özils Geschichte, die Florian Opitz in seiner sehenswerten dreiteiligen Doku-Serie erzählt, weist daher weit über den Fußballer und Menschen Mesut Özil hinaus. Sie erzählt auch die Geschichte dieses Landes. Und die ist – das vorweg – keine besonders sympathische.

Am liebsten wäre Mesut Özil, geboren in Gelsenkirchen, aufgewachsen auf dem Bolzplatz, wohl einfach nur Fußballer gewesen. Aber dafür ist er irgendwann zu gut geworden. Und Özil hat sich eben immer auch allzu leicht instrumentalisieren lassen. Vom Geschäft, genauso wie von der Politik. Dass er all das mit sich hat geschehen lassen, ist ihm letztlich zum Verhängnis geworden.

Anders als auf dem Fußballplatz, auf dem er die große Linie vorgeben konnte, war Özil im richtigen Leben eher Objekt als Subjekt. Schon sein Vater Mustafa Özil scheint den eigenen Sohn und dessen begnadetes Talent in erster Linie als Vehikel für den eigenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg gesehen zu haben.

Auch politisch war Mesut Özil vor allem eine willkommene Projektionsfläche. Angela Merkel, Deutschlands Bundeskanzlerin, hat sich genauso mit ihm inszeniert, wie es später Recep Tayyip Erdoğan getan hat.

Man hat Özil zum Vorbild für gelungene Integration gemacht, was er vermutlich nie war. Man hat ihn mit dem Bambi ausgezeichnet, weil er angeblich gezeigt habe, „wie leichtfüßig Integration vonstattengehen kann“.

Für die türkischstämmige Community war Mesut Özil sowohl eine Hassfigur als auch jemand, auf den man stolz sein konnte. Als er im Oktober 2010 mit der deutschen Nationalmannschaft im Berliner Olympiastadion gegen die Türkei spielt, wird er zehntausendfach aus- und niedergepfiffen – von Menschen mit einer ähnlichen Biografie und vermutlich ähnlichen Erfahrungen, wie er selbst sie gemacht hat.

Auch Angela Merkel (links) hat sich gerne an der Seite von Mesut Özil ablichten lassen.

© picture alliance / dpa

Es ist das Jahr, in dem die deutsche Multikulti-Nationalmannschaft mit Özil, Khedira und Podolski bei der WM in Südafrika das Land begeistert. In dem aber auch das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin erscheint, das einen neuen, verächtlichen Ton in die Integrationsdebatte bringt.

92
Länderspiele hat Mesut Özil für Deutschland bestritten.

Acht Jahre später schrillt dieser Ton Mesut Özil (aber auch İlkay Gündoğan) so sehr in den Ohren, dass es irgendwann nicht mehr auszuhalten ist; dass er wenige Tage nach der Weltmeisterschaft in Russland, nach 92 Länderspielen für Deutschland, 23 Toren und mit gerade 29 Jahren, seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt.

Mesut Özil selbst hat über den Sommer 2018 nie gesprochen. Das tut er auch in Opitz‘ Dokumentation nicht, obwohl er offiziell für ein Interview angefragt worden ist. Es gibt allein die Rücktrittserklärung, die in seinem Namen verfasst und über Twitter (jetzt X) verbreitet worden ist. Auf Englisch – um die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Sie ist nicht nur ein Dokument der Entfremdung, sondern auch der Ausdruck einer tiefen persönlichen Verletzung.

Im Schatten des Präsidenten: Mesut Özil während der EM 2024 in Berlin im Gefolge des türkischen Staatschefs Erdoğan.

© dpa/Sebastian Christoph Gollnow

Nachdem Özil mit Erdoğan für den Fotografen posiert hatte, hat sich hierzulande vieles Bahn gebrochen, was noch ein paar Jahre zuvor undenkbar schien. Es ist beklemmend und beschämend zugleich, wie schnell das alles kippen konnte. Wie es den Hetzern in diesem Land gelungen ist, die Stimmung zu vergiften. Und wie es dabei nur vordergründig um Özil und seine politischen Verirrungen gegangen ist. In Wirklichkeit ging es längst um ein anderes, ein viel größeres Thema.

Die (berechtigte) Kritik an Erdoğan und dessen Politik scheint vielen im Sommer 2018 nur ein willkommener Anlass gewesen zu sein, den latent vorhandenen Rassismus endlich mal wieder offen auszuleben.

Es ist erschreckend, in der Dokumentation noch einmal zu sehen, wie hilflos die Nationalmannschaft darauf reagiert und der Wucht der Öffentlichkeit nichts entgegenzusetzen hat – und was für eine grandiose Fehlbesetzung Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes doch gewesen ist.

„Mesut ist einfach nur verletzt“, sagt Hamit Altintop, sein früherer Mitspieler und Freund. Es gibt gute Gründe dafür. Trotzdem sollte man Özil nicht exkulpieren für den Weg, den er nach 2018 eingeschlagen hat. Für die Anbiederung an Erdoğan, von dem der Journalist Deniz Yücel in „Zu Gast bei Freunden“ sagt: „Hauptberuflich ist Erdoğan Gangster. Hobbymäßig ist er Islamist.“

Özil hat in seiner Karriere vieles mit sich machen lassen. Für seine politischen Überzeugungen, die er inzwischen offen auslebt, ist er am Ende selbst verantwortlich – auch wenn er das Gefühl gehabt haben sollte, dass die Deutschen ihn in diese Richtung gedrängt haben.

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