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Shortlist Internationaler Booker Prize: Die deutschsprachige Literatur wird global

2026-04-01
In leben Vom Gerrit Bartels

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Als Jenny Erpenbeck vor zwei Jahren in London für ihren Wenderoman „Kairos“ mit dem International Booker Prize ausgezeichnet wurde, war das hierzulande eine kleine Sensation. Denn niemals zuvor war es einer Autorin oder einem Autor aus Deutschland gelungen, diesen Preis, der seit 2016 für einen fremdsprachigen, ins Englische übersetzten und in Großbritannien veröffentlichten Roman vergeben wird, zu gewinnen – trotz vorheriger Nominierungen für Erpenbeck selbst, Daniel Kehlmann, Marion Poschmann und Clemens Meyer.

Dieses Jahr ist die Chance noch größer, dass ein deutschsprachiger Roman den International Booker Prize gewinnt: Mit Daniel Kehlmanns „Lichtspiel“, (auf Englisch „The Director“) und Shidar Bayzars „Nachts ist es leise in Teheran“ (auf Englisch „The Nights Are Quiet in Tehran“) hat die Jury gleich zwei Romane aus Deutschland für ihre aus sechs Werken bestehende Shortlist nominiert.

Kehlmann wurde in den USA gefeiert

Die Nominierung für Kehlmanns hierzulande 2023 veröffentlichten Roman über das Leben, die Filme und die NS-Verstrickungen des Filmregisseurs G. W. Pabst ist dabei eher keine Überraschung: „The Director“ war in der angloamerikanischen Literaturwelt nach seinem Erscheinen schon viel gelobt worden, unter anderem gehörte der Roman zu den Büchern des Jahres 2025 in der „New York Times Book Review“.

Mit Shida Bayzar, die 1988 als Kind iranischer Eltern im rheinland-pfälzischen Hermeskeil geboren wurde, verhält sich das etwas anders. „Nachts ist es leise in Teheran“ ist ihr Debütroman, der 2016 erschien, kurz nachdem Bayzar ihr Studium des Literarischen Schreibens in Hildesheim beendet hatte, und auf den erst im vergangenen Jahr mit Scribe ein britischer Verlag aufmerksam wurde.

Bayzars Roman erschien schon 2016

Bayzar erzählt in dem Roman eine autobiografisch grundierte persische Familiengeschichte vom Sturz des Schahs 1979 bis ins Jahr 2009, Jahrzehnt für Jahrzehnt und aufgeteilt auf vier Kapitel, jeweils aus der Perspektive eines anderen Familienmitglieds.

„Nachts ist es leise in Teheran“ hatte einige Achtungserfolge hierzulande, unter anderem bekam Bayzar dafür den Uwe-Johnson-Förderpreis und den Ernst-Toller-Preis, und der Nachfolger „Drei Kameradinnen“ gelangte 2021 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises – aber anders als Kehlmann oder auch Jenny Erpenbeck ist der Name von Bayzar außerhalb des Literaturbetriebs nur wenigen ein Begriff.

Das kann sich nun über den Umweg des Vereinigten Königreichs und des International Booker Prize ändern, auch weil vor dem Hintergrund der Ereignisse in Iran Shida Bayzars Roman viel aktuelle Brisanz bekommen hat und die Verhältnisse dort und in der iranischen Diaspora besser verstehen lässt. Wie schrieb sie es vor ein paar Tagen in einem Text für „Zeit online“: „Wer vom Iran erzählt, braucht nicht einmal eigene Ideen, denke ich, Irans Realität ist so zynisch und grausam, dass sie ihre Metaphern ganz von selbst schreibt.“

Auch Marie N’Diaye ist nominiert

Doch die Konkurrenz ist natürlich hochkarätig: Die französische Autorin Marie N’Diaye mit ihrem Roman „The Witch“, der im Original schon 1996 erschien („La Sorcière“, auf Deutsch damals im Antje Kunstmann Verlag veröffentlicht) und die Geschichte einer Hausfrau in der französischen Provinz erzählt; die bulgarische Autorin Rene Karabash mit „She Who Remains“, im Original 2019 veröffentlicht, ein, laut Jury „düsterer und poetischer Roman über Identität, Geschlecht, Liebe, Freiheit und gesellschaftliche Normen“, der in den albanischen Bergen angesiedelt ist.

Und dann sind da noch die brasilianische Schriftstellerin Ana Paula Maia mit „On Earth As It Is Beneath“ (von Maia gibt es auf Deutsch bisher nur einen Roman, „Krieg der Bastarde“, im A1 Verlag), der von einer Gruppe Männer erzählt, die jahrelang eingesperrt war, und von der jeder nun auf sich allein gestellt auf der Flucht ist, und schließlich noch die aus Taiwan stammende Autorin Yáng Shuāng-zǐ mit ihrem Roman „Taiwan Travelogue“.

Ob sich Kehlmann als einziger Autor dieser Shortlist oder gar Shida Bayzar durchgesetzt hat, wird am 19. Mai bei einer Veranstaltung in der Tate Modern in London bekannt gegeben. Der Preis ist mit 50.000 Pfund dotiert und wird zu gleichen Teilen zwischen dem Autor oder der Autorin und dem Übersetzer oder der Übersetzerin aufgeteilt.

Nicht verwechseln sollte man den International Booker Prize, den vergangenes Jahr die indische Autorin Banu Mushtaq mit ihrer Kurzgeschichtensammlung „Heart Lamp“ gewann, im Übrigen mit dem ähnlich renommierten Booker Prize, der immer im November für den besten englischsprachigen Roman aus dem angloamerikanischen Raum verliehen wird.

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