Die Berliner Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz am Freitag, dem 1. Mai, vor. Rund 5.300 Polizisten werden wegen der vielen Demonstrationen den ganzen Tag im Einsatz sein. Darunter ist Unterstützung aus zehn Bundesländern und von der Bundespolizei. Das kündigte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel kurz vor dem Feiertag an. In diesem Jahr erlebt sie ihren neunten 1. Mai in diesem Amt. Im vergangenen Jahr waren es 5.800 Polizisten.
Sie habe den Eindruck, dass der Trend der vergangenen Jahre in Richtung zusehends friedlicher Demonstration und Feiern in den Parks gehe, sagte Slowik Meisel. Trotzdem sei die Polizei auf alles vorbereitet und habe besonders die linke und linksextreme Demonstration am Abend in Kreuzberg und Neukölln fest im Blick.
Drohnenabwehr, Hubschrauber, Spürhunde
Tatsächlich wird von der Polizei am 1. Mai auch technisch alles aufgefahren oder in Bereitschaft gehalten, was möglich ist: Drohnenabwehr, Hubschrauber für Übersichtsaufnahmen, Boote, Wasserwerfer im Hintergrund für den Notfall, Fahrradstaffeln, Spürhunde, Kommunikationsteams, Klettereinheiten für die Sicherung von Dächern.
Schon in den vergangenen Tagen erteilte die Polizei in manchen engen Straßen von Neukölln Halteverbote, entlang der Strecke der Demonstration hielt sie Leuchtmasten bereit, Glascontainer wurden aufgestellt, um Flaschen, die als Wurfgeschosse dienen können, von den Gehwegen zu bekommen. Die Verleihfirmen von E-Scootern sperrten die Gebiete rund um die kritische Demonstration auf Bitten der Polizei für ihre Fahrzeuge.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte: „Ich wünsche allen Berlinerinnen und Berlinern einen schönen und friedlichen 1. Mai und danke allen, die an diesem Tag für die Sicherheit unserer Stadt im Einsatz sind – insbesondere Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften.“
Themen der Demonstration: Pro Palästina und Anti-Militarismus
Die Themen der großen Demonstration am Abend mit der Beteiligung vieler linker Gruppen, die am von feiernden Menschen gefüllten Oranienplatz in Kreuzberg beginnt und durch Neukölln zum Südstern wiederum in Kreuzberg zieht, seien etwa: Pro Palästina, Anti-Militarismus, Wehrpflicht, Anti-Kapitalismus und die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks, hieß es vom Landeskriminalamt (LKA) und der Abteilung für Extremismus.
Die Polizei wolle antisemitische Äußerungen unterbinden und Plakate beschlagnahmen, hieß es. Aber man werde im Rahmen der Verhältnismäßigkeit vorgehen und die Lage nicht unnötig eskalieren lassen.
Gefährderansprache vor dem Feiertag
Im Vorfeld warnte die Polizei sechs bekannte Mitglieder der propalästinensischen Szene mit einer sogenannten Gefährderansprache vor Verstößen. Die Zahl ist sehr niedrig und zeigt die abnehmende Militanz. Im vergangenen Jahr gab es 32 Gefährderansprachen vor dem 1. Mai.
Die Demonstration mit fast 20.000 Teilnehmern verlief 2025 eher entspannt, große Gewaltausbrüche wie in früheren Jahrzehnten gab es nicht, allerdings zum Teil sehr aggressive Stimmung. Israelfeindliche Sprechchöre wurden skandiert, bengalisches Feuer und Rauchtöpfe waren zu sehen. Demonstranten waren vermummt, darunter viele im sogenannten schwarzen Block von Linksautonomen.
Die Polizei nahm über den ganzen Tag etwas mehr als 70 Menschen wegen Verstößen und Störungen fest. Oft ging es um Flaschen- und Böllerwürfe oder verfassungswidrige Propaganda. 13 Polizisten wurden nach den Angaben verletzt, 10 davon leicht.
Görlitzer Park bleibt nachts geöffnet
Der Görlitzer Park wird nun ausnahmsweise nachts nicht geschlossen. Dort findet am Feiertag etwa die Techno-Demo „Free Görli – Rave against the Zaun“ statt. Was sie dort in dieser stadtpolitisch schwierigen, aufgeheizten Lage erwarte? Grundsätzlich einen weitgehend störungsfreien Verlauf, sagte Polizeipräsidentin Slowik Meisel dem rbb-Inforadio. „Wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, werden wir uns allerdings uns nicht auf das Prinzip Hoffnung verlassen, sondern sind vorbereitet.“
Auf die Nachfrage, dass man in der linksradikalen Szene Angriffe auf den Zaun nicht ausschließe und ob auch hier die Strategie der Deeskalation gelte, antwortete die Polizeichefin: Es sei die Strategie der Polizei, erst einmal friedlich deeskalierend zu arbeiten. „Wir sehen ja in letzter Zeit immer wieder Angriffe natürlich auf den Zaun. Und die Ankündigungen kennen wir auch. Wir sind entsprechend vorbereitet.“
In diesem Jahr rechnet die Polizei nicht mit einer größeren Mobilisierung der linken Szene nach Berlin, so der Einsatzleiter Stephan Katte. Auch in anderen Städten werde demonstriert, drei rechtsextreme Demonstrationen seien in Braunschweig, Gera und Essen angekündigt. Linke oder linksradikale sogenannte Veranstaltungen gebe es etwa in Hamburg, München, Köln, Leipzig und Frankfurt.
Die aus Sicht der Polizei reduzierte Gewaltbereitschaft der Demonstranten am Abend des 1. Mai zeigt sich auch bei der direkten Begleitung der Demonstration. Früher seien 20 Hundertschaften der Polizei direkt in der Nähe der Demonstration dabei gewesen, nun seien es noch 8, hieß es. Früher gingen Polizisten neben der Demonstration, inzwischen wird die Polizei vor allem an der Spitze und am Ende mit größeren Einheiten laufen.
Viele Polizisten wegen Schutz vor Amokfahrten
Insgesamt sind aber nicht viel weniger Polizisten aufgestellt, weil der Personaleinsatz bei anderen Aufgaben an dem Tag stark zugenommen hat. Wegen der Gefahr durch Amokfahrten und Terroranschläge mit einem Auto müssten die eher bunte und friedliche Demonstration tagsüber im Villenviertel Grunewald, die Kundgebung der Gewerkschaften am Roten Rathaus oder die feiernden Menschen rund um Kottbusser Tor oder Görlitzer Park mit großem Aufwand geschützt werden.
Ganze Straßenzüge werden mit einem sogenannten Zufahrtsschutz ausgestattet, also Sperren gegen Amokfahrer durch schwere Bauteile oder auch Polizeiwagen. Das binde viel Personal, sagte die Polizeipräsidentin.
1.800 Polizisten für Walpurgisnacht
Schon am (heutigen) Vorabend des 1. Mai sind 1.800 Polizisten und 200 Streifenwagen am ganzen Tag im Einsatz. Die Polizei erwartet zahlreiche Feiern am Abend der Walpurgisnacht im Görlitzer Park in Kreuzberg, im Mauerpark in Prenzlauer Berg, im Volkspark Friedrichshain und im Treptower Park. Dazu kommt die traditionelle feministische Frauen-Demonstration „Take back the night“ am Abend in Kreuzberg mit einigen tausend Teilnehmerinnen.
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