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Sonntagskrimi: Moral und „Mutterglück“ im Magdeburger „Polizeiruf 110“

2026-03-09
In gesellschaft Vom admin

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„Was mache ich hier? Das ist ein Verkehrsunfall“, fragt die genervte Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen), als sie am Unfallort auf einer Straßenkreuzung in Magdeburg ankommt. Ein Auto hat eine Radfahrerin erfasst. Die junge Frau ist sofort tot, aber der von Brasch aufgrund der äußeren Umstände deklarierte Verkehrsunfall ist gar keiner. „Eindeutige Sabotage“, klärt sie ein Polizeibeamter auf. Denn: Jemand hat am Fahrrad die Bremskabel durchtrennt. „Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr mit Todesfolge“, bilanziert der Kollege. Doch wer hatte ein Motiv, die 25-jährige Marwa (Melissa Gross) töten zu wollen? 

Brasch führen die Ermittlungen in die Frauenarztpraxis von Doro Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily), wo die Tote gearbeitet hat. Dort werden auch Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen – Ärztin und Praxisteam stehen deshalb im Visier von militanten Abtreibungsgegnern, die Hass-Mails schreiben oder vor der Praxis Mahnwachen abhalten. „Das ging nicht gegen Marwa persönlich. Das geht gegen die Praxis“, ist sich die Medizinerin sicher, die per E-Mail als „Mörderin“ bedroht wird und „verrecken“ soll. War die junge Arzthelferin möglicherweise ein Zufallsopfer?

Bewusster Sendetermin am Weltfrauentag 

Das Erste zeigt die neue Magdeburger „Polizeiruf 110“-Folge „Your Body, my Choice“ am Sonntagabend (8.3.) - es gibt zuvor eine längere „Tagesschau“ wegen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg. 

Regisseurin war Franziska Schlotterer („Totgeschwiegen“), die zusammen mit Annika Tepelmann auch das Drehbuch geschrieben hat. „Unser Ziel war es, eine spannende und berührende Geschichte zu erzählen, die die Auswirkungen der gesellschaftlichen Debatte über Abtreibung auf betroffene Frauen zeigt.“ Der Film sei „definitiv als Statement zum Weltfrauentag zu verstehen“, hieß es.

Schlotterer und Tepelmann rücken in „Your Body, my Choice“ drei Frauen in den Mittelpunkt. Neben der Gynäkologin sind das die junge Polin Dania (Nicola Magdalena Lüders), die ihre ungewollte Schwangerschaft legal in Deutschland beenden will und dabei von der Frauenrechtsaktivistin Lara Becker (Luna Jordan) unterstützt wird. 

Sowohl Dania als auch Lara bewegen sich in einem großen Spannungsfeld zwischen innerer Zerrissenheit, moralischen Bedenken und der Bewältigung der eigenen traumatischen Vergangenheit. Brasch bindet die burschikose, selbstbewusste Lara stark in die Suche nach dem Mörder von Marwa ein, was Kriminalrat Uwe Lemp (Felix Vörtler) gar nicht passt.

Verurteilung, Verunsicherung und Aufklärung

Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden zu Wegbegleitern von Dania, die selbstbestimmt abtreiben möchte und sich ihren Zweifeln dennoch nicht erwehren kann. Und sie lernen den unscheinbaren Maik Gerboth (Sebastian Jakob Doppelbauer) kennen. Und das lange, bevor Brasch und Lemp den Mann auf dem Schirm haben, der auf Überwachungsvideos auftaucht, gern puzzelt und sich akribisch um die Balkonpflanzen in seiner Plattenbauwohnung kümmert. 

Sogar die engagierte Ärztin kann aufgrund ihres engen Verhältnisses zu der Toten als Verdächtige nicht mehr ausgeschlossen werden. „Abtreibungsgegner ... also irgendwie passt das nicht“, ordnet Lemp ein. „Beziehungsdrama, Eifersucht. Sowas!“ Und dann verschwindet Dania – und gerät in große Gefahr.

Der 22. Fall des „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg beackert viele Schauplätze, wodurch die Suche nach dem Mörder teils aus dem Fokus gerät. „Your Body, my Choice“ pulsiert irgendwo zwischen Gewalt, Trauma, persönlicher Kränkung, Dominanz, Rache und dem Paragrafen 218 – Themen, die im Fall um die tote Arzthelferin durchaus auch moralisch eingeordnet oder ethisch bewertet werden. 

Herausragend ist Luna Jordan als „Abortion Buddy“ Lara, die selbst ein großes Paket zu tragen hat. Die Verkörperung der jungen Frau, die wegen ihrer „kurzen Zündschnur“ leicht zu triggern und deshalb aufbrausend und unberechenbar, aber auch sehr engagiert ist, gelingt auf beeindruckende Weise. 

Nicht nur Ermittlerin, sondern auch Mutter

Brasch wird im Laufe der Ermittlungen schmerzlich mit dem eigenen Muttersein konfrontiert – ein schwarzer Fleck in der Vita der Einzelgängerin. „Dann wissen Sie um das Glück, Mutter zu sein“, sagt ein friedlicher Abtreibungsgegner mit christlichem Hintergrund zu der Kriminalhauptkommissarin, als sie ihm von ihrem Sohn berichtet. „Wir haben keinen Kontakt mehr. Und wahrscheinlich lag es daran, dass ich damals einfach überfordert war mit meinem ... Mutterglück.“ Brasch hatte sich gegen eine Abtreibung entschieden. „Hast du's bereut?“, fragt Lara – und Brasch bleibt ihr eine Antwort schuldig.

© dpa-infocom, dpa:260308-930-784132/1

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