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Musik: Wo alles begann: Carpendale 60 Jahre auf der Bühne

2026-03-01
In gesellschaft Vom admin

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Zurück zu den Ursprüngen: 60 Jahre nach dem Start seiner Bühnenkarriere in Düsseldorf hat Howard Carpendale dort wieder im Rampenlicht gestanden. In der Düsseldorfer Altstadt gab er am Freitagabend vor mehreren hundert Fans ein Konzert zur Veröffentlichung seines neuen Albums „Zeitlos“. 20 seiner größten Hits sind für das Album neu arrangiert und eingesungen worden.

Wenige Stunden zuvor hatte Carpendale zum ersten Mal Platz eins der Deutschen Album-Charts erobert. Das war Carpendale, der im Januar 80 Jahre alt wurde und im März seine Abschieds-Tournee durch Deutschland startet, bisher hierzulande noch nie gelungen - weder in den Single-Charts noch in den Album-Charts.

Dass er mit seinem letzten Album als „alter Sack“ auf Platz eins lande, sei „Wahnsinn“, sagte Carpendale. „Die nächste Tournee ist wirklich meine letzte.“ Dann bat er sein Publikum: „Packt die Handys weg, ihr könnt sonst nicht applaudieren.“

Rund eineinhalb Kilometer entfernt war 1966 ein noch gänzlich unbekannter Carpendale auf die Bühne getreten. Er erinnert sich noch sehr gut: „Hier in Düsseldorf habe ich vor 60 Jahren meinen ersten Auftritt in Deutschland gehabt: auf der Graf-Adolf-Straße im "Liverpool Club". Ich habe sechs Stunden am Abend gesungen, am Wochenende neun Stunden“, berichtete Carpendale der Deutschen Presse-Agentur. 

„Es war reiner Zufall, dass ich über England nach Deutschland gekommen bin. Ich habe eine Zeitung gekauft und darin eine Annonce gelesen: „Band sucht Sänger“. Das ist schon faszinierend, wie eine Sekunde dein ganzes Leben ändert.“

„Sex, Drugs and Rock'n Roll“ in Düsseldorf

Denn es ging weiter: „Die Band in England bekam den Auftrag, einen Monat in Düsseldorf zu spielen. Wir haben uns alle gefragt: „Wo ist das?“ Dann sind wir hier gelandet. Wir haben 40 D-Mark verdient am Abend. Das war eine ziemlich wilde Zeit: Sex, Drugs and Rock’n Roll – das kann man nicht anders sagen.“

Dass es ihn vor 60 Jahren eher zufällig nach Deutschland verschlagen hat, bereut er nicht, im Gegenteil: „Deutschland ist meine Heimat. Ich habe mich für Deutschland entschieden und bin froh, dass ich heute in Deutschland lebe. Sehr froh.“

Als Schlagersänger und Meister der Emotionen wurde Carpendale berühmt, verkaufte nach Angaben von Universal Music mehr als 65 Millionen Tonträger, landete mit Songs wie „Hello Again“ und „Ti Amo“ nicht nur Hits, sondern Evergreens. 

Nach dem Konzert in Düsseldorf soll es dann im März für mehrere Monate auf große Abschiedstournee mit rund 45 Konzerten gehen: „Ich merke eine Begeisterung beim Publikum, die offensichtlich mit dieser Welt, in der wir leben, zu tun hat. Die Leute haben einen solchen Hunger nach Unterhaltung und Spaß, wie ich es noch nie erlebt habe. Es ist irre. Die Leute wollen unterhalten werden.“

Rührende Momente 

Seine Karriere habe ihm viele tolle, rührende Momente beschert, berichtet Carpendale: „Ich habe zum Beispiel einen Brief von einer Frau aus Frankreich bekommen. Die hat mir erzählt, dass sie sich vor einer Operation, vor der sie Angst hatte, vom operierenden Arzt ein Lied von mir gewünscht hat. Der wusste gar nicht, wer Carpendale ist. Aber die haben dann im OP-Saal ein paar Lautsprecher aufgebaut und ein Lied von mir gespielt, bis die Narkose gewirkt hat.“ 

Mit dem Wandel in seiner Branche hadert er schon eher: „Es kommen jeden Tag so viele neue Titel auf den Markt: Wie soll da ein Star entstehen mit einer langfristigen Karriere?“ Daher würde er einem jungen Musiker heute raten: „Versuch's mal mit Basketball.“

Besorgt über politische Entwicklungen

Carpendale zeigt sich inzwischen auch als Beobachter politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen, die ihm große Sorgen bereiten: „Der Verlust der Wahrheit, den wir erleben. Trump, Putin, Xi, Orban. Was ist die Wahrheit? Was weiß ich, was diese Herrschaften miteinander besprechen, wenn die unter vier Augen sind. Wir wissen es nicht. Und Wahrheit ist eigentlich die Basis von menschlichem Kontakt.“

Für die USA schwant ihm nichts Gutes: „Ich bin ziemlich sicher, dass eine Wahl 2028 in Amerika nicht stattfindet. Oder wenn, dann eine ganz andere Wahl, als wir gewohnt sind. Ich glaube, es gibt viele Dinge, die wir hier nicht so richtig wahrnehmen. Die Details, die einen Mann wie Trump umfassen: Da fliegt dein Hirn weg.“

Für sich selbst hat er nur wenige Wünsche: „Ich bin 44 Jahre in einer Beziehung, die ich mir glücklicher gar nicht vorstellen kann. Ich bin relativ gesund für einen 80-Jährigen und wenn das noch ein paar Jahre hält, dann bin ich sehr zufrieden.“

© dpa-infocom, dpa:260228-930-747738/1

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