Weltstar unter Druck: Der spanische Schlagersänger Julio Iglesias hat Vorwürfe der sexuellen Übergriffe zurückgewiesen. „Ich bestreite, jemals eine Frau beschuldigt, unter Druck gesetzt oder respektlos behandelt zu haben. Diese Anschuldigungen sind absolut falsch und machen mich sehr traurig“, schrieb der 82-Jährige (oben 2014) auf Instagram.
Zwei frühere Angestellte des Sängers hatten über sexuelle Übergriffe, Beleidigungen, Demütigungen, Gewaltanwendung und Zwangsarbeit „in einem Umfeld ständiger Kontrolle und Belästigung“ geklagt, wie die spanische Digitalzeitung „elDiario.es“ und der spanischsprachige US-TV-Sender Univisión Noticias berichteten.
Gegen Iglesias sei eine entsprechende Anzeige bei der Staatsanwaltschaft am Nationalen Gerichtshof in Madrid eingereicht worden, teilte die Behörde der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Man habe Ermittlungen eingeleitet. Die Justiz wollte dpa zu den Ermittlungen keine weiteren Details nennen.
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Dies diene auch dem Schutz der möglichen Opfer. Weitere Details werde man deshalb bis auf Weiteres nicht veröffentlichen. Iglesias selbst hatte Anfragen von Medien tagelang unbeantwortet gelassen.
Ich habe noch nie so viel Boshaftigkeit erlebt.
Julio Iglesias auf Instagram
Iglesias gab sich kämpferisch. „Ich habe noch nie so viel Boshaftigkeit erlebt, aber ich habe noch die Kraft, die Menschen über die ganze Wahrheit zu informieren und meine Würde angesichts einer so schweren Beleidigung zu verteidigen“, schrieb er.
Bei den betroffenen Frauen handelt es sich nach Angaben von „elDiario.es“ und Univisión Noticias um eine frühere Haushaltshilfe aus der Dominikanischen Republik und eine ehemalige Physiotherapeutin aus Venezuela des Künstlers. Die mutmaßlichen Taten sollen sich demnach im Jahr 2021 in zwei Villen von Iglesias in Punta Cana in der Dominikanischen Republik sowie in Lyford Cay auf den Bahamas ereignet haben.
In Videos berichten die beiden mutmaßlichen Opfer, die „elDiario.es“ und Univisión Noticias und „Laura“ genannt werden, aber anonym bleiben, detailreich und zum Teil weinend von schrecklichen Erlebnissen. Iglesias habe ihr „Leben zerstört“. Die Aussagen seien von Bekannten und Ärzten der beiden Frauen bestätigt worden.
Nach Ansicht der Frauenschutzgruppe Women’s Link Worldwide und der Menschenrechtsorganisation Amnesty International könnten die Vorwürfe gegen den Sänger als „Menschenhandel für Zwangsarbeit“ und „Verbrechen gegen die sexuelle Freiheit“ betrachtet werden.
Iglesias habe seine Angestellten sexuell angegriffen, „regelmäßig ihre Handys überprüft, ihre Fähigkeit eingeschränkt, das Haus, in dem sie arbeiteten, zu verlassen, und von ihnen verlangt, bis zu 16 Stunden pro Tag ohne freie Tage zu arbeiten“, erklärten die Organisation am Mittwoch.
Die Dominikanerin, deren Name mit Rebeca angegeben wurde, war zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Übergriffe 22 Jahre alt. Laut einer Erklärung von Women’s Link will sie mit ihrer Anzeige gegen Iglesias anderen Opfern sexueller Gewalt Mut machen. „Ich will ihnen sagen, dass sie stark sein sollen, ihre Stimme erheben und sich daran erinnern, dass er nicht unbesiegbar ist“, erklärte die Frau demnach.
Iglesias ist einer der bekanntesten Sänger der Welt
Die spanische Gleichstellungsministerin Ana Redondo forderte eine „vollständige Untersuchung“ der Vorwürfe. Vize-Regierungschefin Yolanda Díaz sprach von „grauenerregenden“ Zeugenaussagen.
Iglesias ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Sänger der Welt. In seiner Karriere veröffentlichte er 80 Alben und verkaufte hunderte Millionen von Tonträgern.
Der für seine romantischen Balladen bekannte Spanier pflegte ein Image als „Latin Lover“ und arbeitete mit US-Stars wie Diana Ross und Stevie Wonder zusammen. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe dominieren derzeit die Schlagzeilen in Spanien. (dpa, AFP)