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Xavier Naidoo singt in Köln: Dieses Comeback richtet Schaden an

2025-12-17
In gesellschaft Vom Sebastian Leber

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Er schrieb Sätze wie „Ich kann den sogenannten Juden nichts mehr glauben” und „Ziemlich viele Juden in diesen Kinderschänder-Dreck verwickelt“. Er verbreitete die antisemitische Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ inklusive des Hinweises, das Buch sei eines der „wichtigsten Dokumente der Menschheitsgeschichte“. Er verbreitete auch ein Video mit der Aussage, der Holocaust sei eine „gelungene historische Fiktion”.

Angemessen entschuldigt hat sich Xavier Naidoo dafür nie. Dass einem nun Menschen, die finanziell von Naidoos Comeback profitieren, das Gegenteil weismachen wollen, ist ökonomisch nachvollziehbar, aber trotzdem hochgradig unappetitlich.

Sebastian Leber ist Tagesspiegel-Reporter. In seiner Kolumne beschäftigt er sich jede Woche mit einer Widrigkeit der Gegenwart. Sie können ihn auf Instagram sowie Bluesky erreichen.

Andere argumentieren, man könne doch zwischen Künstler und Werk trennen. Das denke ich auch. Jeder soll, logischerweise, genau die Musik hören, die er möchte. Denn es geht doch immer darum, was die jeweiligen Lieder bei einem persönlich auslösen, welche Geschichten man mit ihnen verbindet, welche Gefühle sie beim Anhören zum Vorschein bringen.

Manche Songs erinnern vielleicht an bestimmte Augenblicke oder Phasen im eigenen Leben, vielleicht auch an Personen, mit denen man sie damals gemeinsam hörte. Bei „Führ mich ans Licht“ haben wir uns zum ersten Mal geküsst, Schatz, weißt du noch? Und bei „Dieser Weg“ fällt einem natürlich die tolle WM ein, Jürgen Klinsmann, unser Team war so großartig damals, diese Leichtigkeit, ach ...

An diesem Abend, in dieser Halle, wird eben nicht zwischen Künstler und Werk getrennt, sondern beides miteinander vereint.

Sebastian Leber, Tagesspiegel

Keine dieser Gedanken und Emotionen verliert an Schönheit oder Richtigkeit, nur weil der Sänger später ekelhaften, menschenverachtenden Hass verbreitet hat. Mir geht es so mit Morrissey, der ja inzwischen auch widerliche Dinge von sich gibt.

Ich verstehe also jeden, der sagt: Naidoos Songs verdienen weiterhin Platz im eigenen Leben. Und wer sich die alten Lieder auf CD anhört oder meinetwegen auch auf Spotify und voller Freude mitsingt, genießt einfach sein Leben und lädt damit keinerlei Schuld auf sich.

Anders ist es, ein Konzert dieses Mannes zu besuchen und ihn mit 60 Euro oder mehr zu unterstützen. Damit normalisiert man ihn und seine Entgleisungen. Man ebnet einem Täter den Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft, ohne dass er seine Taten aufgearbeitet und sich zumindest bemüht hat, den angerichteten Schaden halbwegs wiedergutzumachen. Dieser Konzertbesuch ist eine Solidaritätserklärung. Ob man will oder nicht.

Lesermeinung zum Artikel

„Es ist mir Schleierhaft wie der Konzertveranstalter diese Auftritte rechtfertigt, Naidoo wird diese ja nicht selbst organisieren? [...] er ist kein doofer Mensch und er kann sich sehr gut reflektieren und er weiß um die Macht der Worte. Während der Coronazeit hat er viel zum gesellschaftlichen Schaden beigetragen [...].“

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Naidoos erstes Konzert findet an diesem Dienstag in Köln statt. Ich fürchte, es wird ein Einschnitt sein. Talkshoweinladungen und anbiedernde Interviews werden folgen. An diesem Abend, in dieser Halle, wird eben nicht zwischen Künstler und Werk getrennt, sondern beides miteinander vereint. Denn neben der Musik wird selbstverständlich auch die Person Naidoo bejubelt werden.

Echte Aufarbeitung fand nicht statt

Xaxier Naidoo behauptete, die Juden hätten sich „die Welt Untertan gemacht“. Den „Zentralrat der Juden“ beschimpfte er als „Zentralrat der Lügen“. Er verbreitete auch eine Botschaft, wonach das Deutsche Reich seine Souveränität wiedererlangen müsse. Die Deutschen seien „versklavt“ worden. Die EU sei ein „Geschäftsgebilde der Familie Rothschild“.

Ein anderes Mal verbreitete Naidoo ein Statement, wonach der Zweite Weltkrieg den Deutschen aufgezwungen wurde. Der Krieg sei von dem „US-Juden Roosevelt“ geplant und von dem „US-Juden Eisenhower“ umgesetzt worden. Die „immerwährende Schuld“ sei „eine Lüge der Juden, um uns ein schlechtes Gewissen einzureden“.

Naidoo wird in Köln geschickte Worte finden, dabei wahrscheinlich vage bleiben wie immer. Die Anwesenden werden das Gefühl haben, er habe alles längst aufgearbeitet und sei bloß ein Opfer der bösartigen Presse, die nicht lockerlasse.

Ich fürchte, die jetzt anstehenden Konzerte werden zur weiteren Normalisierung von Antisemitismus führen. Man erkennt es schon jetzt in den Vorabmeldungen, in denen Naidoos Äußerungen als „umstritten“ verharmlost werden oder in denen bloß irgendwelche vagen Vorwürfe angedeutet werden, die aber sowieso lange her seien.

Es ist hilfreich, sich das anzusehen. Ich habe mir deshalb vorgenommen, das Konzert und seine Folgen in den kommenden Tagen an dieser Stelle zu dokumentieren und in Kontext zu setzen. Experten werden das Geschehen an dieser Stelle einordnen und bewerten. Dieser Text wird also aktualisiert. Und vielleicht antwortet Naidoo ja doch noch auf meine Presseanfrage.

Auf dem Schirm Köln Zweiter Weltkrieg und Kriegsende auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

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