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Blume entschuldigt sich in Debatte um NS-Raubkunst

2025-02-28
In gesellschaft Vom admin

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Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) hat sich für Versäumnisse Bayerns beim Umgang mit NS-Raubkunst entschuldigt. Man sei sich vielleicht zu sicher gewesen, dass man hier schon weiter sei, sagte er im bayerischen Landtag. „Es reicht nicht, darauf zu vertrauen, dass es schon läuft.“ Es sei für ihn auch unerträglich, dass Opfer und deren Nachfahren sich wie Bittsteller gefühlt hätten.

Das soll nun anders werden: Mit einem ganzen Maßnahmenpaket will der Freistaat Tempo machen bei der Suche nach möglicher Raubkunst in seinen Beständen. Der Landtag votierte einstimmig für zwei Anträge von SPD sowie CSU und Freien Wählern, die mehr Transparenz und Tempo bei der Rückgabe geraubten Kulturguts aus jüdischem Besitz zum Ziel haben. Spätestens zur Sommerpause sollen die in den Anträgen enthaltenen Fragen beantwortet werden. Ein Antrag der Grünen wurde mehrheitlich abgelehnt.

Exklusiv Skandal um Nazi-Raubkunst in Bayern
: „Über Konsequenzen wird zu befinden sein“

SZ-Enthüllungen: Im Skandal um die Nazi-Raubkunst in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen droht Generaldirektor Bernhard Maaz seinen Mitarbeitern – und die üben scharfe Kritik an ihm. Eine externe „Taskforce“ soll nun zunächst weiteren Schaden mindern.

Von Jörg Häntzschel

Das sei der einzige Weg, mit dem man der historischen Verantwortung gerecht werden und den Zustand der Unerträglichkeit beenden könne, sagte Blume. Opfer und Nachkommen könnten sich darauf verlassen, dass man alles tun werde, um das NS-Unrecht wieder gutzumachen, soweit das heute noch möglich sei.

Inventur in allen staatlichen Museen

Hintergrund der Debatte waren Berichte der Süddeutschen Zeitung. Der SZ war ein Auszug aus der Datenbank der Staatsgemäldesammlungen zugespielt worden, der Provenienzberichte zu 200 Kunstwerken enthält, die intern als „rot“ gekennzeichnet wurden – rot für Raubkunst. In mehreren Fällen haben die Staatsgemäldesammlungen ihre Informationen zur Herkunft von Werken nicht an die Anwälte der Opfer weitergegeben.

Als Reaktion auf die SZ-Recherchen hat Blume bereits eine extern besetzte Taskforce angekündigt, die die Provenienzforschung in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen vorantreiben soll. Eine Million Euro und zusätzliche Stellen will der Freistaat zur Verfügung stellen. Zudem sollen nach Angaben Blumes alle staatlichen Museen und Sammlungen angewiesen werden, ihre Bestände zu inventarisieren, Akten zu digitalisieren und sich zu überlegen, nach welchem System die Herkunft der Werke erforscht werden kann.

ExklusivNS-Raubkunst
:Alarmstufe Rot

Der SZ liegen interne Berichte vor, die nahelegen, dass sich in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen 200 NS-Raubkunstwerke befinden, unter anderem von Picasso und Klee. Die Nachfahren der meist jüdischen Besitzer werden bis heute im Dunkeln gelassen.

Von Jörg Häntzschel

Bis zum Sommer wollen die Abgeordneten einen Überblick über alle möglichen Fälle von Raubkunst haben, die noch erforscht werden müssen. Diese müsse man priorisieren und Ergebnisse veröffentlichen, auch in der Datenbank Lost Art. Auskunft wollen sie etwa auch zur Frage, in welcher Form mögliche Anspruchsteller ermutigt wurden, ihre Ansprüche geltend zu machen, nach den Maßgaben der Washingtoner Prinzipien.

Blume nimmt Staatsgemäldesammlungen in Schutz

„Wir stehen in diesem Themenfeld in einer historischen Verantwortung“, sagte Michael Piazolo (Freie Wähler), Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst. 80 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes sei man viel zu spät dran mit der Rückgabe von Kunstgegenständen. Es seien nur noch wenige Opfer am Leben. „Wir sind es ihnen schuldig, zügig faire und gerechte Lösungen zu finden“, versprach Piazolo und machte eine Maßgabe für Entscheidungen: „Im Zweifel für die Anspruchsteller, wenn sich die Dinge nicht mehr bis zum letzten aufklären lassen.“ Hilfe erhofft man sich von der Schiedsgerichtsbarkeit, deren Einrichtung nach dem Beschluss des Landtags nun vorangebracht werden soll, die aber auch umstritten ist. Sie könnte im Streitfall juristisch verbindlich entscheiden, ob es sich um ein Kunstwerk handelt, dass die Nationalsozialisten früheren jüdischen Eigentümern geraubt oder unter Zwang abgenommen haben.

Blume nahm die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Schutz und kritisierte zeitgleich die Berichterstattung der SZ. Es sei unerträglich, wie eine der größten und bedeutendsten Gemäldesammlungen der Welt durch unzutreffende Vorwürfe in den Medien in Misskredit gebracht worden sei. Der Vorwurf, man habe den Opfern und ihren Erben absichtlich Forschungsergebnisse vorenthalten, sei „unzutreffend“, behauptete Blume: „In Deutschland entscheidet nicht die Süddeutsche Zeitung, was Raubkunst ist.“ Susanne Kurz, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, sagte hingegen: „Man kann nur dankbar sein, wenn hier im Freistaat die Presse so etwas auch aufdeckt und weiterverfolgt.“

Kunst Raubkunst Pinakotheken Ausstellung München NS-Raubkunst NS-Geschichte Nationalsozialismus Bayern Kultur in Bayern

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