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Pionier im Stellantis-Konzern: Opel holt China-Technik nach Europa

2026-05-09
In wirtschaft Vom admin

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Der nächste Opel-SUV wird kräftige chinesische Gene in sich tragen. Das Elektrofahrzeug soll in enger Kooperation mit dem chinesischen Autobauer Leapmotor entwickelt und in Europa gebaut werden, kündigte Opel-Chef Florian Huettl am Freitag an. Die eigene Entwicklungsabteilung am Stammsitz Rüsselsheim wird hingegen weiter eingedampft. 

Die deutsche Tochter Opel wird mit dem Projekt zum Pionier im Multi-Marken-Konzern Stellantis, dessen eigene Elektrostrategie insbesondere in den USA zu Milliardenverlusten geführt hat. Stellantis kündigte zeitgleich eine engere Zusammenarbeit mit Leapmotor an. Neben dem gemeinsamen Einkauf und dem Zugang zu fortgeschrittener, preisgünstiger Elektro- und Digitaltechnologie steht die Auslastung der Stellantis-Autofabriken in Europa im Blickpunkt der Verhandlungen.

Leapmotor und Opel vom gleichen Band

Die Entwicklung des noch namenlosen Elektro-SUV in der Kompaktklasse hat laut Opel bereits begonnen und soll in Rekordzeit zu einem Produktionsbeginn im Sommer 2028 führen. Das Auto soll im Stellantis-Werk im spanischen Saragossa gebaut werden, wo bereits seit Jahrzehnten der Opel Corsa vom Band läuft.

Dort will Leapmotor noch in diesem Sommer die Produktion des eigenen SUV B10 beginnen, wie das Unternehmen gemeinsam mit Stellantis ankündigte. Der B10 tritt mit einer Länge von 4,52 Metern in derselben Klasse an wie der geplante neue Opel und konkurriert auch mit dem in Eisenach montierten Opel Grandland. Die Produktion eines weiteren Leap-Modells ist für 2028 im Werk Villaverde bei Madrid geplant, wo perspektivisch der Citroën C4 ausläuft. Der erste Versuch einer europäischen Produktion in einem ehemaligen Fiat-Werk in Polen war 2025 ohne Angabe von Gründen wieder eingestellt worden. 

70 Prozent Wertschöpfung in Europa

Im Interview mit dem „Focus“ hat Leapmotor-Chef Zhu Jiangming vor wenigen Tagen die Europa-Strategie seines Unternehmens erklärt: „Um die europäischen Zölle zu umgehen, die einen Mindestanteil von 70 Prozent lokaler Wertschöpfung vorschreiben, wird die Produktion – wie in den meisten Werken – vollständig lokal erfolgen. Das ist unser Ziel.“ Stellantis hält eine Minderheit von 21 Prozent an dem Hersteller und hat mit ihm eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft gegründet, die auf die Infrastruktur der Stellantis-Marken zurückgreifen kann.

Stellantis-Chef Antonio Filosa sieht in dem Ausbau der Partnerschaft eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Laut einer Mitteilung sagte er: „Sie wird die Produktion ankurbeln und die Lokalisierung von erstklassiger Elektrofahrzeug-Fertigung zu erschwinglichen Preisen in Europa vorantreiben.“

Der Stellantis-Konzern mit französischen und italienischen Wurzeln nimmt damit einen anderen Weg als Volkswagen, das seit 2023 im Einklang mit seiner Strategie „In China, für China“ zunehmend dort Fahrzeuge entwickelt. Die Wolfsburger kooperieren dort unter anderem mit dem E-Auto-Bauer Xpeng. In Hefei der Provinz Anhui betreiben die Wolfsburger inzwischen ihr größte Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands. 

VW entwickelt in China für China

Gedacht sind die Modelle bisher nur für den chinesischen Markt und Exporte in einige Schwellenländer. Konzernchef Oliver Blume zeigte sich jüngst aber offen für die Idee, die eigene China-Modelle auch nach Europa zu bringen, um die hiesigen Werke besser auszulasten. „Wir werden prüfen, ob es in Europa Absatzmöglichkeiten für unsere chinesischen Autos gibt.“ Noch handelt es sich laut VW aber noch um frühe Überlegungen, konkret geplant oder vereinbart sei bisher nichts.

Die Vorsicht dürfte mit dem starken Widerstand der deutschen Belegschaft zu tun haben, mit dem Blume rechnen muss. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer beschreibt die Lage so: „Wolfsburg kann man nicht einfach schließen, in Rüsselsheim merkt es wahrscheinlich keiner.“ Dort hatten vor der Übernahme durch die Peugeot-Mutter PSA im Jahr 2017 noch rund 7.000 Ingenieure neue Opel/Vauxhall-Autos entwickelt.

Opel schrumpft in Deutschland

Tatsächlich hat Stellantis erst vor wenigen Wochen angekündigt, die Entwicklungsmannschaft am Stammsitz weiter abzubauen. Von derzeit rund 1.650 Ingenieurinnen und Ingenieuren sollen künftig noch 1.000 an der Entwicklung von Opel-Modellen sowie auf verschiedenen Themenfeldern für den Gesamtkonzern arbeiten. Gemeinsame Pläne mit Mercedes-Benz für eine Batteriezellen-Fabrik am Opel-Standort Kaiserslautern wurden aufgegeben.

In der Zusammenarbeit mit den chinesischen Ingenieuren sollen die verbliebenen Opel-Ingenieure vor allem für die deutsche Anmutung der neuen Autos sorgen. Dazu gehören neben dem Design beispielsweise straffe Sitze und Fahrwerk sowie die Beleuchtung. Dudenhöffer findet die Kooperation mit Leapmotor grundsätzlich vernünftig. Er sagt: „Opel ist schon länger kein eigenständiger Autobauer mehr, sondern eine Marke im Stellantis-Konzern. Die Fahrzeuge basieren auf Stellantis-Plattformen, sprich Peugeot-, Citroën- und Fiat-Technologien. Jetzt wird es ein Stück chinesischer.“

© dpa-infocom, dpa:260508-930-52328/1

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