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Preise, Wohnen, Konjunktur: Was bringt Olympia für die Wirtschaft – und was nicht?

2025-10-25
In wirtschaft Vom admin

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Noch bis Sonntag entscheiden die Münchner per Bürgerentscheid, ob sich ihre Stadt um Olympische Spiele bewerben soll. Im Streit über die Pläne führen sowohl Befürworter als auch Gegner die Auswirkungen der Spiele auf die Wirtschaft an. Die gezeichneten Bilder reichen von blühenden Landschaften mit neuer Infrastruktur bis zu tiefen Haushaltslöchern und steigenden Preisen. Was ist realistisch? Die dpa hat große deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute befragt, die auch an der viel beachteten regelmäßigen Gemeinschaftsdiagnose zur wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt sind. Die Experten sehen an einigen Stellen Risiken. Ein Überblick:

Wie stark sind wirtschaftliche Auswirkungen Olympischer Spiele? 

Studien zeigten „überwiegend kleine, kurzlebige Effekte“ bei sportlichen Großveranstaltungen, sagt Klaus Wohlrabe vom Münchner Ifo-Institut. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist zurückhaltend: „Die gesamtwirtschaftlichen Effekte sind meist begrenzt und oft überschätzt“, heißt es von dort. Zudem seien sie selten nachhaltig. 

Auch Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) sagt: „Olympische Spiele haben in der Regel keine nennenswerten gesamtwirtschaftlichen Effekte.“ Zwar kämen Sporttouristen, aber dafür würden andere verdrängt – zum Beispiel durch höhere Preise. Zudem stünden Mehrausgaben für die Spiele Minderausgaben in anderen Bereichen gegenüber. 

Wer profitiert?

Philipp Breidenbach vom RWI Essen verweist auf lokal beschränkte Auswirkungen – vor allem bei Bars, Restaurants und Hotels. Ähnlich antwortet Wohlrabe vom Ifo, er nennt darüber hinaus aber noch Einzelhandel und Freizeitbranche, das DIW die Baubranche.

Beeinflussen Olympische Spiele den Wohnungsmarkt?

„Olympische Dörfer können langfristig Wohnraum schaffen, aber oft steigen Mieten und Immobilienpreise stark, was sozial problematisch ist“, heißt es vom DIW. 

Wohlrabe vom Ifo verweist auf Studien, die zeigten, dass Stadien und Infrastruktur die Immobilienpreise beeinflussten. Kurzfristig stiegen Mieten und Preise, weil die Nachfrage anziehe. Zudem würden Wohnungen dem Markt entzogen, wenn die Eigentümer sie lieber auf Plattformen wie Airbnb anböten. „Das verknappt das Angebot an Wohnraum, in Städten wie München ist das ein Problem.“ In weniger gut entwickelten Gegenden könnten Spiele das Wohnraumangebot verbessern – aber auch zu Gentrifizierung und steigenden Preisen führen.

Breidenbach vom RWI betont, dass olympische Dörfer viel Fläche bräuchten, die davor nicht zur Verfügung stehe. „Die Lösung aktueller Wohnraumknappheit kann daher nicht in Olympischen Spielen liegen.“ Entscheidend sei die Nachnutzung: Der Wohnraum dürfe nicht exklusiv und teuer aber auch nicht monoton sein. „Sonst entstehen soziale Brennpunkte.“

Sind Auswirkungen auf die allgemeinen Preise zu erwarten?

Hier gehen die Einschätzungen ein Stück weit auseinander: Vom DIW heißt es: „Preise für Güter und Dienstleistungen steigen oft temporär durch erhöhte Nachfrage und touristische Auslastung.“ Dagegen betont das IWH, dass Effekte auf das allgemeine Preisniveau nicht belegt seien. Allerdings könne es Effekte bei Übernachtungen und in der Gastronomie geben. Auch Wohlrabe vom Ifo erwartet keinen allgemeinen Inflationsschub, hält kurzfristige Preisspitzen in einzelnen Bereichen aber für plausibel. Das gebe es auch bei sehr großen Messen oder beispielsweise dem Oktoberfest. 

Macht es einen Unterschied, ob die Spiele in wirtschaftlich starken oder schwachen Städten stattfinden?

Durchaus, wie schon bei Wohnraum angesprochen. „In starken, ausgelasteten Regionen schlagen Effekte eher in Preiserhöhungen durch“, sagt Wohlrabe. In schwächeren Regionen stiegen die Mengen - beispielsweise durch den Bau zusätzlicher Hotelzimmer. Hier drohten dann auf Dauer aber Überkapazitäten. „Eine schwächere Stadt kann von Olympia profitieren, wenn Infrastruktur einen dauerhaften Nutzen stiftet. Ohne Nachnutzung drohen aber besonders hier große Belastungen“, sagt der Ifo-Experte. 

Ähnlich klingt es bei DIW: „Schwächere Städte könnten wirtschaftlich profitieren, tragen aber höhere Risiken; starke Städte riskieren Überhitzung und soziale Spannungen.“

Breidenbach vom RWI äußert sich eher verhalten: „Sportveranstaltungen allein taugen nicht zur Überwindung wirtschaftlicher Schwächen“, sagt er.

Was bedeuten Spiele für die öffentliche Hand?

„In den meisten Fällen überwiegen die Kosten die zusätzlichen Einnahmen“, heißt es vom IWH. Das DIW schreibt von hohen Kosten „oft mit Budgetüberschreitungen und langfristiger Verschuldung“. Beim Ifo ist man etwas positiver: In Deutschland wären weniger Investitionen in Stadien und Infrastruktur notwendig, sagt Wohlrabe, die noch notwendigen Investitionen, wie Verbesserungen beim ÖPNV, würden sich auch langfristig auszahlen. Rein fiskalisch gehe er aber von einem negativen Effekt aus.

Sind Kostenplanungen überhaupt realistisch?

Hier haben die Experten große Zweifel: Das DIW schreibt: „Ein Einhalten der prognostizierten Kosten ist historisch gesehen unrealistisch - fast alle Spiele wurden deutlich teurer.“ Beim IWH heißt es, die Kosten für Sportgroßveranstaltungen würden häufig im Vorfeld unterschätzt und auch Wohlrabe sagt: „Realistisch ist, dass Olympia auch heute deutlich teurer wird, als ursprünglich veranschlagt.“ Er nennt zwei wesentliche Gründe: So würden Schätzungen im Vorfeld oft niedriger angesetzt, um die politische und öffentliche Unterstützung nicht zu gefährden. Und generell sei es schwierig, Kosten für eine Veranstaltung weit in der Zukunft anzugeben.

Lohnt eine Olympiabewerbung wirtschaftlich?

Wirtschaftlich lohne sich eine Olympiaausrichtung für das Gastgeberland im engen Sinn meist nicht, sagt Wohlrabe. „Sie kann aber politisch, gesellschaftlich und symbolisch wertvoll sein.“ 

Beim IWH heißt es: „Es kommt darauf an.“ Gelinge es, langfristig nutzbare und nachhaltige neue Strukturen aufzubauen, wie in Barcelona oder Salt Lake City, könnten langfristig die positiven Effekte überwiegen. „Das ist aber eher die Ausnahme.“ 

Allmut Balleer vom RWI sieht „durchaus Potenzial für Schwung“. Zusätzliche Investitionen in Infrastruktur könnten wachstumsfördernd sein, insbesondere, wenn zentrale Probleme behoben würden, die ohne Olympia nicht adressiert worden wären. Letztlich komme es auf die konkrete Umsetzung an.

Wer will sich überhaupt bewerben?

München ist nicht der einzige Olympiakandidat in Deutschland. Auch Berlin, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr sind interessiert. Für wann sich Deutschland international bewerben wird, ist aber noch nicht entschieden. Im Raum stehen die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.

© dpa-infocom, dpa:251024-930-200688/1

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