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Wenn zu Hause Fernsehen und PC locken : Der Kita-Alltag braucht mehr Bewegung – das hilft bei Motorik und Spracherwerb

2025-05-17
In sport Vom Friedhard Teuffel

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Schon zwei Bewegungsgipfel auf höchster nationaler Regierungsebene haben stattgefunden. Mit Aktivprogramm und Bundesgesundheitsminister in Trainingsjacke. Und doch ist etwas Entscheidendes wieder viel zu kurz gekommen: der Anfang von Bewegung.

Dass sich Kinder im Kitaalter viel mehr bewegen müssen, dass sie in dieser Phase so viel verpassen, was sich später nicht mehr aufholen lässt, das kommt zwar noch in Wortbeiträgen vor – es ändert sich nur nichts. Zurück bleibt die Vorhersage: Der Bewegungsmangel der Kinder von heute sind die explodierenden Gesundheitskosten von morgen.

Kitas: zu viele Zuständigkeiten

Warum sich so nichts ändert, lässt sich relativ leicht erklären: Während über dem System Schule noch eine berechenbare Struktur mit festen Zuständigkeiten, Rahmenlehrplänen und verantwortlichen Akteuren liegt, besteht die frühkindliche Bildung aus einem unübersichtlichen Bild auf der Ebene der Kommunen mit einer enormen Vielzahl an privaten und öffentlichen Trägern.

Friedhard Teuffel ist Direktor des Landessportbunds Berlin und war 15 Jahre lang Tagesspiegel-Redakteur.

Das Thema Bewegung konkurriert zudem mit vielen weiteren Bildungszielen. Im Berliner Bildungsprogramm für die Kitas wurde die Bewegung zuletzt irgendwo im Bereich Gesundheit verklappt. So fährt die frühkindliche Bewegungspädagogik neben dem Zug her und versucht, mit besorgniserregenden Studien wedelnd auf sich aufmerksam zu machen – meist ohne großen Erfolg.

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So, wie wir uns im Vorschulalter bewegen, hat es unmittelbaren Einfluss auf das Bewegungsverhalten im Erwachsenenalter. Gerade bei der Koordination schließt sich irgendwann ein Fenster. Mit 20 lässt sich eine koordinativ anspruchsvolle Sportart längst nicht mehr so erlernen wie mit fünf Jahren.

Das Thema Bewegung konkurriert mit vielen weiteren Bildungszielen.

Friedhard Teuffel, Direktor des Landessportbunds Berlin

Dabei muss frühkindliche Bewegungsförderung ja nicht gleich das Ziel haben, Olympiasieger:innen auszubilden. Es muss zuerst darum gehen, Freude an Bewegung zu vermitteln. Und ja, auch das, Schlimmeres zu verhindern: also Übergewicht, Adipositas, andere Krankheiten auf der gesundheitlichen Ebene und ein weiteres gesellschaftliches Auseinanderdriften auf der sozialen.

Die Kita kann mit systematischer Bewegungsförderung einen entscheidenden Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit leisten.

Der Landessportbund betreibt mit seiner gemeinnützigen Gesellschaft Kinder in Bewegung (KiB) 22 Kitas in der Stadt. Hier sind die Erzieher:innen besonders ausgebildet, die Innen- und Außenbereiche laden zur Bewegung ein und frisch gekocht wird auch noch täglich.

Zu Hause locken Fernseher und Computerspiele

Das wissenschaftlich evaluierte Ergebnis lautet: Die Kinder sind motorisch fitter und auch beim Spracherwerb weiter als der Durchschnitt – obwohl die Kitas auch in sozial weniger privilegierten Kiezen zu Hause sind. Bewegung macht den Unterschied – weil sie zum einen auch die kognitive Entwicklung fördert und zum anderen immer auch ein Anlass für Kommunikation ist.

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In Berlin sind es nur 15 Prozent aller Kitas, die nach eigener Auskunft ein bewegungspädagogisches Profil aufweisen. Gerade in einer Stadt wie Berlin bieten sich Kindern immer weniger Spiel- und Bewegungsräume, um Grundbewegungsformen wie Klettern oder Balancieren zu erlernen.

Zu Hause locken dann oft bewegungsärmste Beschäftigungen wie Fernsehen oder Computerspiele. Die Corona-Pandemie hat eine ohnehin schon vorhandene Entwicklung noch einmal verschärft: Eine Auswertung der Daten aus dem vom Berliner Senat geförderten Programm „Berlin hat Talent“ des Landessportbunds hat beispielsweise ergeben, dass Kinder durch die Pandemie ein Jahr ihrer körperlichen Entwicklung verloren haben.

Die Situation wäre sogar noch schlechter, wenn nicht viele Sportvereine, gerade auch in Berlin, auf Kitas zugehen, Kooperationen schließen und mit ihren qualifizierten Übungsleitungen Bewegungsangebote machen würden. Die Senatsbildungsverwaltung hat hier dankenswerterweise auch eine weitere Tür aufgemacht, um solche Kooperationen künftig zu fördern.

Es fehlt an Personal, Fläche, Willen

Der Fokus muss sich auf die Kita richten. Die Kitas erreichen in der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen 93 Prozent aller Kinder. Hier lassen sich also Wirkungen erzielen. Zumal wir kein Erkenntnisproblem haben, sondern ein Umsetzungsproblem. Es fehlt das Personal oder auch die Fläche, um sportliche Angebote zu machen. Manchmal fehlt auch schlichtweg der Wille, um das Thema Bewegung wirklich zum integralen Bestandteil der frühkindlichen Bildung zu machen. Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, ob die Verankerung der Bewegung im Kita-Qualitätsgesetz etwas erleichtern oder sogar befördern wird.

Das Personal muss jedenfalls gut und sportlich aus- und fortgebildet werden, in Fachschulen, die sich auch auf Bewegungspädagogik spezialisiert haben. Eltern brauchen mehr Beratung, innen und außen müssen die Bewegungsflächen – wenn vorhanden – besser gestaltet und genutzt werden.

Wir wissen, dass Sandkästen und Schaukeln eher Bewegungskiller sind. Die bisherigen Bewegungsansätze haben Kitas jedoch häufig zum Interventionsort gemacht, es wird ein Projekt eingeführt, aber die Wirkung verpufft schnell, wenn das Projekt zu Ende ist.

Bewegung braucht aber Regelmäßigkeit, sie muss zur Selbstverständlichkeit im Kita-Alltag werden – etwa durch sehr regelmäßige angeleitete Bewegungseinheiten. Am besten durch ein tägliches, qualitativ starkes Angebot.

Eine Bewegungsoffensive auszurufen, einen Pakt für Bewegung für Kinder, und ihn vor allem mit verbindlichen Maßnahmen, Zuständigkeiten und einem Finanzierungsplan zu unterlegen – damit hätte ein Bewegungsgipfel seinen Namen verdient.

Gesundheit Kita Pandemie Schule

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