Friday, May 01, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite politik Die Regierung verschlei...

Die Regierung verschleißt jeden guten Willen: Deutschland driftet – Führung gesucht

2026-05-01
In politik Vom Stephan-Andreas Casdorff

ÄHNLICHE ARTIKEL

Eingerostete Gelenke, morgendliche Anlaufschmerzen: Die große Mehrheit der Älteren leidet darunter

Spiel über Fritz Bauer: Deutscher Computerspielpreis geht nach Berlin

Kein Tag ohne Kollision in der Koalition. Miersch gegen Merz, Merz gegen Klingbeil, Linnemann gegen die SPD, Bas gegen die Kabinettskollegin Reiche. Viel Lärm, wenig Richtung. Und dahinter eine Regierung, die sich verhakt hat – im Ton, in der Sache, im eigenen Anspruch. Wer so miteinander redet, regiert nicht. Er ermüdet sich und, was noch schlimmer ist, die Republik. Er verschleißt jeden guten Willen.

Die Dimension des Geschehens ist riesig, ist vor allem mehr als unerfreulich. Eine AfD so stark wie nie, fünf Prozentpunkte vor CDU plus CSU. Was nebenbei heißt: Die CDU allein liegt deutlich unter 20 Prozent. Eine SPD bei zwölf, bald hinter der Linken. Acht von zehn Bürgern sind unzufrieden, nur 14 Prozent zufrieden mit Kanzler Merz. Der Regierungschef landet im Ranking ganz unten – auch das ein Novum.

ist Editor-at-Large des Tagesspiegels.
Er sagt: Dass Merz seine Abkehr von der Staatsräson vorab nicht ausreichend erklärt hat, nährt Zweifel an ihm.

Stephan-Andreas Casdorff ist Editor-at-Large des Tagesspiegels. Er fordert von der Koalition, dass sie endlich aufhört, sich zu streiten, und sich stattdessen auf ihren Auftrag konzentriert: das Wohl des Landes.

Schwarz-Rot steht nach einem Jahr dort, wo die Vorgängerregierung, die Ampel, nach dreien endete: im Misstrauen. Man kann das übertrieben nennen. Oder eine Diagnose.

Die Koalition ist nicht am Ende, aber sie verhält sich so, als wäre sie es. Sie ringt nicht um Lösungen, sondern um Deutungshoheit. Sie streitet nicht über Wege, sondern über Schuld. Das mag innenpolitisch kalkuliert sein; nach außen wirkt es bald wie eine Kapitulation. Denn diese wichtigen Fragen liegen auf dem Tisch: Sicherheit, Migration, wirtschaftliche Dynamik, Energiepreise, soziale Verlässlichkeit.

Führung ist nicht die Summe von Kompromissen, sondern die Kunst, sie zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Stephan-Andreas Casdorff

Die alte Beruhigungsformel – die Demokratie hält das schon aus – taugt nicht mehr. Sie hält viel aus, ja. Aber sie ist kein Selbstläufer. Vertrauen ist kein Naturgesetz. Es entsteht aus Führung, aus Klarheit, aus der Erfahrung, dass die Regierung tut, was sie ankündigt, und erklärt, was sie tut. Daran fehlt es. Deutschland driftet, und die Koalition wirkt wie ein Schlepper ohne Kurs.

Was also tun? Zuerst: den Ton ändern. Sofort. Wer öffentlich gegeneinander arbeitet, entwertet die eigene Mehrheit. Disziplin ist hier kein Maulkorb, sondern die Voraussetzung von Handlungsfähigkeit. Zweitens: Prioritäten setzen, und zwar wenige, nachvollziehbare. Ein Migrationspaket, das im besten Sinne ordnet und dann auch begrenzt. Ein Wirtschaftsprogramm, das Investitionen entfesselt und Bürokratie sichtbar abbaut. Eine Energiepolitik, die Preise senkt und Planungssicherheit schafft. Drittens: liefern, nicht ankündigen. Fristen, Meilensteine, überprüfbare Ergebnisse.

Merz darf vor allem nicht lamentieren

Und der Kanzler muss führen. Nicht moderieren, nicht kommentieren, gewiss nicht lamentieren. Merz muss Konflikte entschärfen und entscheiden, Linien vorgeben, den eigenen Leuten sagen, was gilt. Führung ist nicht die Summe von Kompromissen, sondern die Kunst, sie zu einem Ganzen zusammenzufügen. Wer sich hinter Koalitionsarithmetik versteckt, verliert Autorität. Wer sie beansprucht, muss sie zeigen. Auch gegen Widerstände.

Braucht es einen Kanzlertausch? Die Frage läuft gerade republikweit heiß. Nur ersetzt ein Wechsel keine Strategie. Er kann Zeit kaufen, selten Vertrauen. Wenn die Regierung nicht weiß, wohin sie will, hilft auch ein neues Gesicht nicht. Wenn sie es weiß, muss sie es jetzt beweisen – mit diesem Kanzler. Alles andere wäre ein Eingeständnis politischer Ratlosigkeit.

Der Bundespräsident kann Verantwortung einfordern

Da kommt der Bundespräsident ins Spiel. Er ist kein Ersatzkanzler, kann keine Richtlinien setzen, die Koalition nicht mit einem Wort disziplinieren, keine neuen Mehrheiten organisieren. Aber er kann an den Maßstab erinnern: das Wohl des Landes.

Wenn Frank-Walter Steinmeier das Wort ergreift, spricht das übergeordnete Amt. Er kann den Ton rügen, wo er entgleist; kann Verantwortung einfordern, wo sie verdampft; und er kann Orientierung geben, wo sie fehlt. Seine Worte markieren, was von der Politik zu erwarten ist. Solche Interventionen sind selten spektakulär, aber sie setzen einen Rahmen, in dem sich politisches Verhalten messen lassen muss.

In festgefahrenen Situationen kann der Bundespräsident auch Handeln anstoßen und die Handelnden begleiten, diskret. Was er im Übrigen tut. In Zeiten der Zerfaserung ist das kein geringer Beitrag.

Lesermeinungen zum Artikel

„Merz als Kanzler - das ist das Eingeständnis politischer Ratlosigkeit, das ist doch das Problem. Merz hat Zukunftsrezepte aus den 1980ern. Dass er überhaupt Parteichef, dann Kanzler-Kandidat und schliesslich Kanzler wurde, zeigt, wie inhaltlich entleert und bar jeder Zukunftsidee die CDSU ist. Bei der SPD schaut es keinen Deut besser aus. Der Versuch, Ökologie und Liberalismus zu einer neuen Gesellschaftsidee zu verschmelzen, ist leider systematisch zerstört worden. Was nun? Dass je nach Landesteil 20-40% der Menschen den Faschismus als Alternative für Deutschland sehen, macht fassungslos.“

Sie möchten darauf antworten? Hier gelangen Sie direkt zur Diskussion mit Tagesspiegel-Nutzer CJa

Diese Koalition braucht einen Schubs, ja. Aber vor allem braucht sie sich selbst: als arbeitsfähige Einheit, die die Lage ernst nimmt und die Größe hat, das eigene Verhalten zu ändern. Die Zeit dafür ist knapp. Wer sie weiter verstreichen lässt, wird am Ende feststellen, dass nicht nur die Umfragen kippen, sondern das politische Gefüge. Dann ist die Frage nicht mehr, wo das endet. Sondern wer es noch aufhalten kann.

CDU CSU Friedrich Merz Lars Klingbeil SPD auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

ÄHNLICHE ARTIKEL

Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

2026-05-01

Den Vorwurf der Bürgerlichkeit will Maja nicht auf sich sitzen lassen. Schauspiel und Theater sind z...

Konservative Zuschauer im Blick: Amazon denkt angeblich über Neustart der Trump-Show „The Apprentice“ nach

Konservative Zuschauer im Blick: Amazon denkt angeblich über Neustart der Trump-Show „The Apprentice“ nach

2026-05-01

Kommt Donald Trumps alte Erfolgsshow zurück? Der US-Konzern Amazon prüft laut Medienberichten einen ...

Tori Amos, Pigeon, Maya Hawke, The Black Keys: Die Alben der Woche im Soundcheck

Tori Amos, Pigeon, Maya Hawke, The Black Keys: Die Alben der Woche im Soundcheck

2026-05-01

Jeden Freitag stellen vier Popmusikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche ...

Zum Tod von Georg Baselitz: Der letzte große Expressionist

Zum Tod von Georg Baselitz: Der letzte große Expressionist

2026-05-01

Einfach eklig, diese Füße. Übergroß nehmen sie jeder eine ganze Leinwand ein: nackte, aufgeschwollen...

Mit 88 Jahren: Maler und Bildhauer Georg Baselitz gestorben

Mit 88 Jahren: Maler und Bildhauer Georg Baselitz gestorben

2026-05-01

Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren, wie seine Galerie u...

Nächster Beitrag
Nato: Was ein Teilabzug der US-Truppen bedeuten würde

Nato: Was ein Teilabzug der US-Truppen bedeuten würde

EMPFOHLEN

Angriffe auf das deutsche Stromnetz : In Bayern Verschlusssache, in Hamburg nicht

Angriffe auf das deutsche Stromnetz : In Bayern Verschlusssache, in Hamburg nicht

2026-05-01
Klingbeils Erzählung vom konsolidierten Haushalt: Das soll gutes politisches Handwerk sein?

Klingbeils Erzählung vom konsolidierten Haushalt: Das soll gutes politisches Handwerk sein?

2026-05-01

MEISTGESEHEN

  • Neue Landesregierung: CDU und SPD in Rheinland-Pfalz einigen sich auf Koalition

    Neue Landesregierung: CDU und SPD in Rheinland-Pfalz einigen sich auf Koalition

  • Migrationspolitik: Weniger Abschiebungen – auch eine Folge des Iran-Kriegs?

  • Söder bietet Kompromiss an: SPD lehnt Abschaffung des Soli ab und will Reichensteuer früher greifen lassen

  • Bündnisverteidigung: Bereit zum „fight tonight“ - Merz besucht die Truppe

  • Nato: Was ein Teilabzug der US-Truppen bedeuten würde

  • Die Regierung verschleißt jeden guten Willen: Deutschland driftet – Führung gesucht

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.