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Nato: Was ein Teilabzug der US-Truppen bedeuten würde

2026-05-01
In politik Vom admin

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US-Präsident Donald Trump hat die Drohung mit einem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland mehrfach als Druckmittel genutzt. Er versucht, dies als politischen Hebel zu nutzen, denn für Europa stehen sicherheitspolitische Interessen und regionale Einnahmen auf dem Spiel. Allerdings ist die Präsenz in Deutschland auch für die USA von großem Vorteil:

Wie sind die Amerikaner bisher in Deutschland aufgestellt?

Nach Angaben des US-Militärs waren Ende 2025 gut 36.400 US-Soldaten hierzulande stationiert. Damit ist Deutschland nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der USA. Die Ursprünge dafür liegen im Kalten Krieg: Damals galt es, die junge Bundesrepublik gegen Bedrohungen aus dem Ostblock verteidigen zu können. Auch heute schützen die US-Basen Europa vor möglichen russischen Aggressionen. Zudem sind sie strategisch sinnvoll für ein Land wie die USA, das von vielen Konfliktregionen der Welt weit entfernt liegt.

Welche Bedeutung haben die Stützpunkte für das US-Militär?

Die USA verfügen über mehrere Stützpunkte in der Bundesrepublik, viele davon im Südwesten und Süden. Zu den militärisch bedeutsamsten gehört die Ramstein Air Base (Rheinland-Pfalz). Für die USA ist sie die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten.

Das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland befindet sich im rheinland-pfälzischen Landstuhl. US-Soldaten, die in Auslandseinsätzen verwundet werden, müssen für eine schnelle und hochwertige Behandlung also nicht den weiten Weg bis in die USA gebracht werden. Da Landstuhl in die Jahre gekommen ist, entsteht derzeit im benachbarten Weilerbach für etwa 1,59 Milliarden US-Dollar die größte US-Armeeklinik außerhalb der Vereinigten Staaten.

Der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA liegt nahe Grafenwöhr in Bayern. In Stuttgart befinden sich die Hauptquartiere des Europa-Kommandos (Eucom) und des Afrika-Kommandos (Africom) der US-Streitkräfte, in Wiesbaden die Zentrale des US-Heeres in Europa.

Am Luftwaffenstützpunkt in Spangdahlem sind F-16-Kampfjets stationiert, auf dem Fliegerhorst Büchel (beide Rheinland-Pfalz) einige der geschätzt etwa 100 US-Atomwaffen in Europa.

Welche Rolle spielen die Basen für die betroffenen Regionen?

Neben sicherheitspolitischen Aspekten sind die Standorte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region, etwa durch die Beschäftigung Deutscher oder den Konsum durch US-Streitkräfte. Beispiel Ramstein in der Pfalz: „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagt Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein nahe dem riesigen US-Stützpunkt. Inbegriffen sind etwa Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen.

Wie reagiert man vor Ort auf die Abzugsdrohung?

„Die Drohung muss man natürlich ernst nehmen“, sagt Hechler. Trump könne als Oberbefehlshaber Verlagerungen temporär rasch umsetzen. „Ob er dies dauerhaft ohne den US-Kongress machen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber die Auswirkungen wären direkt spürbar für uns.“ Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und oft Freunde. „Allein in der Verbandsgemeinde leben fast 8.000 US-Amerikaner mit Familien.“

Was würde ein US-Teilabzug für Deutschlands Sicherheit bedeuten?

Ein Abzug einiger Soldaten kann zeitlich begrenzt sein. Die Schließung von ganzen Militärstandorten wäre ein erheblicher Schritt. Zwar hätte dies keine unmittelbaren Folgen für die Sicherheit. Jedoch steht schnell die Frage im Raum, ob auch das Beistandsversprechen der USA in der Nato erodieren könnte. 

Wie reagiert die Bundesregierung?

Die Bundesregierung hat sich zu früheren Drohungen Trumps zurückhaltend geäußert. Offenkundig will kein führender Vertreter Deutschlands Öl ins Feuer gießen oder sich in einen persönlichen Streit verwickeln lassen, bei dem es wenig zu gewinnen gibt. Betont wird, dass die Kontakte und Verfahren mit den US-Streitkräften auf der Arbeitsebene problemlos laufen.

Der Kanzler reagierte bei einem Truppenbesuch im niedersächsischen Munster am Donnerstag nur indirekt auf Trump und bekräftigte die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft für eine starke Nato. Merz sagte: „Denn diese Arbeit leisten wir eben Schulter an Schulter zum gegenseitigen Nutzen und in tiefer transatlantischer Verbundenheit.“ 

Außenminister Johann Wadephul gab sich bei einem Termin in der marokkanischen Hauptstadt Rabat gelassen. Was man von Trump gelesen habe, sei „die Ankündigung einer Überprüfung“, sagte Wadephul. Dies sei nichts Neues. Dass sich die USA mehr auf den pazifischen Raum und China konzentrieren würden, werde von verschiedenen US-Administrationen seit längerer Zeit formuliert. „Ich sehe dem mit Gelassenheit entgegen.“ 

In der RTL-Sendung „Nachtjournal Spezial“ sagte Wadephul, es werde insgesamt eine Verschiebung von Kräften geben. „Wir müssen mehr übernehmen, wir müssen stärkere Schultern herausbilden. Deswegen wird sicher der europäische Pfeiler der NATO stärker werden.“

Was bedeutet diese Eskalation für das deutsch-amerikanische Verhältnis?

Wie belastbar die Beziehung Trump-Merz ist, wird sich erst noch zeigen. Nach seinem ersten Washington-Gespräch hatte Merz die gute Gesprächsatmosphäre mit Trump gelobt. Noch im März musste er sich von Spanien mangelnde Solidarität angesichts der Kritik von Trump an dem Nato-Partner vorhalten lassen. 

Nachdem sich Merz aber kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert, änderte Trump die Tonlage. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb Trump über Merz. Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“.

© dpa-infocom, dpa:260430-930-15209/3

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