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Mehrheit sieht Ältere im Vorteil: Nicht einmal ein Drittel der Deutschen hält die Rente für generationengerecht

2026-02-25
In politik Vom Felix Kiefer

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Nicht einmal ein Drittel der Deutschen hält die gesetzliche Rente für generationengerecht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Sie liegt dem Tagesspiegel exklusiv vor und wird am Dienstagnachmittag veröffentlicht.

Demnach stimmten nur 29 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass die gesetzliche Rente die Interessen jüngerer und älterer Generationen gleichermaßen berücksichtige. Stattdessen sagten 38 Prozent, dass die Interessen älterer Menschen Vorrang haben. Dieser Meinung sind vor allem Menschen, die bei der Bundestagswahl im Februar die Grünen, die FDP oder die Linke gewählt haben. Dagegen stimmte der Aussage nur ein Fünftel der AfD-Wähler:innen zu.

„Ein Rentensystem kann nur dauerhaft stabil sein, wenn es als fair wahrgenommen wird“, sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, dem Tagesspiegel. Er sieht in den Umfrageergebnissen ein klares Signal für den Reformbedarf. „Die rentenpolitischen Beratungen bieten jetzt die Chance, tragfähige Lösungen zu entwickeln, die den Interessen aller Generationen gerecht werden.“

Zur Umfrage

Für diese Befragung hat Yougov zwischen dem 23. und 26. Januar mit insgesamt 2234 Personen Online-Interviews durchgeführt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind laut Yougov repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

Pessimismus bezüglich Rentenkommission

Die Bundesregierung hat zu Beginn des Jahres eine Rentenkommission eingesetzt, die bis zum Sommer 2026 Vorschläge für eine langfristig tragfähige und generationengerechte Ausgestaltung der Alterssicherung erarbeiten soll.

Offenbar ist jedoch die Skepsis groß, ob das auch gelingen wird. Über zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sind gar nicht oder nur wenig zuversichtlich, dass die Rentenkommission Reformvorschläge vorlegen wird, mit denen das Rentensystem insgesamt langfristig stabilisiert werden kann. Am größten ist die Skepsis unter älteren Menschen sowie unter denen, die bei der letzten Bundestagswahl AfD gewählt haben.

Lesermeinungen zum Artikel

„Die Ungleichzeitigkeit von Einzahlen und Empfangen ist kein Fehler, sondern das Wesen des Systems. Jeder durchläuft beide Rollen. Gerechtigkeit muss deshalb entlang der eigenen Biografie gemessen werden, nicht als Dauerkonflikt zwischen Altersgruppen.“

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Mehr Beitragszahler gefordert

Generationengerechter könnte man das Rentensystem aus Sicht der Befragten primär dadurch machen, dass man den Kreis der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler erweitert. So sprachen sich fast zwei Drittel dafür aus, etwa Verbeamtete oder Selbstständige in das gesetzliche Rentensystem einzubeziehen. Fast die Hälfte wünscht sich eine stärkere Förderung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Ein Viertel ist für einen höheren Steuerzuschuss sowie eine Anpassung des Renteneintrittsalters.

„Mehr Beitragszahler können kurzfristig entlasten“, sagt Asmussen. „Dauerhaft lösen sie das demografische Problem jedoch nicht, weil zusätzliche Einzahler auch eigene Ansprüche erwerben.“ Die SPD plädiert schon seit Jahren dafür, die Einzahlerbasis zu verbreitern. Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD jedoch nur auf die Einbeziehung aller neuen Selbstständigen geeinigt.

Einig sind sich Versicherungswirtschaft und Bundesregierung darin, künftig stärker auf Kapitaldeckung zu setzen. Dafür hat die schwarz-rote Koalition im Dezember verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Mit der Frühstart-Rente will man auch jüngere Menschen schon früh an den Kapitalmarkt heranführen. Bis zur Volljährigkeit zahlt der Staat künftig jeden Monat zehn Euro auf ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot ein. Eltern können den Beitrag bezuschussen.

Dazu hat Bundesfinanzminister Lars Klingebeil (SPD) eine Nachfolgelösung für die Riester-Rente vorgelegt. Damit soll die private Vorsorge günstiger, unbürokratischer und renditeträchtiger werden. Am Donnerstag wird der Entwurf erstmals im Bundestag beraten.

Außerdem sollen mehr Menschen eine betriebliche Rente erhalten. Die kürzlich beschlossene Reform des Betriebsrentenstärkungsgesetzes sieht vor, dass Firmen ohne Tarifvertrag die Möglichkeit bekommen, ihre Beschäftigten automatisch in eine Betriebsrente einzubeziehen, wenn diese nicht widersprechen.

Dieses Angebot würde über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) annehmen. 27 Prozent sind noch unentschlossen und wünschen sich mehr Informationen, nur 12 Prozent würden aktiv widersprechen.

„Die betriebliche Altersversorgung hat aus unserer Sicht noch längst nicht ihr Potenzial ausgeschöpft“, sagt GDV-Chef Asmussen. Aus seiner Sicht müsste sie auch Beschäftigte in kleineren und mittleren Unternehmen sowie im Dienstleistungssektor erreichen.

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