Die CDU-Mittelstandsvereinigung nimmt Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) gegen Kritik der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi in Schutz. „Lars Klingbeil hat recht. Mehr Arbeit ist kein Rückschritt, sondern Voraussetzung für unseren Wohlstand. Klar ist: Es gibt keinen leistungslosen Wohlstand“, sagte Gitta Connemann, Bundesvorsitzende der Mittelstandsvereinigung, dem Tagesspiegel. Wer das ausblende, helfe weder Beschäftigten noch Betrieben.
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hatte zuvor deutliche Kritik an den zentralen Aussagen Klingbeils zur Renten- und Arbeitszeitpolitik geäußert. Fahimi wies so Klingbeils jüngste Aussage, die Gesellschaft müsse insgesamt mehr arbeiten, zurück. „Deutschland hat kein Problem mit dem Arbeitsvolumen, hier wird grundsätzlich genug gearbeitet“, sagte sie dem Tagesspiegel.
„Oder was soll der Industriearbeiter, der gerade auf Kurzarbeit ist, von solchen Aussagen halten? Oder die 120.000 Menschen, die 2025 in der Industrie ihren Job verloren haben?“, fragte Fahimi. In Vollzeit-Jobs werde in Deutschland „nicht weniger gearbeitet als im europäischen Ausland“. Außerdem lehnte Fahimi Klingbeils Forderung ab, längeres Arbeiten vor dem Renteneintritt stärker zu fördern.
„Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus. Schon heute bleiben Stellen unbesetzt – im Handwerk, im Service, in den MINT-Berufen“, sagte Connemann. „Gleichzeitig sinkt das Arbeitsvolumen. Und der demografische Druck wächst. Die Babyboomer gehen in Rente.“
„Früheres Ausscheiden und weniger Arbeit verschärfen das Problem“, sagte Connemann. Das belaste die Rentenversicherung, „das können wir uns nicht leisten“. Die CDU-Politikerin fügte hinzu: „Deshalb brauchen wir mehr Arbeit, nicht weniger. Dazu muss auch das Arbeitsvolumen gesteigert werden.“
Die von Schwarz-Rot eingeführte Aktivrente sei „ein richtiger Schritt“ gewesen, sagte Connemann, dem aber weitere folgen müssten. Sie forderte „niedrigere Steuern, weniger Abgaben, mehr Flexibilität“. Dazu zähle, Arbeitszeiten moderner zu regeln – etwa mit einer wöchentlichen statt starren täglichen Höchstarbeitszeit.
Es gehe nicht um Druck, sondern um „Möglichkeiten“, „Fairness“ und „Respekt vor Leistung“. Nötig sei eine ehrliche Debatte. „Wer unseren Wohlstand sichern will, darf Leistung nicht kleinreden. Ohne Leistung wird es nicht gehen.“