„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Hildesheims Bischof Heiner Wilmer zitierte die Worte aus dem Weihnachtsevangelium, als er am Dienstag vor die im Würzburger Burkardushaus versammelten Journalisten trat.
Gerade hatten die 59 Mitglieder der katholischen Deutschen Bischofskonferenz den 64-jährigen Geistlichen, der der Gemeinschaft der „Herz-Jesu-Priester“ angehört und seit 2018 Bischof von Hildesheim ist, zu ihrem Vorsitzenden gewählt.
Eine Überraschung war das nicht, auch wenn Wilmer der erste Vorsitzende der Bischofskonferenz ist, der aus einem Bistum der norddeutschen Diaspora kommt: Zwischen Bremen und dem Harz sind die Katholiken in der Minderheit.
Ich bin ein Pilger auf dem Weg.
Heiner Wilmer
40 Prozent der Gemeindeglieder sind ausländischer Herkunft, und die in Sudetenstraßen und Ostpreußenvierteln gelegenen Kirchen verdeutlichen, dass auch ein Großteil der einheimischen Katholiken Nachfahren von Heimatvertriebenen des Zweiten Weltkriegs sind.
Wilmer bringt also andere Erfahrungen mit ins neue Amt, als ein Bischof aus dem Rheinland oder von der Isar. Es sind die Erfahrungen aus einer Region, wo Katholizismus nie reich und mächtig war, sondern stets um Anerkennung und Aufmerksamkeit kämpfen musste. Es sind die Erfahrungen einer Kirche, die schon seit jeher in der Minderheit ist.
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„Ich bin ein Pilger auf dem Weg“, sagt Wilmer. „In der Hand das Evangelium, die Menschen im Blick.“ Und manchmal werde er zuerst auf die Menschen schauen müssen, um das Evangelium besser zu verstehen.
Vor Journalisten sprach er sich für eine stärkere Förderung von Frauen in der Kirche aus. Eine klare Aussage zu der von Frauenverbänden und Reformgruppen geforderten Zulassung von Frauen zur Priesterweihe vermied er aber.
Von Missbrauchsskandalen erschüttert
Den Betroffenen sexuellen Missbrauchs versprach er „Gewicht“ und sagte: „Jeder Schritt der Aufarbeitung bewirkt Tiefe und Wahrheit durch Ihr Zeugnis, Zuhören und Verlässlichkeit prägen diesen Weg.“ Gerade das Bistum Hildesheim war in der Vergangenheit von schweren Missbrauchsskandalen erschüttert worden: Seinem verstorbenen Bischof Heinrich Maria Janssen war auch selbst Missbrauch vorgeworfen worden.
Damals allerdings war Wilmer noch nicht im Bistum Hildesheim. Der fließend Plattdeutsch sprechende, in Schapen im Emsland geborene Theologe trat gleich nach dem Abitur in den Orden ein, studierte in Freiburg, Paris und Rom. Er war Seelsorger in Kanada, Lehrer an einer Schule in der New Yorker Bronx, Schulleiter im Emsland.
Schließlich wählte ihn sein Orden 2015 zum Generaloberen: Für drei weitere Jahre ging Wilmer nach Rom – unter den jüngeren Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz dürfte kaum ein anderes Mitglied so weltläufig und zugleich so vatikanerfahren wie Wilmer sein. Das sind gute Voraussetzungen dafür, um auch die Krise mit dem Vatikan, die in den letzten Jahren vor dem Hintergrund des Reformprozesses „Synodaler Weg“ entstanden war, wieder zu heilen.
Ein Friede, der den Namen verdient, wächst aus Gerechtigkeit.
Heiner Wilmer über die Lage in der Ukraine
Ein wichtiges Thema ist dem neuen Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland auch der Frieden. Nach innen gilt Wilmer als geistlicher Brückenbauer, der auch mit konservativen Mitbrüdern wie dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Gespräch bleiben kann.
Nach außen war es der Krieg in der Ukraine, den Wilmer am Dienstag besonders betonte. „Dieser Krieg braucht ein Ende. Jetzt“, so Wilmer. Allerdings: „Ein Friede, der den Namen verdient, wächst aus Gerechtigkeit“, betonte der neue DBK-Vorsitzende. „Er schützt die Würde jedes Menschen, er achtet das Recht.“
Wie es nun für Wilmer weitergeht? In Würzburg steht für die Bischöfe vor allem jede Menge Alltagsgeschäft auf dem Programm. „Für uns im Zentrum steht die Verkündigung des Evangeliums, und wir machen das mit Frische und mit Schmackes“, sagte Wilmer.