Jeder einmal auf dem Mond! Heinz Bolten-Baeckers muss Hellseher gewesen sein, als er das Versprechen 1899 in das Libretto von Paul Linckes Operette „Frau Luna“ schrieb. Anfang Februar wird die menschliche Sehnsucht, nach den Sternen zu greifen, wieder als Mondrakete sichtbar, wenn die Nasa nach mehr als 50 Jahren Pause erneut ein bemanntes Raumschiff zum Erdtrabanten schickt.

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Im Tipi am Kanzleramt steht der Mondflug schon früher an. Dort wird ab dem kommenden Sonnabend (24.1.) wieder Bernd Mottls Erfolgsinszenierung von 2016 gespielt, die sich nach „Im weißen Rössl“ (1994) und „Cabaret“ (2004) in die Eigenproduktionsklassiker der Musiktheater- und Showzelte Bar jeder Vernunft und Tipi einreiht.
Das Stück
„Frau Luna“ ist eine burleske Operette von Paul Lincke, Text: Heinrich Bolten-Baeckers, die 1899 uraufgeführt wurde.
Im Tipi am Kanzleramt ist sie vom 24.1. bis zum 29.3. in der Inszenierung von Bernd Mottl zu sehen. Mit den Geschwistern Pfistern, Gustav Peter Wöhler, Franziska Traub, Sharon Brauner, Benedikt Eichhorn, Merten Schroeder, Max Gertsch, Cora Frost, Ades Zabel.
Das Tipi und sein All-Star-Ensemble macht – angeführt von den Geschwistern Pfister und verstärkt durch Gustav Peter Wöhler, Sharon Brauner, Benedikt Eichhorn, Cora Frost – aus Paul Linckes populärster Berliner Operette eine queere, burleske Show, die trotzdem die Gründerzeit-Ursprünge des Stoffs respektiert.
Das farbentsättigte Silberflitter-Bühnenbild persifliert den Trashhorror piefiger Fernseh-Operettenshows der Siebziger. Nur dass hier statt der seligen Anneliese Rothenberger ein Dragstar wie Ades Zabel erst als Mondgroom und ab dem 3. März in der Rolle der kernigen Witwe Pusebach im Einsatz ist.
Das Tschingderassabum des Ohrwurms „Das ist die Berliner Luft“ oder die frivole Koketterie von „Schenk mir noch ein kleines bisschen Liebe“ hört sich in diesem Camp-Ambiente gleich viel subversiver an. Die musikalische Leitung liegt bei der Wiederaufnahme bei Johannes Roloff, der der Hinterhofgesellschaft mit seinem Orchester den nötigen Auftrieb verleiht. Als mondsüchtiger und fortschrittsbegeisterter Mechaniker Fritz Steppke, der an einem Ballon für die Mondfahrt bastelt, ist Benedikt Eichhorn im Einsatz.
Gesungene Raumfahrer-Fantasien, wie sie das Lied „Schlösser, die im Monde liegen“ beschreibt, klingen im noch jungen Jahr 2026, das von imperialistischen Ideen viel handgreiflicherer Art geprägt ist, rührend naiv. Umso wertvoller ist es, die mit überkandideltem Witz aufgepulverte Kraft einer Unterhaltung zu spüren, die jedes martialische Marschieren zersetzt.