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Dokumentarfilm „EPiC: Elvis Presley in Concert“: Der König schmachtet, der König schwitzt, der König stirbt

2026-03-01
In leben Vom Christian Schröder

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Dokumentarfilm „EPiC: Elvis Presley in Concert“: Der König schmachtet, der König schwitzt, der König stirbt

Mit gesenktem Haupt verharrt der Sänger ein paar Sekunden auf der Hinterbühne, ein letzter Moment der Kontemplation. Er trägt ein groteskes, weißes Kostüm voller glitzernder Pailletten, sein rechter Fuß vibriert nervös. Dann weichen die dramatischen Bläsersätze von Richard Strauss’ Sonnenaufgangssinfonie „Also sprach Zarathustra“ einem zirkushaften Paukenwirbel. Bam-Bam-Bam-Bam!

Und Elvis Presley tritt durch den Vorhang, hinaus ins Scheinwerferlicht und den Jubel der Fans, die teilweise bei Burgern und Bier an langgezogenen Tischreihen sitzen, als befänden sie sich in einem Restaurant. Schmachtend singt er den Gospel „Glory, Glory, Hallelujah“, den die Abolitionistin Julia Ward im Amerikanischen Bürgerkrieg schrieb, um ihren schwarzen Glaubensgenossen die himmlische Erlösung vom Schmerz der Sklaverei zu versprechen. Welterschaffung und Gottesdienst: Darunter tut es der selbsternannte König des Rock’n’Roll nicht bei dieser Greatest Show on Earth.

So beginnt Baz Luhrmanns Dokumentarfilm „EPiC: Elvis Presley in Concert“, der sich auf die Spätphase des einstigen Rockabilly-Rebellen konzentriert. Von 1969 bis zu seinem frühen Tod mit 42 Jahren im Jahr 1977 gab er mehr als 1100 bombastische Konzerte in Las Vegas. Grundlage des Films sind 68 Kisten voller Konzertmitschnitte, die der Regisseur bei den Recherchen für sein Elvis-Biopic in einer Salzmine in Kansas entdeckte, wo das Warner-Studio sein Filmarchiv bombensicher lagert.

Rückkehr des Rockabilly-Rebellen in schwarzer Lederkluft: Elvis 1968 im „Comeback Special“ des Fernsehsenders NBC.

© 2025 Sony Music Entertainment

Sein dämonischer Manager Tom „Colonel“ Parker presste Presley wie eine Zitrone aus. Vor den Kameras der Weltöffentlichkeit unterzeichnete der Entertainer im April 1969 symbolisch einen Vertrag auf der Baustelle des Imperial Hotels. Dort, unweit der legendären Vergnügungsmeile Las Vegas Strip, wuchs gerade das mit 30 Stockwerken und 3000 Zimmern damals größte Hotel und Casino des Planeten in den Himmel.

Nach dem Triumph von Elvis’ erstem Auftritt handelte Parker einen Kontrakt aus, der dem Sänger rund 125.000 Dollar pro Woche einbrachte, eine Rekordsumme. Die Hälfte davon steckte der schlitzohrige Impresario in seine eigene Tasche. Davon ahnte der Sänger nichts, um Vertragsklauseln kümmerte er sich nicht.

Von den Mechanismen dieser Ausbeutung hat Luhrmann bereits 2022 in seiner Elvis-Filmbiografie erzählt. Dort spielt Tom Hanks den Manager als Antreiber und Ausschlachter des Superstars, den Austin Butler in perfekter Mimikry verkörpert, vom anstößigen Hüftwackeln bis zur immer schleppender werdenden Aussprache. In „EPiC: Elvis“ huscht Parker nur ein paar Mal durchs Bild. Buchstäblich als Mann im Hintergrund, der wie ein Marionettenspieler die Fäden zieht.

Bekennender Nixon-Fan unter langhaarigen Hippies: Elvis Presley mit Begleitmusikern im Studio.

© 2025 Sony Music Entertainment

Elvis in seiner eigenen Sicht

Diesmal wird sein feuerwerksartiger Lebenslauf von Elvis selbst aus dem Off kommentiert, wobei Luhrmann nicht nur auf unzählige Radio-, Film- und Fernsehaufnahmen, sondern auch auf ein bislang unbekanntes 45-minütiges biografisches Interview aus Warners Salinen-Archiv zurückgreifen konnte. „Es wurde viel gesprochen und gesendet“, klagt Elvis anfangs in einem programmatischen Statement. „Aber nie aus meiner Sicht.“

Um dieses wahrhaft epische Leben in 97 Filmminuten fassen zu können, benutzt Luhrmann einen genialen Trick: Er zeigt die Karriere des Sängers vor Las Vegas in einem furiosen Schnelldurchlauf aus Konzert-, Pressekonferenz- und Selbstreflektionsschnipseln.

Zum Film

EPiC: Elvis Presley in Concert. USA 2025, 97 Minuten. Regie: Baz Luhrmann. Mit Elvis Presley, Tom „Colonel“ Parker, James Burton, The Sweet Inspirations und J.D. Sumner & the Stamps Quartet. Kinostart am 26. Februar.

Elvis als Kind, das auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise in Tupelo, Mississippi, in einem Shotgun-Holzhaus aufwächst, ähnlich ärmlich wie die afroamerikanischen Baumwollpflücker nebenan. Elvis als Lastwagenfahrer, der in Memphis seine erste Platte als Geschenk für die geliebte Mutter aufnimmt. Elvis als Eckensteher, der den Musikproduzenten Sam Phillips belagert, bis der mit ihm im Sun-Studio frühe Hits wie „That’s All Right“ und „Blue Moon“ einspielt.

Elvis als Crossover-Pionier, der von Radiostationen boykottiert wird, weil er wie ein Schwarzer klingt. Elvis als Anführer eines Rock’n’Roll-Aufstands, dessen Platten verbrannt werden, weil sie angeblich zum Anstieg der Jugendkriminalität beitragen.

Elvis als US-Army-Rekrut im hessischen Wetteraukreis, der sich von seinen deutschen Fans versehentlich mit „Arrivederci“ verabschiedet. Und schließlich Elvis als Schauspieler, der ein Hollywoodstar wie James Dean werden möchte und es doch nur bis zu „lächerlichen Komödien“ (Eigeneinschätzung) bringt.

Die überzuckerten Auftritte seiner Las-Vegas-Endzeit waren lange selbst unter Elvis’ glühendsten Verehrern verpönt. Aber fürs „Comeback Special“ des Fernsehsenders NBC zwängte sich Elvis Ende 1968 noch einmal in seine hautenge schwarze Motorradfahrer-Lederkluft, um die gesellschaftskritische Ballade „In the Ghetto“ zu singen.

Höhenflug des Himmelsstürmers

Auch seine Konzerte im Imperial Hotel verströmen noch eine ungemeine Kraft, der Entertainer performt mit leidenschaftlich flatterndem Vibrato und zackigen Himmelsstürmer-Gesten im Fledermausdress. Am eindrucksvollsten zeigt Luhrmann diesen Höhenflug in einem taktgenau geschnittenen Potpourri aus verschiedenen Probe-, Studio- und Bühnen-Versionen der funky groovenden Ballade „Polk Salad Annie“.

Nicht bloß die Koteletten und Flügelkragen wurden breiter: Als er 1977 starb, wog Elvis 150 Kilo.

© 2025 Sony Music Entertainment

Ein berauschender Flow, bei dem der bekennende Republikaner und Nixon-Fan neben einem dreißigköpfigen Orchester, den Soul Sängerinnen von The Sweet Inspirations und den Männern vom Gospel-Quartett The Imperials auch von den fünf Vollhippies seiner Begleitband unterstützt wird.

Am markantesten wirken darunter der Magnum-bärtige E-Gitarren-Virtuose James Burton und der berserkerhafte Drummer Ronnie Tutt, der an das Tier aus der Muppet-Show erinnert. Geschrieben vom Swamp-Rock-Star Tony Joe White, handelt der Song von einer Südstaaten-Frau, die so arm ist, dass sie von am Straßenrand zusammengeklaubten Sträuchern leben muss. Anschließend stehen die Zuschauerinnen vor der Bühne Schlange, um sich von Elvis knutschen zu lassen.

Als sei er nicht der King, sondern ein Märchenprinz, der sie wachzuküssen habe. Als eine junge Frau nicht ablassen will von ihm, ruft der Sänger ihr zu: „Werd nicht handgreiflich. Du hast deinen Kuss schon bekommen.“

Elvis absolvierte bis zu drei Konzerte am Tag, den Showbiz-Akkord ertrug er nur mithilfe von Alkohol, Tabletten und viel zu vielen Bananen-Erdnussbutter-Sandwiches. Nicht bloß die Koteletten und Flügelkragen wurden immer breiter. Die schwarzen Cadillacs, in denen sich der Sänger mit seiner Entourage zum Bühneneingang fahren ließ, ähnelten Särgen.

Als Elvis am 16. August 1977 tot im Badezimmer seiner Villa Graceland in Memphis aufgefunden wurde, wog er etwa 150 Kilo. In seinem Blut fanden sich unter anderem Spuren der Schlaf- und Schmerzmittel Demerol und Leritin. 

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