Saturday, Jan 31, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite leben Nachruf in Bildern: Wie...

Nachruf in Bildern: Wie der Fotograf Martin Parr die Skurrilität des Alltags einfing

2025-12-09
In leben Vom Birgit Rieger

ÄHNLICHE ARTIKEL

Wenn das Pflegeheim plötzlich teurer wird: Was erlaubt ist und was nicht

Gründer der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt: Berliner Entertainment-Legende Holger Klotzbach ist tot

Die Bilder, die den englischen Fotografen Martin Parr berühmt gemacht haben, sind Aufnahmen seiner Landsleute beim Kurzurlaub im abgerockten südenglischen Seebad New Brighton. Die Serie „The Last Resort“ zeigt Menschen, etwas zu heftig von der Sonne geküsst, mit krebsroter Haut, den Bulldozer als Schattenspender, sich entspannend zwischen Fast-Food-Müll.

„So sehen wir aus beim Freizeitvergnügen“, schreien diese Bilder in knallbunter Künstlichkeit, als hätte man sie noch einmal extra in kandierten Zucker getaucht. Diesen Effekt erreichte der schonungslose Dokumentarist durch Blitzlicht am Tage.

Man bekommt fast selbst Sonnenbrand beim Betrachten, so übersteuert sind manche dieser Fotografien. Das führte auch dazu, dass Parrs Aufnahme in die renommierte Foto-Agentur „Magnum“ in den Neunzigerjahren nur gegen Widerstand möglich war. Ihn ziehe es für seine Arbeit eher in den Supermarkt als in den Krieg, soll er gesagt haben. Von 2013 bis 2017 war der Brite aber dann sogar Präsident von „Magnum“.

Parr, 1952 in Epsom, Surrey geboren, hatte einen ungeheuer guten Blick für die schmerzhaften Skurrilitäten des Alltags, für das Banale und Vulgäre und manchmal auch das Komische. Er hat Menschen bei schlechtem Wetter mit einer Unterwasserkamera fotografiert, wie sie sich mit nassen Regenmänteln dem Wind entgegenstemmen. Mit diesen Beobachtungen meinte er explizit auch sich selbst. Im Grunde seien alle seine Bilder auch Selbstporträts, sagte er über die Aufnahmen.

Satirische Porträts der britischen Gesellschaft

Er sei der „Fotograf mit dem englischen Auge“ schrieb das Berliner Ausstellungshaus C/O Berlin. Parr selbst sagte, er habe die nationale Eigenheit der Briten zum Schalk und zur Ironie auf seine Arbeit übertragen.

In der von ihm gegründeten Stiftung in Bristol wird Fotografie zu Großbritannien und Irland ausgestellt, sowie sein eigenes Werk gesammelt und archiviert. Zuletzt arbeitete Parr daran, sein Archiv mit Bildern über Großbritannien aufzufüllen, zu dem er ständig neue Bilder beitrug. 2021 wurde bei Parr Krebs diagnostiziert. Am Sonntag ist er im Alter von 73 Jahren gestorben.

Die Ausstellung „Short & Sweet“ im Mudec in Mailand im Sommer 2024 zeigte Bilder aus einigen der wichtigsten Serien von Martin Parr. Zu den Lieblingssujets des Fotografen gehörten Strandleben und Freizeit.

© IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Nicola Marfisi/AGF / Avalon

Martin Parrs Food-Fotografie nahm Konsumgier, Tristesse und Maßlosigkeit in den Blick. Hier einige seiner Food-Aufnahmen, ausgestellt in den Straßen von Toronto.

© IMAGO/dreamstime/Copyright: xDreamstimexArim44x v

Niemand ist in diesen Bildern bewusst skurril. Es ist einfach, wie es ist.

© IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Nicola Marfisi/AGF / Avalon

Appetit auf Würstchen? Blick in eine Ausstellung von Martin Parr im estnischen Tartu.

© imago images/Scanpix/SILLE ANNUK via www.imago-images.de

Martin Parr hatte ein feines Gespür für soziale Milieus. Er beobachtete Billigtourismus genauso wie die High Society mit ihren übertriebenen Konsum-Insignien.

© IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Nicola Marfisi/AGF / Avalon

Parr hat mehr als 40 Fotobücher publiziert. Satirische Porträts finden sich zuhauf in „Common Sense“ von 1999. Hier eine Dame beim Sonnenbaden in Benidorm.

© IMAGO/MAXPPP/IMAGO/olivier corsan

Seine Bilder wurden auch in Deutschland regelmäßig ausgestellt. Martin Parr bei einer großen Retrospektive im NRW-Forum Düsseldorf im Jahr 2019. 

© IMAGO/ABACAPRESS/IMAGO/IPA/ABACA

auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

ÄHNLICHE ARTIKEL

„Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt: Ein Operettenhit als burleskes Silberflitterfest

„Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt: Ein Operettenhit als burleskes Silberflitterfest

2026-01-25

Jeder einmal auf dem Mond! Heinz Bolten-Baeckers muss Hellseher gewesen sein, als er das Versprechen...

250 Jahre E.T.A. Hoffmann: Die süßen Schauer des Unheimlichen

250 Jahre E.T.A. Hoffmann: Die süßen Schauer des Unheimlichen

2026-01-25

Der Grabstein, den ihm „seine Freunde“ gewidmet haben, würdigt ihn in großen Lettern als Kammergeric...

Katharine Mehrling erinnert sich an Holger Klotzbach: Er zog Menschen an wie ein Magnet

Katharine Mehrling erinnert sich an Holger Klotzbach: Er zog Menschen an wie ein Magnet

2026-01-25

Am 23. Januar 2026 ist der Impresario Holger Klotzbach nach schwerer Krankheit in Berlin gestorben. ...

CTM-Festival in Berlin: Blick in den amerikanischen Höllenschlung

CTM-Festival in Berlin: Blick in den amerikanischen Höllenschlung

2026-01-25

Die Musik ist zäh und langsam, fast schon einschläfernd. Im Normalfall ist eine solche Beschreibung ...

Agrarmesse: Letztes Wochenende der diesjährigen Grünen Woche steht an

Agrarmesse: Letztes Wochenende der diesjährigen Grünen Woche steht an

2026-01-25

Die 90. Grüne Woche geht in ihr letztes Wochenende. Heute und am Sonntag werden zum Abschluss der ze...

Nächster Beitrag
Bieterstreit mit Netflix: Paramount bietet 108 Milliarden Dollar für Warner Bros

Bieterstreit mit Netflix: Paramount bietet 108 Milliarden Dollar für Warner Bros

EMPFOHLEN

Wenn das Pflegeheim plötzlich teurer wird: Was erlaubt ist und was nicht

Wenn das Pflegeheim plötzlich teurer wird: Was erlaubt ist und was nicht

2026-01-25
Gründer der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt: Berliner Entertainment-Legende Holger Klotzbach ist tot

Gründer der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt: Berliner Entertainment-Legende Holger Klotzbach ist tot

2026-01-25

MEISTGESEHEN

  • „Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt: Ein Operettenhit als burleskes Silberflitterfest

    „Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt: Ein Operettenhit als burleskes Silberflitterfest

  • 250 Jahre E.T.A. Hoffmann: Die süßen Schauer des Unheimlichen

  • Katharine Mehrling erinnert sich an Holger Klotzbach: Er zog Menschen an wie ein Magnet

  • CTM-Festival in Berlin: Blick in den amerikanischen Höllenschlung

  • „Es ist noch nicht zu spät“: Apotheker rufen vor Karneval zur Grippeimpfung auf

  • Migräne wird immer besser behandelbar: Doch die Therapie gehört in ärztliche Hände

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.