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Der prominente Wochenrückblick : Tratsch, teure Mode und ein Treppenwitz

2026-02-01
In gesellschaft Vom Tobias Langley-Hunt

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Am Freitag startete in Berlin mal wieder eine Modewoche, offiziell, wie üblich, unter dem englischen Ausdruck „Fashion Week“. Dass es sich dabei eigentlich nur um ein verlängertes Modewochenende, sprich ein extended Fashion Weekend, handelt, ist Rosinenpickerei. Der große Rückblick auf die illustre Veranstaltung lohnt sich an dieser Stelle noch nicht; beim Thema zu bleiben hingegen schon.

In Paris ging eben erst die Haute-Couture-Woche über den Laufsteg. Die edelste Handwerkskunst also – die, das liegt in der Natur der Sache, sehr, sehr berühmten oder sehr, sehr wohlhabenden Menschen vorbehalten ist. Handarbeit ist teuer, und wenn die Handarbeit dann auch noch mit Dior oder Valentino gelabelt ist, dann wird sie unbezahlbar.

Eine Meinung über das, was da passiert, haben trotzdem viele. Hier unterscheidet sich die Mode nicht vom Fußball, oder von Weltpolitik – und die Modehäuser finden das eigentlich ganz gut. Das bisschen Aufmerksamkeit, das eine aufwändige Show erregen kann, ist schließlich auch irgendwie Umsatz.

Schlicht oder skulptural?

Letztendlich ist das der Grund, warum die Unternehmen viel Geld in die Hand nehmen, den Laufsteg-Rand mit Hollywoodstars und ähnlichen Kalibern zu bestücken. Bei Chanel etwa drängten sich die Schauspielerinnen Tilda Swinton, Nicole Kidman und Penélope Cruz zwischen Musiker wie ASAP Rocky oder Dua Lipa und so weiter.

Einziger Haken an der Sache: Wenn die Meinung der undankbaren Schaulustigen, der Smartphone-Bildschirm-Zaungäste, kippt. So hat Chanel aktuell das Problem, dass in den Kommentarspalten entsprechender Social-Media-Beiträge tausendfach kolportiert wird, dessen neuer Kreativchef Matthieu Blazy beherrsche gar keine Couture. Seine Kreationen seien viel zu schlicht – und noch schlimmer: tragbar.

Nicole Kidman, Fernanda Torres and Tilda Swinton sind bei Chanel gern gesehene und wohl gut bezahlte Gäste.

© IMAGO/Bestimage/IMAGO/BERTRAND RINDOFF PETROFF / BESTIMAGE

Dabei wird fleißig mit der Arbeit der Konkurrenz verglichen, insbesondere mit jener aus dem Hause Schiaparelli. Hier ist der US-Amerikaner Daniel Roseberry der verantwortliche Designer und, wahrlich, ein Meister in der modischen Effekthascherei. Seine skulpturalen Kleider wirken, als gehörten sie in ein Museum – und sehen entsprechend unbequem aus. So oder so entscheidet das unter Couture-Berücksichtigungen nicht über besser oder schlechter. Im Gegenteil.

Immer gut für Small Talk

Die wenigsten Couture-Kleider müssen als Roter-Teppich-tauglich auffallen und die, die für diesen Zweck verwendet werden, werden von den jeweiligen Stars meist nur geborgt. Die echten Couture-Kundinnen, die die sehr viel Geld bezahlen, wollen im Zweifelsfall gar nicht im Mittelpunkt stehen, weshalb ihnen das schlichtere Chanel eventuell besser gefällt. Letztendlich ist die simple Definition von Couture, dass sie den Bedürfnissen ihrer Trägerinnen entspricht und demnach angepasst wird.

Übrigens, modischer Treppenwitz: Das Gegenüberstellen von Schiaparelli und Chanel geht bis in die Gründungszeit der beiden Häuser zurück. Tatsächlich waren die beiden Namensgeberinnen Zeitgenossinnen und Rivalinnen. Von Coco Chanel ist der Elsa Schiaparelli betreffende Kommentar überliefert: „Die italienische Künstlerin, die Kleider macht.“

Die italienische Künstlerin, die Kleider macht.

Coco Chanel über Elsa Schiaparelli, nicht als Kompliment gemeint

Dass das kein Kompliment war, sondern ausdrücken sollte, dass Schiaparelli nichts von Mode versteht, soll folgende Anekdote beweisen. Auf einem der letzten Kostümbälle vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs habe Chanel Schiaparelli zum Tanz aufgefordert und habe dann, mit ihr im Arm, einen mit Kerzen beleuchteten Kronleuchter angesteuert. Das Kleid der Konkurrentin soll Feuer gefangen haben und konnte nur mit Getränken gelöscht werden, die andere Gäste über sie schütteten.

Zur Berliner Modewoche kommt immerhin Jerry Hall, die Ex-Frau von The Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger. Die gemeinsame Tochter, Georgia May Jagger, musste kurzfristig absagen.

© dpa/Scott A Garfitt

Für die Nachwelt bleibt die Binse: Wenn man sich auf sie einlässt, kann Mode ganz schön unterhaltsam sein, wenigstens für Small Talk eignet sie sich gut. Und damit zurück nach Berlin.

Das etwas biedere süddeutsche Modeunternehmen Marc Cain ist hier eins der wenigen, dass es es sich halbjährlich leisten kann, internationale Promis einzufliegen. Für die aktuelle Show, am Freitagabend im Funkhaus in der Nalepastrasse, wurde etwa Jerry Hall, Ex von The Rolling Stone-Frontmann Mick Jagger, bereits vorab angekündigt. Hall soll von ihrer Tochter Elizabeth Scarlett Jagger begleitet werden, weil deren etwas bekanntere Schwester, das Model Georgia May Jagger, kurzfristig abgesagt habe.

Kunst in Berlin Mode Zweiter Weltkrieg und Kriegsende auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

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