Ein Jugendlicher hat in der Nacht zu Samstag im Berliner U-Bahnhof Deutsche Oper einen tödlichen Stromschlag erlitten, als er etwas aus dem Gleisbett holen wollte. Nach Polizeiangaben gehörte der 17-Jährige zu einer feiernden Gruppe im Bahnhof. Er wollte einen unter einen stehenden Zug gefallenen Gegenstand zurückholen. Dabei kam er an die Stromschiene und erlitt den fatalen Stromstoß. Der Jugendliche starb noch vor Ort.

Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.
Der Vorfall ereignete sich gegen 3.10 Uhr, teilte eine Sprecherin der Polizei dem Tagesspiegel mit. Demnach habe es keine weiteren Verletzten gegeben. Einige Menschen, die den tödlichen Unfall gesehen hatten, mussten jedoch durch die Feuerwehr seelisch betreut werden. Es habe ein großes Aufgebot an Einsatzkräften gegeben. Die BVG stellte zudem einen Kältebus für die Betroffenen bereit.
Wir sind tief betroffen von diesem tragischen Unglück.
BVG-Sprecherin
Der Verkehr der U-Bahnlinie U2 war während der Unfallaufnahme und der Bergung des Toten zeitweise unterbrochen. Gegen 4.15 Uhr wurde der Verkehr wieder aufgenommen. Der Einsatz der Polizei war gegen 5 Uhr beendet.
„Wir sind tief betroffen von diesem tragischen Unglück. Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen und Freund*innen des Unfallopfers“, teilte eine BVG-Sprecherin mit. Die Verkehrsbetriebe dankten den Rettungskräften und ihren Mitarbeitern für ihr schnelles Handeln. Die laufenden Ermittlungen der Polizei unterstützte man bestmöglich.
Bei der Stromschiene handelt es sich um eine parallel zu den Gleisen verlaufende, offene Stromleitung, über die die Züge mit Elektrizität versorgt werden. Das geschieht durch einen Stromabnehmer an den Fahrzeugen, der die Leitung berührt.
Zug war nicht im Einsatz, musste aber mit Strom versorgt werden
Während die Stromschiene im Großprofil bei den Linien U5 bis U9 oben geschlossen ist und vom Abnehmer von unten bestrichen wird, ist sie im Kleinprofil oben offen. So auch auf der Linie U2, deren Züge am U-Bahnhof Deutsche Oper verkehren.
Einem Polizeisprecher zufolge werden in U-Bahnhöfen wie der Deutschen Oper mitunter auch Züge vorübergehend abgestellt. Laut BVG handelte es sich dabei um eine für den Betrieb am Samstagmorgen bereitgestellte U-Bahn.
Zwar war der Zug zum Unfallzeitpunkt nicht im Einsatz, das Fahrzeug musste in dieser Zeit jedoch weiterhin mit Strom versorgt werden, erklärte die BVG-Sprecherin. Demnach benötigten auch abgestellte Züge Strom, unter anderem für sicherheitsrelevante Systeme und betriebliche Funktionen.
Allerdings hätte die Stromschiene auch ohne den auf dem Gleis stehenden Zug unter Strom gestanden. „Diese Stromschienen stehen im Regelbetrieb dauerhaft unter einer Spannung von 750 Volt Gleichstrom. Der kontinuierliche Stromfluss ist eine grundlegende Voraussetzung für den sicheren und zuverlässigen Betrieb der U-Bahn“, sagte die Sprecherin. Ein Stromschlag durch Berühren der Schiene sei in solchen Fällen immer möglich.
Aus Sicht der BVG gilt deshalb ausnahmslos: „Der Gleisbereich darf niemals betreten werden. Wir appellieren daher immer wieder ausdrücklich und mit Nachdruck: Das Betreten des Gleisbereichs ist lebensgefährlich und kann tödliche Folgen haben“, teilte die Sprecherin mit.
Dies gelte auch für Notfälle, etwa wenn eine Person ins Gleisbett gefallen sei. Statt selbst auf die Gleise zu steigen, solle in solchen Situationen unverzüglich der Alarmgriff am U-Bahnhof gezogen sowie der rote Knopf auf der Notrufsäule gedrückt werden.
Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, dem Jugendlichen sei eine E-Zigarette ins Gleisbett gefallen. Die Polizei teilte dies später nicht explizit mit. Deshalb haben wir den Artikel angepasst.