Die Besucherzahlen in Berliner NS-Gendenkstätten sind im vergangenen Jahr meist leicht zurückgegangen. Im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors auf dem Gelände des ehemaligen Reichssicherheitshauptamtes wurden rund 1,575 Millionen Besucher gezählt. Das waren drei Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie die Stiftung Topographie des Terrors mitteilte.

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Eine Steigerung gab es hingegen bei den Bildungsangeboten: Insgesamt rund 43.000 Teilnehmende wurden in 2.944 Gruppen betreut, eine Steigerung um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem wurden 392 Seminare veranstaltet, so viele wie im Vorjahr.
Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas zählte in der Ausstellung im „Ort der Information“ unter dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals 309.800 Besucherinnen und Besucher. Das waren 150 weniger als im 2024, wie die Stiftung mitteilte. Im Stelenfeld selbst werden keine Besucherzahlen ermittelt.
Am 21. Februar vergangenen Jahres wurde ein spanischer Tourist von einem mutmaßlichen Islamisten bei einem Messerangriff lebensbedrohlich verletzt. Der Täter muss sich derzeit vor Gericht für seine Tat verantworten. Die Anklage geht von einem antisemitischen Motiv aus.
Hakenkreuz-Schmiererei und antisemitische Kommentare in Social Media
Mehr Besucher konnte das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit verbuchen. Die zur Stiftung Topographie gehörende Einrichtung in Berlin-Schöneweide legte bei den Besuchen um knapp zehn Prozent zu. Insgesamt seien 25.412 Besucherinnen und Besucher gezählt worden.
An beiden Orten der Stiftung Topographie war auch der Nahost-Konflikt präsent: Auf Feedback-Wänden im Sonderausstellungsbereich des Dokumentationszentrums kam es demnach wiederholt zu antisemitischen, extremistischen oder anderen gruppenbezogenen menschenfeindlichen Kommentaren. Bei der Mehrheit handelte es sich den Angaben zufolge um israelbezogenen Antisemitismus mit Bezug zum Nahost-Konflikt. Zudem gab es wenige Kommentare mit offenbar rechtsextremer Gesinnung.
Auf seinen Social-Media-Kanälen verzeichnete das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit 2025 eine Zunahme antisemitischer Kommentare, auch hier vor allem mit Bezug zum Nahost-Konflikt. Zudem wurde im September erstmals eine Hakenkreuz-Schmiererei auf einer Infotafel im Außenbereich entdeckt.
Zehn Prozent weniger Besucher in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat vergangenes Jahr rückläufige Besucherzahlen registriert. In den vier Einrichtungen wurden insgesamt 191.052 Personen gezählt (2024: 211.912). Das entspricht einem Rückgang von knapp zehn Prozent.
Zur Stiftung gehören neben dem Bendlerblock am Ort des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 die Gedenkstätte Plötzensee, wo knapp 3000 Menschen hingerichtet wurden, das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt sowie die Gedenkstätte Stille Helden.
Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz zählte 2025 insgesamt 99.372 Personen – ein Rückgang von rund fünf Prozent (2024: 105.076). Davon waren 36.893 Gruppenbesucher und damit rund 2500 mehr als 2024. Antisemitische, israelfeindliche oder andere menschenfeindliche Vorfälle wurden insgesamt 30 gezählt, davon 26 Gästebucheinträge (2024: 37/30). 2023 waren es insgesamt neun.
Vergleiche zwischen Gaza und KZ
Auch in Gedenkorten außerhalb von Berlin berichteten die Mitarbeiter von mehr politisch motivierten Vorfällen. Bei Einträgen in den Gästebüchern in Flossenbürg in der Oberpfalz etwa wurde nach den Worten des Sprechers der Gedenkstätte sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Zunahme an Beiträgen festgestellt, „die sich im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten befinden“. Dazu gehörten etwa Vergleiche zwischen der Situation der Bevölkerung in Gaza und der Situation der KZ-Häftlinge.
Auch die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verzeichnete eine Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Während bis etwa 2020 im Durchschnitt alle vier Wochen ein Vorfall bei der Polizei angezeigt wurde, sei inzwischen nahezu wöchentlich eine Anzeige erforderlich, sagte ein Stiftungssprecher. Das Spektrum der Vorfälle reichte von E-Mails mit Todesdrohungen über Hitlergrüße und das widerrechtliche Befahren des Buchenwalder Mahnmals mit Motocross-Motorrädern bis hin zu rechtsextremen Schmierereien am Ehrenfriedhof in Nordhausen.
Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilte mit, sie nehme „deutliche atmosphärische Veränderungen“ in der Gruppenbetreuung wahr. „Jugendliche mit rechten Orientierungen zeigen deutlicher, dass sie den Gedenkstättenbesuch als Zumutung begreifen“, hieß es, mitunter würden rechte Parolen geäußert. (epd)