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Film: Bayerischer Filmpreis: Starke Storys und politische Appelle

2026-01-25
In gesellschaft Vom admin

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Kurzweilig, mit politischen Appellen und zwischendrin tief berührend: In einer gut zweistündigen Gala ist in München der Bayerische Filmpreis vergeben worden. 

Als bester Film ausgezeichnet wurde „Amrum“ von Regisseur Fatih Akin, der die Zeit um die Kapitulation Nazi-Deutschlands durch die Augen eines Zwölfjährigen auf der nordfriesischen Insel beschreibt. Als erfolgreichster Film wurde „Das Kanu des Manitu“ von Michael „Bully“ Herbig ausgezeichnet. Für das Drama „In die Sonne schauen“ sind zwar die Chancen auf einen Oscar geplatzt, dafür gab es nun gleich zwei Bayerische Filmpreise für Regie und Bildgestaltung.

„Danke Mama“: Persönliches Bekenntnis prägt Preisverleihung

Auch zwei Preise bekam der Debüt-Film „Karla“ der Drehbuchautorin Yvonne Görlach, die mit ihrer Rede für den wohl berührendsten Moment des Abends sorgte. „Karla“ erzählt von dem gleichnamigen zwölfjährigen Mädchen, das vom Vater missbraucht wurde und sich im Alleingang an einen Richter wendet. 

Als Görlach den Drehbuchpreis entgegennimmt, offenbart sie ein Detail, das manchen im Publikum zu Tränen rührt: Sie erzählt hier vom Schicksal ihrer eigenen Mutter. „Karla“ sei ihr gewidmet und „ihrem Mut zu überleben“. Ohne diesen Mut gäbe es das Drehbuch nicht, den Film nicht - „und mich gäbe es auch nicht. Danke Mama, ich liebe dich.“ 

Dennoch betont Görlach: „Karla ist ein symbolischer Mensch, der für so viele steht, die dasselbe Schicksal erlebt haben.“ Nicht jedes Detail sei realitätsgetreu: „Ich sage immer, wir erzählen nicht die Wahrheit, wir erzählen die Wahrhaftigkeit.“ 

Starke Appelle an Politik und Gesellschaft

Rainer Bock, der für seine Darstellung des Richters in „Karla“ ausgezeichnet wurde, wandte sich an Gesellschaft und Politik: Es gehe um ein gesamtgesellschaftliches Versäumnis. „Es ist an uns, hinzusehen, hinzuhören und uns einzumischen“, sagte Bock. „Streicht keine offene Stelle in Jugendämtern und Jugendfürsorgeeinrichtungen.“ 

Einen Preis in der Kategorie Schauspiel holte auch Leonie Benesch für ihre Rolle als Krankenschwester in „Heldin“. Benesch, an Corona erkrankt und deshalb nur per Video zugeschaltet, rief die Politik ebenfalls zum Handeln auf. Sie sei fünf Tage im Krankenhaus mitgelaufen, um zu sehen, wie Pflegekräfte arbeiten, wie sie unter Druck über Gänge hetzen. 

Pflege am Limit und Aufruf zu Demokratie 

„Es muss sich etwas verbessern für alle Pflegekräfte“, verlangte Benesch. „Der erste und der letzte Mensch, der uns berührt in diesem Leben, ist höchstwahrscheinlich eine Pflegekraft.“ Durchschnittlich nach vier Jahren verließen die Pflegekräfte den Beruf, weil er psychisch und physisch krank mache - dabei diskutiere man in der Politik über zu lange Krankschreibungen und trete nach unten. 

Der mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten ausgezeichnete Florian David Fitz wandte sich mit Blick auf die internationale Lage „nach diesem Wochenende, das wir hinter uns haben“ an alle, die sich für die Demokratie einsetzten – ob an Ständen in der Fußgängerzone oder in Parlamenten. Er danke allen, die versuchten, den „schwerfälligen demokratischen Tanker, in dem wir sitzen“, zu navigieren – während sich andere viel schneller bewegten, weil sie sich nicht an demokratische Werte hielten. 

Den Ehrenpreis überreichte nicht Markus Söder (CSU) selbst, der gerade an Krücken geht und seine Teilnahme an der Gala absagte, sondern Staatsminister Florian Herrmann (CSU). Söder hatte Fitz zuvor gewürdigt und hervorgehoben, er präge und bereichere die deutsche Filmkultur. 

Vier Mädchen, vier Epochen, ein Gefühl von Hoffnung

Mit „In die Sonne schauen“ holte die Berliner Filmemacherin Mascha Schilinski den Regiepreis. Die Jury lobte die Intensität und Sensibilität, mit der sie das Leben von vier Mädchen aus verschiedenen Epochen auf einem Vierseitenhof erzählt. Die Regisseurin schenke „das Licht der Sonne – und damit Hoffnung und Wärme, die über den Film hinauswirken“. 

Durch verwaschen wirkende Bilder bekommt der Film eine besondere Atmosphäre: Kameramann Fabian Gamper bekam den Preis für Bildgestaltung für „eine Kameraarbeit von seltener poetischer Kraft“, so die Jury. 

Kultstatus mit Manitu

Der vielfach ausgezeichnete Münchner Schauspieler und Regisseur Michael „Bully“ Herbig, nun für „Das Kanu des Manitu“ erneut geehrt, sagte: „In die glücklichen Gesichter eines Publikums zu gucken, ist die größte Belohnung.“

Den Preis der Kategorie Entdeckung bekamen für ihr „intensives Spiel“ die Schauspieler Heike Hanold-Lynch und Til Schindler in den Rollen als Mutter und Sohn in dem Film „Scham“, der nächste Woche in den Kinos anläuft. Den Newcomer-Regiepreis erhielt Michael Kofler für „Zweitland“. Der Film zeige deutlich die Zerrissenheit der Menschen in Südtirol, sagte Reinhold Messner in einer Videobotschaft. Wie „Karla“ sind „Scham“ und „Zweitland“ Produktionen des Bayerischen Rundfunks, wie der Sender mitteilte. 

Den Dokumentarfilmpreis bekam Daniel Abma für „Im Prinzip Familie“, in dem Erwachsene, die keine leiblichen Eltern sind, Vertrauen und Geborgenheit schenken. „Wir wollten einen Film machen über die Kinder- und Jugendhilfe“, sagte Abma - und zeigen: Dies sei „systemrelevant und definitiv unkürzbar“. 

Der Preis in der Kategorie Bester Kinderfilm ging an Julia Lemke und Anna Koch für „Zirkuskind“ über den Jungen Santino, der in einer Zirkusfamilie aufwächst.

Der Bayerische Filmpreis wird seit 1979 vergeben. Gewürdigt werden herausragende Leistungen in elf Kategorien, der Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der deutschen Filmbranche.

© dpa-infocom, dpa:260123-930-584528/4

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