Thursday, Mar 19, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite gesellschaft Kunst und Gesundheit: M...

Kunst und Gesundheit: Museumsbesuch auf Rezept - bald auch in Deutschland?

2025-09-09
In gesellschaft Vom admin

ÄHNLICHE ARTIKEL

Alle Gewinner der Oscar-Nacht: „One Battle After Another“ bekommt den Preis für den besten Film

Die besten Momente der Oscars 2026: Historische Siegerinnen, ein Leo-Meme und Witze über die Trumps

Statt Tabletten ein Ticket: Vor über zehn Jahren begann in Großbritannien ein Experiment, das heute weltweit Nachahmer findet – von Kanada über Belgien bis Frankreich. Ärztinnen und Ärzte verschreiben kostenlos Museumsbesuche - gegen Stress, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Und Deutschland? Hier steckt die Idee noch in den Anfängen. 

Europa: Großbritannien als Vorreiter

Was in Deutschland noch wie Zukunftsmusik klingt, ist in Großbritannien längst Realität. Dort läuft der Museumsbesuch unter dem Dach des „Social Prescribing“ – also der Verschreibung sozialer oder kultureller Aktivitäten zur Gesundheitsförderung – einem festen Baustein des staatlich finanzierten Gesundheitssystems NHS (National Health Service). 

Die ersten Museumsrezepte – „Museums on Prescription“ – starteten 2014 in einem dreijährigen, preisgekrönten Pilotprojekt - zunächst für ältere, sozial isolierte Menschen. Heute sind Kunst- und Museumsbesuche fest im Gesundheitssystem verankert – und die Wirkung ist messbar: 37 Prozent weniger Hausarztbesuche, 27 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen. Die Zahlen stammen aus den 2023 erhobenen Daten der „Culture Health & Wellbeing Alliance“, ein landesweites Netzwerk kreativer Gesundheitsinitiativen.

Von Montreal bis Belgien und Frankreich 

Auf Großbritannien folgte Kanada. Seit 2018 verschreiben Ärztinnen und Ärzte in Montreal Besuche im Museum of Fine Arts (MMFA). Pro Jahr kann jeder Arzt bis zu 50 Rezepte ausstellen, die von der Krankenkasse übernommen werden. Studien des dortigen AgeTeQ-Labors belegten: Wer auf Rezept kommt, zeigt messbar höhere Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden.

Das Konzept fand schnell weitere Anhänger. In Brüssel begann 2021 ein ähnliches Programm: Gestartet mit fünf Museen und 33 Medizinerinnen und Medizinern, sind heute mehr als zehn Museen und 18 medizinische Einrichtungen beteiligt. Den Eintritt in die Brüssler Museen übernimmt die Stadt.

In Frankreich wird die Idee landesweit umgesetzt – von Rennes in der Bretagne bis an die Côte d’Azur. In Nizza erlaubt ein „L’art c’est la santé“-Rezept („Kunst ist Gesundheit“) auch den Besuch des renommierten Matisse-Museums. Parallel erforschen im ganzen Land zahlreiche Forschungsprojekte, welchen Einfluss Kunstbesuche auf das Wohlbefinden haben.

Kultur als Sport des 21. Jahrhunderts?

Kunsthistorikerin Nathalie Bondil, Ex-Direktorin des Museum of Fine Arts (MMFA) und heute Leiterin des Institut du Monde Arabe in Paris, ist überzeugt: Kultur wird im 21. Jahrhundert für unsere Gesundheit das, was Sport im 20. Jahrhundert war. 

Im Radiosender „France Info“ erklärte sie: „Der Mensch ist biologisch darauf ausgelegt, von Schönheit berührt zu werden und dadurch Wohlbefinden zu empfinden.“ In Montreal setzte Bondil die Idee 2018 schließlich praktisch um.

Den Erfolg solcher Museumsbesuche beschreibt Dr. Catherine Hanak, leitende Psychiaterin an der Uniklinik Brugmann in Brüssel anschaulich in der Wochenzeitung „Le Nouvel Obs“: „Wenn wir etwas Angenehmes tun, reagiert unser Gehirn wie bei einem kleinen Feuerwerk – Dopamin wird freigesetzt, und wir fühlen uns sofort wohl. Das passiert beim Sport, bei einem Spaziergang im Wald – und genauso, wenn uns ein Kunstwerk berührt.“ 

Deutschland: Forschung, aber kein offizielles Ticket

Auch in Deutschland zeigt die Forschung, dass Museumsbesuche Depressionen, Demenz und Einsamkeit lindern können - und das oft wirksamer und günstiger als Medikamente. Ein Bericht der TU Dresden empfahl daher die Besuche in die Regelversorgung aufzunehmen. Darin heißt es: „Eine Jahreskarte fürs Museum wirkt offenbar deutlich wirksamer als Medikamente – besonders bei der Linderung depressiver Symptome von Menschen mit Demenz.“ 

Gemeinsam mit der Charité erprobt das Bode-Museum das Projekt „Das heilende Museum“. Es will die Achtsamkeit vor Kunstwerken erzielen. Dafür steht ein eigens dafür hergerichteter Raum zur Verfügung, in dem verschiedene Meditationstraditionen präsentiert werden. Wer teilnehmen möchte, kann die Übungen per Audioguide, Smartphone oder Website abrufen; dabei fallen Museumseintritt und ein Teilnehmerbeitrag an. 

Von Kunsttherapie zur Museumstherapie

Schon 2019 wertete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 3.000 Studien aus – mit klarem Ergebnis: Kunst- und Kulturangebote stärken die psychische und physische Gesundheit - sie helfen, Leiden zu verarbeiten und den Genesungsprozess zu fördern.

Darauf basiert die Museumstherapie. Anders als die bekanntere Kunsttherapie erfordert sie kein künstlerisches Talent – nur die Bereitschaft, Kunst bewusst zu erleben, etwa nach dem Slow-Art-Prinzip, bei dem man sich Zeit für einzelne Werke nimmt. Neu ist die Erkenntnis: Schon die reine Begegnung mit Kunst kann heilsam sein – ganz ohne eigenes kreatives Schaffen. 

Wachsende Debatte, aber offene Fragen 

Seit 2014 nehmen die Initiativen Fahrt auf, und die Museumstherapie erlebt laut Forscherin Leslie Labbé ihren Moment des Aufbruchs. Doch so verlockend die Idee klingt, bleibt eine Hürde: Im Gespräch mit „France Culture“ räumte Labbé ein, dass der medizinische Nutzen noch nicht abschließend wissenschaftlich belegt sei.

Trotzdem machte sie deutlich, warum Museumsbesuche so wertvoll sein können: „Wer eine Krankheit behandelt, therapiert nicht nur die Symptome, sondern begleitet den Menschen als Ganzes – und dazu bietet ein Museum unzählige Ansatzpunkte, die sich therapeutisch nutzen lassen.“

© dpa-infocom, dpa:250908-930-10248/1

Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.

auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Pocket teilen

ÄHNLICHE ARTIKEL

Lena Goreliks Roman „Alle meine Mütter“ : Die Scham vor der eigenen Scham

Lena Goreliks Roman „Alle meine Mütter“ : Die Scham vor der eigenen Scham

2026-03-17

Auf einem Bild aus der Kindheit legt die Tochter die Arme um den Hals der Mutter, die Ältere auf dem...

„Würge mich“: Rumäniens ESC-Beitrag sorgt für Diskussionen

„Würge mich“: Rumäniens ESC-Beitrag sorgt für Diskussionen

2026-03-17

Um den rumänischen Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest ist eine Debatte entbrannt. ...

Zum Tod des Sammlers Egidio Marzona: Sein Blick auf die Kunst veränderte die Dinge

Zum Tod des Sammlers Egidio Marzona: Sein Blick auf die Kunst veränderte die Dinge

2026-03-17

Wo Egidio Marzona war, war auch die Kunst. Schwer vorstellbar, ein Gespräch mit ihm zu führen, ohne ...

Brandstiftungen: Autobrände vor Gefängnissen – Prozess gegen vier Männer

Brandstiftungen: Autobrände vor Gefängnissen – Prozess gegen vier Männer

2026-03-17

Nach mehreren Fahrzeugbränden vor Gefängnissen kommen vier Männer heute (9.30 Uhr) vor das Landgeric...

Neue Koalition: SPD und CDU besiegeln Koalition in Brandenburg

Neue Koalition: SPD und CDU besiegeln Koalition in Brandenburg

2026-03-17

Gut zwei Monate nach dem Bruch der SPD/BSW-Koalition in Brandenburg wollen SPD und CDU ihr neues Bün...

Nächster Beitrag
Leute: Barack Obama gewinnt Emmy für seine Stimme

Leute: Barack Obama gewinnt Emmy für seine Stimme

EMPFOHLEN

Brandstiftungen: Autobrände vor Gefängnissen – Prozess gegen vier Männer

Brandstiftungen: Autobrände vor Gefängnissen – Prozess gegen vier Männer

2026-03-17
Neue Koalition: SPD und CDU besiegeln Koalition in Brandenburg

Neue Koalition: SPD und CDU besiegeln Koalition in Brandenburg

2026-03-17

MEISTGESEHEN

  • Cyberangriffe: Berlin wappnet sich gegen Cyberattacken bei der Wahl

    Cyberangriffe: Berlin wappnet sich gegen Cyberattacken bei der Wahl

  • Havelstadt Brandenburg: Bürgermeister: Statt Internet mehr Orte der Begegnung nötig

  • Wetter: Wann die Sonne wieder herauskommt

  • Vorteil für Migranten bei Behördenjobs : Berlins Justizsenatorin hält Quote und Bevorzugung per Gesetz für verfassungswidrig

  • Verkehr: Wegner: „Berlin autofrei“ überschreitet eine Grenze

  • Großbrand im Märkischen Viertel in Berlin: Ehemalige Kindertagesstätte in Flammen – Feuerwehrmann verletzt

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.