Monday, May 04, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite wirtschaft Ein Kläger für alle: Wi...

Ein Kläger für alle: Wirecard-Skandal: Dämpfer für zehntausende Aktionäre

2025-03-01
In wirtschaft Vom admin

ÄHNLICHE ARTIKEL

Eingerostete Gelenke, morgendliche Anlaufschmerzen: Die große Mehrheit der Älteren leidet darunter

Spiel über Fritz Bauer: Deutscher Computerspielpreis geht nach Berlin

Eine erste Entscheidung des Bayerischen Obersten Landesgerichts dämpft im Wirecard-Skandal die Hoffnungen zehntausender Aktionäre auf Schadenersatz. Im Kapitalanleger-Musterverfahren können demnach keine Schadenersatzansprüche gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY vorgebracht werden, die die Bilanzen des Skandalkonzerns bis zu dessen Kollaps im Sommer 2020 bestätigt hatten. 

Das verkündete Gerichtspräsidentin Andrea Schmidt. Musterklägeranwalt Peter Mattil nannte die Entscheidung „hundertprozentig falsch“ und kündigte Beschwerde beim Bundesgerichtshof an. 

Das zivilrechtliche Musterverfahren vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht läuft parallel zum Strafprozess, in dem sich Ex-Vorstandschef Markus Braun und zwei Mitangeklagte seit Dezember 2022 verantworten müssen. Auf Schadenersatz geklagt haben nach Worten der Richterin mittlerweile knapp 8.700 Anleger. Weitere 19.000 haben Ansprüche angemeldet, ohne selbst zu klagen. 

Ein Kläger für alle

Als stellvertretenden Musterkläger hat der 1. Zivilsenat einen hessischen Bankkaufmann ausgewählt, der eine halbe Million Euro mit Wirecard-Papieren verloren hat. Eigentliche Zielscheibe der Kläger ist EY: Das Unternehmen ist solvent, während bei Ex-Vorstandschef Braun und Co. nach allgemeiner Einschätzung nichts mehr zu holen ist. 

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

„Nicht statthaft“

Gerichtspräsidentin Schmidt begründete den „Teilmusterentscheid“: In Musterverfahren gebündelt werden können nur Klagen wegen falscher Information des Kapitalmarkts. Gemeint sind damit unter anderem falsche Bilanzen und falsche Pflichtmitteilungen an die Börse. 

EY hat jedoch nach Argumentation des Senats die falschen Wirecard-Bilanzen inklusive des EY-Bestätigungsvermerks nicht selbst veröffentlicht, sondern die Wirecard-Chefetage. Insofern sind Schadenersatzansprüche gegen EY im Musterverfahren laut Gericht „nicht statthaft“. 

Dass die Wirecard-Bilanzen richtig gewesen wären, behauptet auch der frühere Vorstandschef Braun nicht: Der seit über viereinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzende Manager beschuldigt seinerseits eine Betrügerbande um den abgetauchten Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek, dem Konzern Milliarden gestohlen zu haben. 

Musterverfahren gegen Braun läuft weiter

Die Entscheidung des Bayerischen Obersten Landesgerichts bedeutet nicht, dass Wirecard-Aktionäre grundsätzlich nicht gegen EY klagen könnten. Doch Grundlage müsste nach Worten der Richterin die „Verletzung von Prüfpflichten“ sein, nicht die falsche Information des Kapitalmarkts. Die Schadenersatzansprüche gegen Braun und andere ehemalige Wirecard-Größen werden in dem Musterverfahren ohne Umweg über den BGH weiter verhandelt. „Es geht weiter“, sagte Schmidt. 

Steine statt Brot

Weiter gehen werden auch die Klagen gegen EY, doch wird das Verfahren nun länger dauern. „Man muss sagen, es ist nochmal komplizierter geworden“, sagte Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Anlegergemeinschaft DSW. „Das Verfahren wird auseinandergerissen.“ Die Entscheidung gebe den klagenden Wirecard-Aktionären „mehr Steine als Brot“. Musterkläger-Anwalt Mattil hofft, dass der BGH im nächsten Jahr über die Beschwerde entscheiden wird. 

Seit vergangenem Jahr ist nach den Worten des Anwalts im Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz - kurz KapMUG genannt - ausdrücklich geregelt, dass auch Schadenersatzansprüche gegen Wirtschaftsprüfer geltend gemacht werden können. Da Wirecard schon 2020 Insolvenz anmeldete, gilt das nicht rückwirkend. Doch auch das ursprüngliche Gesetz lässt nach Mattils Überzeugung die Aufnahme der Schadenersatzforderungen gegen EY in das Musterverfahren zu. „Wir sind der Meinung, dass wir die viel stärkeren Argumente haben.“

Eine eingefrorene Prozesslawine

Sollte der BGH anders entscheiden, könnte auf das Landgericht München I eine momentan eingefrorene Prozesslawine zukommen. Musterverfahren sollen eigentlich die Rechtsprechung beschleunigen: Ein einziger Prozess soll beispielhaft klären, ob Scharen von Klägern Anspruch auf Schadenersatz haben oder nicht. Anschließend müsste das Landgericht München I in den knapp 8.700 Verfahren jeweils „nur“ noch die individuellen Details abhandeln und entscheiden, ob und wieviel Geld jedem einzelnen Kläger zusteht. 

Solange das Musterverfahren läuft, sind die 8.700 Klagen ausgesetzt. Sofern die Kläger nicht scharenweise ihre Forderungen gegen EY zurücknehmen, müsste das Gericht wohl jeden Fall von Anfang an einzeln abarbeiten. 

Doch auch ein Musterverfahren garantiert keineswegs eine schnelle Entscheidung: Als Negativbeispiel gilt bis heute das Telekom-Verfahren, der erste Musterprozess in Deutschland. Dieser dauerte zwanzig Jahre, nach Schätzungen der DSW verstarben 30 Prozent der Kläger vor dem Ende des Verfahrens, einschließlich des ursprünglichen Musterklägers.

© dpa-infocom, dpa:250228-930-389745/3

Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.

ÄHNLICHE ARTIKEL

Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

Die Komödie „Gavagai“ im Kino: Ist das gut gemeint oder schon Rassismus?

2026-05-01

Den Vorwurf der Bürgerlichkeit will Maja nicht auf sich sitzen lassen. Schauspiel und Theater sind z...

Konservative Zuschauer im Blick: Amazon denkt angeblich über Neustart der Trump-Show „The Apprentice“ nach

Konservative Zuschauer im Blick: Amazon denkt angeblich über Neustart der Trump-Show „The Apprentice“ nach

2026-05-01

Kommt Donald Trumps alte Erfolgsshow zurück? Der US-Konzern Amazon prüft laut Medienberichten einen ...

Tori Amos, Pigeon, Maya Hawke, The Black Keys: Die Alben der Woche im Soundcheck

Tori Amos, Pigeon, Maya Hawke, The Black Keys: Die Alben der Woche im Soundcheck

2026-05-01

Jeden Freitag stellen vier Popmusikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche ...

Zum Tod von Georg Baselitz: Der letzte große Expressionist

Zum Tod von Georg Baselitz: Der letzte große Expressionist

2026-05-01

Einfach eklig, diese Füße. Übergroß nehmen sie jeder eine ganze Leinwand ein: nackte, aufgeschwollen...

Mit 88 Jahren: Maler und Bildhauer Georg Baselitz gestorben

Mit 88 Jahren: Maler und Bildhauer Georg Baselitz gestorben

2026-05-01

Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren, wie seine Galerie u...

Nächster Beitrag
Technologie für kleine Atomreaktoren: Siemens Energy und Rolls-Royce kooperieren für Mini-Reaktoren

Technologie für kleine Atomreaktoren: Siemens Energy und Rolls-Royce kooperieren für Mini-Reaktoren

EMPFOHLEN

Geschäftsbericht: Samsung erzielt höchsten Gewinn in Unternehmensgeschichte

Geschäftsbericht: Samsung erzielt höchsten Gewinn in Unternehmensgeschichte

2026-05-01
Jahresauftakt: VW zieht Bilanz fürs Quartal - Porsche und USA bremsen

Jahresauftakt: VW zieht Bilanz fürs Quartal - Porsche und USA bremsen

2026-05-01

MEISTGESEHEN

  • Einzelhandel: In Deutschland werden deutlich weniger Schnittblumen gekauft

    Einzelhandel: In Deutschland werden deutlich weniger Schnittblumen gekauft

  • Folgen des Iran-Krieges: Der Tankrabatt kommt – was man wissen muss

  • Reform des Heizgesetzes: Koalition vereinbart Kostenbremse für Mieter

  • Folge des Iran-Kriegs: Ifo: Material für deutsche Industrie wird knapper

  • Schwache Verkäufe in China und den USA: VW-Gewinn im ersten Quartal um 28 Prozent eingebrochen

  • Klimakonferenz in Kolumbien: Mehr als 50 Staaten forcieren Abkehr von Kohle, Öl und Gas

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.