Bevor Michael Rataj Mitte April bei Alba Berlin unterschrieb, existierte er schon als Phantom. Im Kader für die BBL und die Champions League tauchte er unmittelbar nach dem Ende der Wechselfrist Ende März bereits auf. Erst ohne Foto, dann als Teenager in der Saison 2021/22 im Trikot von Ulm.

Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.
Mittlerweile ist der 22 Jahre alte Big Man tatsächlich angekommen – und das nicht nur mit einem aktuellen Profilbild in den Statistiken der Basketball-Bundesliga. Am vergangenen Sonntag gegen die Frankfurt Skyliners stand er nach zwei Kurzeinsätzen erstmals länger auf dem Parkett und deutete an, was er Alba geben kann. „Er integriert sich gut, charakterlich und basketballerisch“, sagt Trainer Pedro Calles.
Auch Rataj selbst fühlt sich nach etwas mehr als zwei Wochen im Team bereits sehr wohl. Der Sprung vom College zurück nach Deutschland bringt zwar viele Veränderungen mit sich und die Zeit ist knapp, doch er macht schnell Fortschritte. „Es wird noch dauern, bis ich alle Automatismen kenne, aber es wird von Spiel zu Spiel besser. Gerade defensiv ist für mich schon vieles klar“, sagt Rataj.
Albas Restprogramm
- 1. Mai, 18 Uhr: Bayern München (auswärts)
- 3. Mai, 15 Uhr: Niners Chemnitz (Arena in Friedrichshain)
- 10. Mai, 16.30 Uhr: Jena (Max-Schmeling-Halle)
Gegen Frankfurt stand er 23 Minuten auf dem Feld, machte elf Punkte und sammelte sieben Rebounds, fünf davon am offensiven Brett. Dabei war deutlich zu erkennen, dass er sich mit seinen 2,03 Metern als Power Forward wohler fühlt als auf der Center-Position. „Er soll Martynas nicht direkt ersetzen, aber wir haben eine Lücke auf der Fünf“, sagt Calles. Der Litauer Martynas Echodas verließ Alba Ende März in Richtung Vilnius, seitdem stehen mit Norris Agbakoko und J’Wan Roberts nur noch zwei gelernte Center im Kader.
Mit Rataj hofft Alba diese Baustelle zu schließen – und gleichzeitig flexibler zu werden. Spielt der Neuzugang auf der Fünf, gibt er dem Team mit seinem soliden Mitteldistanzwurf und den Fähigkeiten von hinter der Dreierlinie eine neue Dimension. Mit Rataj als Power Forward „können wir größer spielen und Moses Wood auf die Drei schieben“, sagt Calles.
Mein Fokus liegt auf der NBA.
Michael Rataj hat große Ziele
Am Freitag (18 Uhr, RBB-Livestream) steht für Rataj ein besonderes Spiel an. Denn Alba gegen Bayern ist nicht nur das Duell der großen Rivalen des deutschen Basketballs, sondern auch ein Wiedersehen mit seinem Jugendklub.
Ab der JBBL spielte Rataj in München und pendelte täglich aus seiner Heimatstadt Augsburg. „Das war eine stressige Zeit mit Basketball, dem Gymnasium und den weiten Wegen. Aber meine Mom, mein Dad und meine Schwester haben mich immer zum Training gefahren, und dafür bin ich ihnen extrem dankbar“, erinnert sich Rataj.
Pendeln zwischen Augsburg und München
Am Freitag wird er viele bekannte Gesichter in der Halle sehen. Mit Spielern aus dem Münchner Profiteam hat er in der Jugend nicht zusammengespielt, aber im Klub kennt er noch viele Trainer und Betreuer. Außerdem erwartet er auch privat Unterstützung. „Viele Freunde kommen aus der Umgebung, da werden einige in der Halle sein“, sagt Rataj.
Kurz vor dem Ende der Hauptrunde geht es im Duell mit München nicht nur um einen Sieg in der Tabelle. Die Bayern haben Platz eins nahezu sicher, Alba ist erster Verfolger. Es wäre keine große Überraschung, wenn sich beide Teams in anderthalb Monaten im Finale wiedersehen würden. Rataj ist zwar noch nicht lange in Berlin, aber sehr ambitioniert. „Das Ziel ist klar: Deutscher Meister zu werden. Dabei will ich das Team unterstützen“, sagt er.
Aus seinen persönlichen sportlichen Zielen macht er ebenso wenig ein Geheimnis. „Ich hatte letztes Jahr im College nicht die beste Saison, aber das Jahr davor war überragend“, sagt Rataj. „Mein Fokus liegt auf der NBA und das wird so bleiben, bis ich 24 oder 25 bin.“
Für den diesjährigen Draft ist er nach vier Jahren am College automatisch gemeldet, seine Chancen sind im Gegensatz zu seinen Landsleuten Johannes Steinbach, Christian Anderson und Teamkollege Jack Kayil aber eher gering. Für Alba könnte das eine gute Nachricht sein, denn Ratajs Vertrag läuft nur bis zum Saisonende.