Die Schuhe sind ein großes Thema in der Leichtathletik geworden. Erst jüngst wieder, als der Marathonläufer Sabastian Sawe einen neuen Rekord mit Laufschuhen erzielte, die halb so schwer waren wie jene der anderen.
Das Wort Techno-Doping fällt häufig in Zusammenhang mit solchen Bestzeiten. Doch offenbar gibt es auch eine Kehrseite der Medaille – die neuen Schuhe könnten aufgrund ihrer biomechanischen Eigenschaften ein Risiko darstellen – auch im Sprintbereich.
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Abby Steiner, US-amerikanische Staffelweltmeisterin über 100 und 400 Meter, ist überzeugt davon, dass die Schuhe ihre sportliche Karriere mehr oder weniger ruiniert haben sollen.
Wie „The Athletic“ berichtet, hat Steiner den deutschen Ausrüster Puma sowie das Formel-1-Team von Mercedes wegen angeblicher fahrlässiger Produkthaftung verklagt.
Die 26 Jahre alte Sprinterin behauptet, dass das Schuhdesign sowie die Carbonfaserplatte und/oder die Nitrofoam-Technologie „die Mechanik von Fuß und Sprunggelenk beim Laufen verändert habe, was möglicherweise zu einem erhöhten Verletzungsrisiko beiträgt oder dieses steigert“.
Die Klage wurde am 24. April am Superior Court des Middlesex County in Massachusetts eingereicht. Vier der in der Klage genannten Produkte – mit dem Zusatz, dass „die fraglichen Produkte unter anderem folgende umfassen“ – sind der Deviate Nitro Elite 2 und 3, der evoSpeed Tokyo Nitro, der evoSPEED Tokyo Nitro 400M sowie alle anderen Modelle, die die Platte oder den Schaum nutzen.
Auch das Formel-1-Team von Mercedes wurde verklagt, weil es bei der Konstruktion und Entwicklung der Spikes geholfen hatte. Steiner, US-Hallenrekordhalterin über 200 und 300 Meter, ist laut dem Medium der Ansicht, dass sie die Produkte „schwer verletzt“ hätten, insbesondere solche mit der Carbonfaserplatte (CFP) und/oder Nitrofoam-Technologie (NF).
Schuhe verursachten demnach Knochenstressreaktionen
Laut Klageschrift wussten die Beklagten angeblich oder hätten wissen müssen, dass Produkte mit „CFP- und/oder NF-Technologie die Biomechanik von Läufern oder die Art und Weise veränderten, wie die Belastung des Laufens auf ihre Körper einwirkt“, „Knochenstressreaktionen verursachten“, „die Wahrscheinlichkeit von Fußverletzungen erhöhten“ und eine unregelmäßige Belastung auf die Füße der Läufer ausübten.
Steiner hingegen wusste angeblich davon nichts, und die Verletzungen sollen zum Ende ihrer Sprintkarriere geführt haben. Im August 2025 erklärte sie, sie werde „einen Schritt vom Laufen zurücktreten“.
In der Klageschrift heißt es: „Als direkte und unmittelbare Folge der schweren und dauerhaften Verletzungen, die die Puma-Schuhe der Klägerin zugefügt haben, ist sie nicht mehr in der Lage, wettkampfmäßig zu laufen, einschließlich auf professioneller und olympischer Ebene.“
Auf Tagesspiegel-Anfrage teilte Puma mit, dem Konzern sei bekannt, dass eine Klage eingereicht worden sei. Zu laufenden Verfahren könne sich Puma jedoch nicht äußern.
„Wir weisen jedoch jede Behauptung, dass unsere Performance-Produkte Verletzungen verursachen, entschieden zurück.“ Im Gegenteil, so Puma weiter: „Unsere Produkte werden von Athlet*innen getragen, die im Langstreckenlauf und in der Leichtathletik Spitzenleistungen erbringen und Rekorde brechen, darunter die Weltrekorde im 60-Meter-Hürdenlauf, im Stabhochsprung und im Hochsprung.“
Bis 2025 hatte Steiner sich wegen Fußverletzungen mehreren Operationen und Rehabilitationsphasen unterzogen. Im Jahr 2024 berichtete sie auf Instagram über ihre Probleme und sagte, dass sie während des Trainings in einem Olympiajahr „vor und nach den Einheiten oft humpelte und sich nur mit schierem Willen durchkämpfte, um einen Lebenstraum zu erfüllen“.