Drei Minuten vor der Schlusssirene wurde es plötzlich seht still in der Arena in Friedrichshain. Eigentlich war schon alles vorbereitet, um an diesem Abend den zwölften Titel in der DEL-Geschichte zu feiern und einmal mehr den Meisterpokal in die Höhe zu stemmen. Doch dann crashten die Adler Mannheim die Party.
Nach zuvor sieben Heimsiegen in diesen Play-offs hatte man nicht wirklich die Gefühl, dass die Eisbären bei diesem letzten Schritt in dieser Saison noch mal ins Straucheln kommen. Doch die vermeintlich sichere 3:1-Führung nach 47 Minuten reichte nicht aus, um dieses Spiel und diese Finalserie über die Bühne zu bringen. Plötzlich leuchtete ein 3:3 vom Videowürfel. Und am Ende ein 3:4 (0:0, 2:1, 1:2, 0:1) nach Verlängerung.
Fulminanter Schlussakkord der Adler Mannheim
Mit dem Gefühl, nichts mehr verlieren zu können und alles auf eine Karte setzen zu müssen, hatten die Gäste zu einem fulminanten Schlussakkord ausgeholt. Zack Solow in Überzahl (53.) und Alexander Ehl (57.) sorgten für den Ausgleich, ehe das Spiel zu einem Thriller wurde.
Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, dass sie nach diesem Rückstand noch mal zurückgekommen ist. 0:3 in einer Best-of-seven-Serie zurückzuliegen, ist nicht einfach.
Dallas Eakins, Trainer der Adler Mannheim
Verlängerungen sind an sich schon äußerst strapaziös für die Nerven, weil jeder Fehler eben über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Aber an diesem Abend war die Konstellation noch mal wesentlich brisanter. Denn für die Adler ging es um nicht weniger als ums sportliche Überleben in dieser Saison.
Nach drei sehr einseitigen Spielen lieferte dieser Abend alles, was Eishockeyherz höher schlägen lässt. Eine solche Spannung wünscht man sich in einer Finalserie, auch wenn sich die Berliner natürlich einen anderen Ausgang gewünscht hatten. Nach dem Mannheimer 4:3 in der Verlängerung durch Luke Esposito in der 84. Minute war schon zu spüren, wie sehr dieser wirkt.
Die Eisbären sind weiterhin der große Favorit auf diesen Titel. Nach vier Spielen führen sie jetzt mit 3:1 und haben somit weiterhin zwei Matchpucks zum Titel, das nächste Spiel steht am Sonntag in Mannheim an (16.30 Uhr, Magentasport). Aber natürlich hat sich die Statik dieser Serie nun noch mal etwas verschoben.
Bislang hatten die Mannheimer nicht den Hauch einer Chance und die Eisbären wandelten fast traumwandlerisch von Sieg zu Sieg. An diesem Abend haben sie nun gezeigt, dass sie den Berlinern doch weh tun können nach zuvor elf verlorenen Play-off-Spielen in Serie.
Was die Stimmung in der Arena angeht, wirkte sich dieser Abend schon sehr dramatisch an. Nach den Treffern von Les Lancaster, Liam Kirk und Markus Vikingstad lief längst der Countdown für eine lange Partynacht. Das zwischenzeitliche 1:3 durch Nicolas Mattinen wirkte wie ein Lebenszeichen der Adler – aber nicht wie mehr.
Jonas Stettmer wirkte einmal mehr so gut wie unbezwingbar, auch an diesem Abend parierte stark. Aber an diesem Abend konnten sich die Adler ausnahmsweise belohnen, weil sie Druck auf das Berliner Tor ausübten wie selten zuvor in dieser Serie.
Jetzt wird sich zeigen, ob das Berliner Selbstverständnis etwas gelitten hat durch diesen Rückschlag. Und wie die Mannheimer auf das Gefühl reagieren, dem frühzeitigen K.-o.-in dieser Finalserie zumindest vorläufig noch mal entkommen zu sein. Weniger Druck haben sie durch diesen Sieg noch nicht.