Party an der Strecke, nationale Rekorde und Spannung bis zur Zielgeraden – der Berliner Halbmarathon am Sonntag war einmal mehr Werbung für den Laufsport. Vorne Weltklasseleistungen, hinten ein friedliches Fest von 40.000 Teilnehmern aus mehr als 130 Nationen. Nur die Schlagzeilen nach dem Rennen trübten die Stimmung.
Dennis Kipkemoi, der als Pacemaker sensationell Zweiter wurde und vermutlich sogar die Beine für den Sieg hatte, wurde von Renndirektor Mark Milde scharf kritisiert. Der kenianische Newcomer habe sich nicht an die Absprachen gehalten und hätte gar nicht ins Ziel laufen dürfen, echauffierte sich Milde. Dass Kipkemoi den deutschen Superstar Amanal Petros abhängte, schmeckte den Organisatoren gar nicht.
Felix Hackenbruch ist politischer Korrespondent des Tagesspiegels und lief beim Berliner Halbmarathon selbst mit. Er findet: Die Veranstalter hätten die kleine Heldengeschichte des Pacemakers feiern sollen, statt auf Klauseln zu beharren.
Dabei sind es die Aussagen von Milde, die wohl viele Läufer irritieren. Gerade der Laufsport rühmt sich häufig damit, ein egalitärer Wettbewerb zu sein, bei dem soziale Hürden keine Rolle spielen. Es braucht keine teure Ausrüstung, um an den Start zu gehen. Unvergessen der Marathon-Olympiasieger von 1960, der barfuß gewann.
Im modernen Laufsport wäre das angesichts immer neuer Entwicklungen bei Schuhen, Ernährungen und Trainingsmethoden natürlich nicht mehr denkbar. Für Romantik ist im kommerziellen Profigeschäft wenig Platz, doch am Bild des barrierefreien Sports hält die Laufwelt fest. In wohl keiner anderen Sportart starten Profis und Amateure gemeinsam ins Rennen.
Der Ärger der Berliner-Halbmarathon-Organisatoren offenbart daher ein seltsames Verständnis. Der beste Läufer sollte gewinnen, nicht der vertraglich vorgesehene Starter.
Als Renndirektor hätte sich Milde über einen spannenden Wettkampf freuen können. Die kleine Heldengeschichte des unbekannten Pacemakers ging um die Welt. Doch die Veranstalter ärgerten sich stattdessen, dass sich der Athlet nicht an die Absprachen hielt.
Amanal Petros, der im Rennen zwischenzeitlich zurückgefallen, von Kipkemoi wieder an die Spitzengruppe herangeführt und schließlich mit nationalem Rekord Dritter wurde, zeigte nach dem Rennen die richtige Reaktion.
Im Ziel nahm er seinen Pacemaker, der ihn abgehängt hatte, in den Arm und posierte gemeinsam mit Kipkemoi für die Kameras. Diese Bilder zweier fairer Athleten mit Sportsgeist sollten vom Berliner Halbmarathon in Erinnerung bleiben.