Schon seit Jahren gehört es fest zur Fußball-Liturgie beim 1. FC Union Berlin. Beim letzten Heimspiel der Saison werden Spieler, die den Klub zum Saisonende verlassen, vor dem Anpfiff auf dem Platz verabschiedet: mit Blumenstrauß, Ehrenplakat und oft auch mit einigen Tränen.
Auch an diesem Sonnabend könnte es emotional werden. Vor dem Spiel gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr, Sky) wird sich Union offiziell von Danilho Doekhi und Diogo Leite verabschieden. Es ist ein Doppelabschied, der sportlich eine riesige Lücke und emotional gemischte Gefühle hinterlässt.

Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.
Darüber, dass Doekhi und Leite sowohl sportlich als auch menschlich eine riesige Lücke hinterlassen werden, sind sich alle einig. „Doeks und Diogo haben über die ganzen Jahre gezeigt, dass sie ein extrem wichtiger Faktor waren für die Erfolge der Mannschaft“, schwärmte etwa Trainerin Marie-Louise Eta am Donnerstag.
Tatsächlich waren die beiden Innenverteidiger in den vergangenen Jahren aus der Union-Abwehr nicht wegzudenken. Gemeinsam haben sie 271 Einsätze für Union gesammelt. Doekhi hat seit zweieinhalb Jahren keine Pflichtspielminute mehr verpasst.
© REUTERS/LISI NIESNER
Vor allem handelt es sich um zwei Spieler, die wie kaum zwei andere für den Höhenflug der frühen 2020er Jahre stehen. Beide kamen im Sommer 2022 nach Berlin, und damit pünktlich zu Beginn der wohl größten Saison der Vereinsgeschichte. Mit Union haben sie das große Ajax Amsterdam geschlagen, die Champions-League-Qualifikation gesichert und gegen Real Madrid im Bernabéu gespielt.
Zu gut für den Bundesliga-Abstiegskampf
Auch in den Abstiegskämpfen der vergangenen Saisons haben Doekhi und Leite eine wesentliche Rolle gespielt. Gerade ohne Doekhi als Führungsspieler, Abwehrchef und Torjäger hätte Union 2025 und 2026 wohl nie so souverän den Klassenerhalt geschafft. Laut Eta hat sich ihre Wichtigkeit auch in den vergangenen Wochen erneut gezeigt: „Im tagtäglichen Training sind das Jungs, die vorangehen“, so die Trainerin.
In Bestform waren beide aber immer etwas zu gut, um sich ewig im Bundesliga-Abstiegskampf herumzutreiben. Und auch deshalb werden sie am Samstag wohl nicht ganz so emotional verabschiedet wie etwa Torwarttrainer Michael Gspurning, der den Klub nach neun Jahren auch verlässt. Dafür hat sich der Abgang des begehrten Abwehr-Duos zu lange angebahnt.
Sie haben sehr viel für den Verein geleistet.
Marie-Louise Eta, Cheftrainerin
Schon im vergangenen Sommer standen beide nämlich vor dem Absprung. Bei Leite, der im Zuge einer langwierigen Transfer-Saga wochenlang aus dem Kader gestrichen wurde, sorgte der Fast-Abschied allgemein für einen bitteren Beigeschmack. Doch auch Doekhi hatte nach eigenen Angaben „ernsthafte Angebote“.
Bei Union ging man jedoch das Risiko ein, Doekhi und Leite lieber ein Jahr später ablösefrei zu verlieren, als 2025 zum falschen Preis. Finanziell war das eine Niederlage. Sportlich war es wohl klug, denn auch mit viel Geld wäre es Union alles andere als leicht gefallen, ausgerechnet diese zwei Leistungsträger zu ersetzen.
So hat man immerhin noch eine Saison von Doekhi und Leite profitiert. Und so können beide nun einen gebührenden Abschied feiern. „Sie haben sehr viel für den Verein geleistet“, sagte Eta am Donnerstag. „Da gilt es, sie mit einem guten Spiel zu verabschieden, und ich bin mir sicher, dass sie da noch einmal alles investieren werden.“