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Ärztin, Athletin und nun TV-Star?: Wie Marchand drei Sportarten meistert

2026-03-17
In sport Vom admin

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„Das sollte eigentlich nur ein kurzer Ausflug werden“, erzählt Kathrin Marchand im Gespräch mit der Paralympics Zeitung. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2021 wollte die Kölnerin wieder mit dem Rudersport anfangen. Damit war sie bereits 2012 und 2016 bei den Olympischen Spielen erfolgreich.

Mit dem Wiedereinstieg in den Rudersport im Parabereich fängt ihre zweite erfolgreiche Sportkarriere an. Sie habe eigentlich aus Spaß am Sport angefangen und sei dann wieder in den Profisport „hereingerutscht“. In Paris 2024 ruderte sie sich auf Platz vier, verpasste die Bronzemedaille nur knapp und startet jetzt als Para Langläuferin in der stehenden Klasse bei den Paralympics in Norditalien. Ein historischer Start, denn vor ihr gab es keine Sportlerin, die sowohl an Olympischen und Paralympischen Sommerspielen als auch an Paralympischen Winterspielen teilgenommen hat. Alles andere als ein kurzer Ausflug.

Vom Rudern zum Langlauf und nun aufs Tanzparkett?

© IMAGO / Beautiful Sports

Vom Ruderboot in die Loipe

Um das zu erreichen, musste Marchand innerhalb von einem Jahr eine komplett neue Sportart lernen: das Langlaufen. Eine von Technik und Ausdauer geprägte Sportart. Marchand erzählt, dass sie vom Bundestrainer im Skilanglauf „quasi abgeworben wurde“. Jetzt läuft ihre zweigleisige Karriere über das sogenannte Exzellenzcluster im Para Ausdauersport. Bedeutet: Die zwei Sportarten profitieren voneinander. Das sei ein gutes Konzept, „sonst würde ich mehr arbeiten und weniger trainieren“, erzählt Marchand.

Momentan arbeitet sie fünf Tage im Monat auf Honorarbasis als Orthopädin in einem Krankenhaus in Köln. „Nur weil ich einen Schlaganfall hatte, heißt es nicht, dass ich nicht arbeiten kann“, sagt die 35-Jährige in einem „Q&A“ auf Instagram. Auf ihrem Account postet sie viel zu ihrer Geschichte und ihrer sportlichen Laufbahn – aufklärend und mit Witz.

Langlauf lernen im Schnelldurchgang

Aber auch der Ehrgeiz hat sie angetrieben, den Schritt in den Wintersport zu wagen: „Und dann dachte ich, okay, jetzt gabs im Rudern wieder keine Medaille, jetzt mache ich mal was Neues. Dann habe ich wenigstens eine neue Sportart gelernt.“ Das war trotz jahrelangem Leistungssport kein Kinderspiel.

Aus Versehen wieder in den Profisport „reingerutscht“: Kathrin Marchand.

© PICTURE ALLIANCE

Beim ersten Training hat Marchand nicht mal gewusst, wie man die Langlaufskier anzieht. „Ich bin keinen Meter vorwärtsgekommen und bin direkt hingefallen“, sagt sie. Mit viel Training hat sie es jedoch geschafft, für die Paralympics nominiert zu werden. Im Sommer gab es dafür einen Kompromiss aus Rudern und Skirollern und im Winter viel sportartspezifisches (Einzel-)Training.

Außerdem, erzählt sie, dürfe man das visuelle Training nicht vergessen. Bereits bei Olympia saß sie viel vor dem Fernseher. Marchand profitiere zudem von ihrer Leistungssport-Erfahrung. Neben einer guten Ausdauer sei das auch eine gewisse Gelassenheit, die die 35-Jährige mitbringt.

Harte Bedingungen in Tesero

Eine Woche vor den Spielen erzählt sie, dass ihr noch die Technikwechsel und die Abfahrten schwerfallen, vor allem bei wechselnden Bedingungen. Sie habe manchmal noch ein bisschen Angst, „was vielleicht auch altersbedingt ist“. Dazu kommt, dass sie durch den Schlaganfall ihre linke Körperhälfte weniger ansteuern kann. Und genau die Bedingungen, die im Val die Fiemme durch zu hohe Temperaturen nicht optimal waren, kamen Marchand in ihren ersten Winter-Paralympics nicht entgegen.

Am fünften Wettkampftag startete sie in der 10-km-Distanz, befand sich nach der ersten Runde auf dem dritten Platz und hatte dann einen Schwächeanfall. „Ich hatte ziemlich zu kämpfen mit den Bedingungen. Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, dass ich jetzt komplett überpace. Aber ich habe schon auch nach dem zweiten Anstieg gemerkt, dass da einfach die Lichter langsam ausgehen“, erklärte sie nach dem Wettkampf.

Digitale Serie „Paralympics Zeitung“

Dieser Text erscheint im Rahmen der „Paralympics Zeitung“ – ein Gemeinschaftsprojekt von Tagesspiegel und Aktion Mensch. Alle Texte zu den Winterspielen in Mailand Cortina 2026 finden Sie hier.

Sie ärgerte sich, aber mit Schwindel, Sehstörungen und Taubheitsgefühlen in der linken Körperhälfte kam ein Durchziehen nicht infrage: „Es war eigentlich keine Entscheidung, die ich getroffen habe, sondern es ging halt einfach nicht mehr“, so Marchand. Dabei ärgerte sie sich nicht nur, weil sie vorher noch nie ein Rennen aufgegeben hatte, sondern auch über die Bedingungen. „Ich verstehe nicht, warum nicht gesalzen wurde, denn es war wirklich eine Katastrophe.“

Trotzdem ging Marchand erneut an den Start und trat am letzten Wettkampftag in der freien Technik über 20 Kilometer an. Ihr Ziel war es, nicht Letzte zu werden, und das hat sie mit dem zehnten Platz geschafft. Nach dem Rennen erzählte sie, dass es für sie das erste Mal im 20-km-Skating gewesen sei und, dass ihr diese Technik weniger liege als die Klassische. Sie habe auf jeden Fall vor, weiterhin auf Skiern zu stehen, sie wisse nur bisher nicht, in welcher Dimension.

Erst rudern, dann tanzen

Und obwohl sie sich nicht entscheiden kann, ob sie lieber Wasser oder Schnee mag, freut sie sich schon wieder aufs Rudern. Dort sei sie einfach zu Hause und habe große Ziele für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles: „Ja, wir holen ja auch ’ne Medaille in LA“, sagt sie lachend.

Das bleibt jedoch nicht das einzige Ziel für die Zukunft: „Nach den Spielen ist vor ‚Let’s Dance‘. Ich freue mich auf meine Teilnahme 2029“, sagt sie scherzend gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bereite mich mental schon vor, indem ich mir die Grundschritte jeden Freitag in der Sendung angucke. Ich bin guter Dinge, dass ich da ins Finale komme“, sagte Marchand.

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Auf Instagram teilte sie bereits ein Video, das sie bei einer Tanzeinlage mit einem Teamkollegen zeigt. In den Kommentaren unter ihren Videos melden sich schon viele Unterstützer:innen.

Aber auch dabei soll es nicht bleiben. Marchand will die Megasportevents vollmachen und träumt schon von der nächsten Karriere: olympisches Curling bei den Winterspielen 2034. Auf Anfrage der PZ, wie ernst dieses Vorhaben sei, antwortet sie: „halb ernst;)“.

Instagram Köln Olympische Spiele Paralympics Paralympics Zeitung Wintersport auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

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