Im Kampf gegen die vorherrschende Untergangsstimmung und den ersten Bundesliga-Abstieg überhaupt setzt der VfL Wolfsburg auf eine Club-Legende aus der erfolgreichen Vergangenheit. Dieter Hecking tritt bei den taumelnden Niedersachsen die Nachfolge von Trainer Daniel Bauer an, von dem sich der Tabellenvorletzte nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV getrennt hatte. Neben Bauer stellte der VW-Club auch den schon lange umstrittenen Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen frei.
„Dieter Hecking bringt genau die Erfahrung mit, die wir in der aktuellen Situation brauchen. Er kennt den Verein, das Umfeld und auch die Anforderungen der Bundesliga sehr genau“, sagte Sportdirektor Pirmin Schwegler zur Verpflichtung von Hecking, der nach zehn Jahren nach Wolfsburg zurückkehrt. „Wir sind überzeugt, dass er der Mannschaft mit seiner Ruhe, seiner Expertise und seiner klaren Linie die nötige Stabilität geben wird, um unser gemeinsames Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.“
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Mit den personellen Radikalmaßnahmen holen die Verantwortlichen um den zuletzt zaudernd wirkenden Aufsichtsratsboss Sebastian Rudolph das nach, was eigentlich bereits im Anschluss an das desaströse 0:4 beim VfB Stuttgart eine Woche zuvor erwartet worden war. Doch danach hatte sich Christiansen ein letztes Mal durchsetzen und Bauer noch ein persönliches Endspiel gegen den HSV verschaffen können.
Chaos nach Niederlage gegen den HSV
Doch auch im brisanten Nordduell gelang dem 43 Jahre alten Coach nicht die Wende. Stattdessen herrschten nach Schlusspfiff in der Volkswagen Arena zum Teil chaotische Zustände. Vor der Fankurve des VfL stiegen schwarze Rauchschwaden auf, auf dem Boden lagen brennende Pyrofackeln und Fanutensilien. Und eine Ordnerkette schützte das VfL-Team vor den wütenden Ultras. Es wirkte so, als sei der VW-Club bereits abgestiegen.
Dass es dazu nicht wirklich kommt, soll nun Hecking verhindern. Der 61-Jährige führte die Wolfsburger 2015 zum DFB-Pokalsieg und in die Champions League. Jetzt soll er verhindern, dass die Grün-Weißen mit einem der teuersten Kader der Liga in die Zweitklassigkeit abstürzen.
„Zum VfL Wolfsburg zurückzukehren, bedeutet mir viel. Ich habe hier eine intensive und erfolgreiche Zeit erlebt und weiß, welche Qualität und Energie in diesem Verein steckt“, sagte Hecking, der an diesem Montag offiziell vorgestellt werden soll. Über die Vertragslaufzeit machte der Club noch keine Angaben. „Jetzt gilt es, den Fokus voll auf die kommenden Aufgaben zu richten und gemeinsam alle Kräfte zu bündeln, um in der Bundesliga zu bleiben.“ Am Samstag geht es für den VfL nach Hoffenheim.
Christiansen schon lange in der Kritik
Dass die Situation in der VW-Stadt so brenzlig ist und der VfL neun Spieltage vor dem Saisonende den vorletzten Tabellenplatz belegt, hat viel mit dem nun freigestellten Geschäftsführer Christiansen zu tun. Der 51 Jahre alte Däne ist für den völlig falsch zusammengestellten Kader verantwortlich und lag zudem in der Trainerfrage zweimal falsch. Der junge Niederländer Paul Simonis war bei seiner ersten Auslandsstation ebenso überfordert wie dessen Nachfolger Bauer, der zuvor erfolgreich die U19 des Clubs trainiert hatte.
Wolfsburgs Aufsichtsratsvorsitzender Rudolph lobte zwar Christiansens Arbeit für die Fußballerinnen des VfL. „Bei den Männern fehlten leider die sportlichen Ergebnisse. Deswegen haben wir entschieden, die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden“, sagte Rudolph. Über eine Nachfolge soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
Zunächst übernimmt der erst im Dezember verpflichtete Sportdirektor Schwegler mehr Verantwortung. Auch der im Aufsichtsrat sitzende frühere Torwart Diego Benaglio könnte sich mehr einbringen. Beide waren es auch, die nach der Niederlage gegen den HSV im Dialog mit den frustrierten Fans versuchten, die Wogen zu glätten.
Bauer schafft Wende nicht
Bauer hatte im November des vergangenen Jahres die Nachfolge von Simonis angetreten und war kurz vor Weihnachten zum Cheftrainer befördert worden. Zuletzt gab es in den vergangenen sieben Spielen aber sechs Niederlagen.
„Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Wir haben gehofft, die Wende gemeinsam hinzubekommen. In der Analyse der Gesamtsituation sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir der Mannschaft einen neuen Impuls geben müssen, um den Klassenerhalt zu schaffen“, sagte Schwegler. Bauer verließ am Samstag um 19.14 Uhr die Arena und wusste da wohl schon, dass seine Zeit abgelaufen war.
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Hecking dagegen kennt sich seit Jahren mit allen sportlichen Lagen aus. Vor und nach seiner ersten Wolfsburger Zeit trainierte er unter anderem Hannover 96, den 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach und auch den Hamburger SV. Zuletzt musste er am 15. September jedoch beim VfL Bochum gehen, weil es nach dem Bundesliga-Abstieg auch beim Neuaufbau der Mannschaft hakte.
Dass der Neuaufbau in Wolfsburg krachend scheiterte, liegt vor allem an Christiansen. Als der Däne im Sommer 2024 vom FC Kopenhagen nach Wolfsburg kam, versprach er eine neue Club-Identität und Powerfußball. Doch die dafür nötigen Spieler holte er nicht. Die großen Schwachstellen in Angriff und Abwehr wurden auch in diesem Winter nicht behoben.
Radikalmaßnahme wie 2011
Nach dem ersten Trainerwechsel im November war erst einmal nur der Sportdirektor auf der Ebene unter Christiansen ausgetauscht worden: Der Schweizer Schwegler kam für Sebastian Schindzielorz.
Jetzt aber greift der vom Mutterkonzern Volkswagen dominierte Aufsichtsrat beim VfL so stark durch wie seit dem Frühjahr 2011 nicht mehr. Damals verloren der Geschäftsführer Dieter Hoeneß sowie Interimstrainer Pierre Littbarski auf einen Schlag ihre bisherigen Jobs. Für sie kehrte mitten im Abstiegskampf der Wolfsburger Meistertrainer Felix Magath noch einmal zurück.
© dpa-infocom, dpa:260308-930-784871/6
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