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1:4-Niederlage gegen Werder Bremen: 70 Minuten in Unterzahl sind zu viel für den 1. FC Union Berlin

2026-03-09
In sport Vom Julian Graeber

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Der Jubel im Stadion An der Alten Försterei war noch nicht ganz verklungen, als es plötzlich still wurde. Nach einem Zweikampf im Mittelfeld zog Schiedsrichter Timo Gerach zum Entsetzen aller Berliner die Rote Karte. András Schäfer war Jens Stage heftig auf den Fuß getreten, doch der Platzverweis war eine sehr harte Sanktion – und veränderte das Spiel. „Wir sind 70 Minuten in Unterzahl, das ist der Faktor, der das Spiel zum Kippen bringt“, sagte Stürmer Ilyas Ansah.

Der 1. FC Union Berlin gab die 0:1-Führung durch einen Elfmeter von Derrick Köhn noch in der ersten Hälfte aus der Hand. Vor 22.012 Zuschauenden siegte Werder Bremen am Sonntagabend durch Tore von Olivier Deman, Stage, Marco Grüll und Patrice Čović 4:1 (2:1).

Neun Spieltage vor Schluss ist Unions Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Punkte zusammengeschrumpft. „Wir hätten heute einen Satz nach vorne machen können, aber jetzt sind wir mittendrin“, sagte Manager Horst Heldt. „Das ist unfassbar ärgerlich.“

Dass es an den kommenden beiden Wochenenden auswärts gegen Freiburg und den designierten Meister aus München geht, macht die Situation für die Mannschaft von Steffen Baumgart nicht einfacher.

Werders Jens Stage (links) war der beste Mann auf dem Platz.

© dpa/Soeren Stache

Vor einer Woche hatte Union in Gladbach auf ganzer Linie enttäuscht, einen Sieger hatte es dabei trotzdem gegeben: Andrej Ilic, der beim 0:1 gelbgesperrt fehlte. Der Serbe weist mit erst einem Saisontreffer zwar eine schwache Quote für einen Mittelstürmer auf, ohne seine Qualitäten beim Festmachen des Balles und im Pressing geht es aber auch nicht.

In Gladbach war das Spiel an Oliver Burke vorbeigelaufen und so war es keine Überraschung, dass Baumgart Ilic nach abgelaufener Sperre wieder in die Startelf beorderte. Zudem begannen Janik Haberer und Ilyas Ansah anstelle von Christopher Trimmel und Woo-yeong Jeong.

Umstrittener Elfmeter für Union

Besonders die Rückkehr von Ilic zahlte sich schnell aus. Wie gewohnt bestand Unions bevorzugtes Angriffskonzept aus weiten Bällen, die Haberer oder die Innenverteidiger in Richtung der Sturmspitze fliegen ließen. Dieses Mittel ist simpel und jeder Bundesligaklub hat es ganz oben auf dem Scoutingbericht stehen, dennoch ist es effektiv.

Schon in der Anfangsphase verlängerte Ilic den Ball zweimal zu Rani Khedira und auch wenn es anschließend nicht gefährlich wurde, war zu sehen, wie wichtig Timing, Sprungkraft und Physis von Ilic für diesen Spielstil sind.

Nach einer Viertelstunde zahlte sich das auch auf der Anzeigetafel aus. Einen hohen Ball verlängerte erst Khedira zu Ilic, dann Ilic zu Ansah. Der U-21-Nationalspieler sprintete Richtung Strafraum und ging im Ringkampf mit Niklas Stark zu Boden. Gerach zeigte auf den Punkt – wie die Rote Karte eine sehr umstrittene Entscheidung. Denn Stark zog schon weit vor dem Strafraum an Ansahs Trikot und ließ dieses nicht mehr los, ehe dieser im Strafraum fiel.

Köhn trifft gegen sein Ex-Team

Köhn war es egal. Der Linksverteidiger, vergangene Saison leihweise noch selbst in Bremen aktiv, tippelte, lief an und traf souverän in die rechte Ecke. Solch ein frühes Tor kommt Unions Fußball eigentlich sehr entgegen, erst recht gegen eine Mannschaft, die wie Werder im Abstiegskampf gehörig unter Druck steht. Doch die Führung hatte gar nicht die Möglichkeit, die Statik des Spiels zu verändern, da war Union nach Schäfers ungeschicktem Foul nur noch zu zehnt.

Baumgart verzichtete darauf, mit einer Auswechslung auf die Unterzahl zu reagieren. Ansah ließ sich gegen den Ball auf Schäfers Position ins Mittelfeld fallen. Die Bremer hatten nun viel Ballbesitz und da die Berliner das Zentrum dicht machten, versuchten es die Gäste meist über die Außen.

Werders Druck wird immer größer

Union verteidigte sehr tief, geriet aber schnell stark unter Druck. Einen Flachschuss von Stage konnte Frederik Rönnow noch parieren, kurz darauf verfehlte Yukinari Sugawara das Tor aus Nahdistanz deutlich. Nach einem Eckball, den die Berliner nicht konsequent klärten, war es dann ein Kunstschuss von Deman, der den verdienten Ausgleich herbeiführte. Aus 16 Metern schlenzte er den Ball mit links zärtlich in den Winkel.

Union gelang es nur noch selten, für Entlastung zu sorgen. Köhn schoss am langen Pfosten vorbei und verfehlte das Tor aus zwei guten Freistoßpositionen, Ansah ging nach einer Ringkampfeinlage mit Marco Friedl zu Boden. Doch Bremen bestimmte das Spiel und nutzte erneut eine Standardsituation. Nach einer Ecke von Cameron Puertas köpfte Stage Werder in Führung. „Defensivstandards sind eigentlich eine Stärke von uns, aber das haben wir nicht gut gemacht“, sagte Baumgart.

Das Berliner Publikum spürte, wie sehr die Mannschaft wackelte, und sang noch ein paar Dezibel lauter, doch die lange Unterzahl konnte Union nicht kompensieren. Bremen drückte auf das 3:1 und war diesem kurz nach der Pause bei einem Pfostentreffer von Stage sehr nah.

Als Grüll unter gütiger Mithilfe der Berliner Hintermannschaft – Danilho Doekhi köpfte den eingewechselten Jeong an – das dritte Tor für Werder erzielte, war das Spiel Mitte der zweiten Hälfte entschieden. Dass in der Nachspielzeit auch noch der gerade eingewechselte Čović traf, passte zum gebrauchten Nachmittag des 1. FC Union. Die Berliner Fans verabschiedeten ihr Team mit lauten „Aufwachen!“-Rufen.

1. FC Union Berlin Bundesliga Treptow-Köpenick Werder Bremen auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Flipboard teilen

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