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Die Sprünge beim Eiskunstlauf: Wie man sie erkennt, warum sie so heißen und wie schwer sie sind

2026-02-17
In sport Vom Jörg Leopold

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Aus deutscher Sicht stand am Montagabend einer der Höhepunkte dieser Olympischen Winterspiele an. In Mailand kämpften die Berliner Minerva Hase und Nikita Wolodin in ihrer Kür um Gold im Paarlauf. Ihr Traum ging nicht ganz in Erfüllung, er hing auch an der Perfektion weniger Minuten und der brutalen Physik von verschiedenen Sprungelementen, die über Triumph oder Tragödie entscheiden. Am Ende reichte es zu Bronze, und das war mehr als einer kleiner Trost für Hase/Wolodin.

Dabei sind die Herausforderungen für Paarläufer noch einmal andere als für Einzelläufer, so oder so lohnt der Blick auf die sechs verschiedenen Sprünge im Eiskunstlauf. Dabei geht es um die klassischen Sprünge, der Rückwärtssalto der seit einiger Zeit wieder erlaubt ist und den beispielsweise Ilia Malinin bei seiner verpatzten Kür in Mailand zeigte, wird nachfolgend ausgespart.

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Gut zu wissen: Die Sprünge haben sich über Jahrzehnte entwickelt. Jeder Sprung wurde erst einfach, dann zweifach, dreifach und schließlich vierfach gezeigt. Dabei ist die Unterscheidung für den Laien nicht ganz einfach. Wichtig ist immer, darauf zu achten, wie die Läuferinnen bzw. Läufer zu ihren Sprüngen anlaufen. Die Drehungen in der Luft sind hingegen unerheblich und in der Regel gleich.


1 Toelopp – der Getippte

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  • So erkennt man ihn: Achten Sie auf die Spitze des Schlittschuhs! Der Läufer fährt rückwärts und stößt sich mit den gezackten Zähnen seiner anderen Kufe – dem Fachbegriff dafür ist „Zacke“ – vom Eis ab, wie von einem kleinen Trittbrett.
  • Darum heißt er so: Der Name ist eine direkte Beschreibung der Technik: Er wird mit der Fußspitze (englisch: Toe) aus einer Kurve oder Schleife (englisch: Loop) heraus ausgeführt. Etabliert wurde er in den 1920ern. Der Kanadier Kurt Browning schrieb 1988 Geschichte, als er den ersten sauberen Vierfach-Toeloop der Welt stand.
  • So schwer ist er: Er gilt als der einfachste der sechs Grundsprünge und wird daher oft als zweiter Sprung in einer Kombination gezeigt.

2 Salchow – der Schwungvolle

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  • So erkennt man ihn: Achten Sie auf die Beine, nicht auf die Schuhspitze! Der Läufer benutzt die gezackte Spitze hier nicht. Stattdessen schwingt er sein freies Bein in einem weiten, eleganten Bogen von hinten nach vorne um den Körper. Dieser Schwung, wie bei einem Pendel, leitet die Drehung ein.
  • Darum heißt er so: Er ist nach seinem Erfinder benannt, dem schwedischen Eiskunstlauf-Star Ulrich Salchow. Er wurde zehnmal Weltmeister und 1908 der erste Olympiasieger im Eiskunstlauf. Den Sprung zeigte er erstmals 1909.
  • So schwer ist er: Er ist der zweitleichteste der sechs Grundsprünge, also etwas schwieriger als der Toeloop. Seine besondere Herausforderung ist, dass er der erste Sprung ist, den Läufer lernen, der rein von der Kante (also ohne die Hilfe der Spitze zum Abstoßen) ausgeführt wird.

3 Rittberger (oder Loop) – der Eingesessene

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  • So erkennt man ihn: Auch hier wird die Spitze nicht benutzt. Das sicherste Merkmal: Der Läufer springt von der Außenkante des einen Fußes ab und landet wieder auf demselben Fuß. Kurz vor dem Absprung sieht es oft so aus, als würde er sich tief „hinsetzen“, um Kraft zu sammeln, wobei die Beine oft gekreuzt sind.
  • Darum heißt er so: In Deutschland ist er nach Werner Rittberger benannt, einem sehr erfolgreichen deutschen Läufer, der den Sprung 1910 vorführte. Der internationale Name „Loop“ (Schleife) beschreibt die Form, die die Kufe auf dem Eis zeichnet.
  • So schwer ist er: Er liegt im mittleren Schwierigkeitsbereich. Er ist anspruchsvoller als Salchow und Toeloop, da der Absprung und die Landung auf demselben Bein eine sehr gute Balance erfordern.

4 Flip – der riskante Innenkanten-Stoß

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  • So erkennt man ihn: Hier kommt die gezackte Spitze wieder ins Spiel. Der Läufer fährt rückwärts auf der Innenkante (der Schlittschuh kippt leicht nach innen, zum Körper hin) und stößt sich dann mit der Spitze des anderen Fußes ab.
  • Darum heißt er so: Der englische Name „Flip“ beschreibt die schnelle, fast schnippende Bewegung, mit der der Absprung eingeleitet wird. Er ist nicht nach einer Person benannt.
  • So schwer ist er: Er ist deutlich schwieriger als der Rittberger. Die große Herausforderung ist, die Innenkante bis zum Moment des Abstoßes sauber zu halten. Viele Läufer wechseln unabsichtlich auf die falsche Kante, was zu Punktabzug führt.

5 Lutz – der Gegensatz-Sprung

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  • So erkennt man ihn: Er ist der schwierigste Sprung, der mit der Spitze abgestoßen wird. Das Erkennungsmerkmal ist der lange, oft diagonale Anlauf auf der Außenkante (der Schlittschuh kippt vom Körper weg). Das Besondere: Der Körper will in die eine Richtung drehen, die Kurve auf dem Eis läuft aber in die andere. Das erzeugt eine sichtbare Spannung vor dem Absprung.
  • Darum heißt er so: Er ist nach seinem Erfinder, dem Österreicher Alois Lutz, benannt. Er zeigte den Sprung 1913 und verstarb tragischerweise nur wenige Jahre später sehr jung an Tuberkulose.
  • So schwer ist er: Er ist der zweitschwierigste aller Sprünge. Die gegenläufige Bewegung von Kurve und Körperrotation ist unnatürlich und erfordert extreme Körperbeherrschung.

6 Axel – der König der Sprünge

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  • So erkennt man ihn: Er ist der einzige Sprung, der vorwärts abgesprungen wird. Das macht ihn für Zuschauer am einfachsten zu identifizieren. Der Läufer gleitet vorwärts, schwingt ein Bein nach vorne und springt ab.
  • Darum heißt er so: Er ist nach seinem Erfinder benannt, dem Norweger Axel Paulsen. Interessanterweise war er eigentlich ein Eisschnellläufer, der diesen Kunstsprung bereits 1882 vorführte – und das auf Eisschnelllauf-Kufen!
  • So schwer ist er: Er ist der unangefochtene König der Sprünge und mit Abstand am schwierigsten. Weil er vorwärts abspringt, aber rückwärts landet, hat er immer eine halbe Umdrehung mehr als sein Name sagt. Ein „Doppel-Axel“ hat also in Wahrheit 2,5 Drehungen, ein „Dreifach-Axel“ sogar 3,5. Der vierfache Axel (mit 4,5 Rotationen), galt lange als unmöglich, bis ihn Ilia Malinin im Jahr 2022 als erster Mensch in einem Wettbewerb stand.
Ilia Malinin wollte den Axel in seiner Olympia-Kür eigentlich vierfach zeigen, brach ihn nach einer Umdrehung dann ab.

© AFP/Antonin Thuillier


Minerva Hase und Nikita Wolodin lagen nach dem Kurzprogramm bei Olympia noch in Führung. Ihre Aufgabe am Montagabend war aber ungleich komplexer, als die verschiedenen Sprünge nur für sich allein zu beherrschen. Im Paarlauf kommen zwei entscheidende Dimensionen hinzu.

Die synchronen Sprünge

Als Hase und Wolodin in der Kür zu ihren sogenannten „Side-by-Side“-Sprüngen ansetzten, wie etwa ihrer Kombination aus einem Dreifach-Toeloop und zwei Doppel-Axeln, führten beide exakt denselben Sprung zur selben Zeit aus. Leider strauchelte Hase bei der Landungs nach dem zweiten Axel, was zu Punktabzügen führte.

Die Schwierigkeit liegt aber nicht nur in der sauberen Landung des Einzelnen, sondern in der perfekten Synchronität. Jeder Millimeter Höhenunterschied, jede Millisekunde Verzögerung im Absprung oder in der Landung ist für die Jury und das Publikum sofort sichtbar.

Läuferin und Läufer müssen wie ein Spiegelbild agieren – eine immense mentale Herausforderung. Und nach dem Fehler von Hase war das dann auch nicht mehr in Gänze möglich. Das galt erst recht, als Hase wenig später den geplanten dreifachen Salchow nur einfach zeigte.

Die Wurfsprünge

Eine Besonderheit des Paarlaufs sind die spektakulären Wurfsprünge. Hier wird Nikita Wolodin zum menschlichen Katapult, das Minerva Hase in die Luft befördert. Doch er liefert „nur“ die Kraft für Höhe und Weite. Allein Minerva Hase entscheidet durch ihre Technik in der Sekunde vor dem Abwurf, welcher Sprung es wird.

Bei der EM 2025 in Sheffield kostete sie ein Fehler beim Wurf-Dreifach-Salchow den sicher geglaubten Titel. Das funktionierte diesmal, aber da war es an diesem Abend für den Sieg schon zu spät.

Auch der extrem schwere Wurf-Dreifach-Rittberger gelang bei dieser Kür. Hier muss Minerva Hase von einer sauberen Außenkante abspringen, während sie bereits in die Luft gehoben wird – ein Akt, der blindes Vertrauen und absolute technische Perfektion erfordert.

Am Ende war Olympiabronze der verdiente Lohn an einem Abend, an dem nicht alles klappte, an dem sich die beiden Berliner aber als eine Einheit präsentierten und dem Druck zumindest derart standhielten, dass sie nach ihren Fehlern im ersten Teil der Kür anschließend ihren Vortrag sauber zu Ende brachten.

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