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Der konstanteste Spieler von Hertha BSC: Tjark Ernst überzeugt in dieser Saison mit starken Leistungen

2025-10-17
In sport Vom Stefan Hermanns

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Tjark Ernst ahnt schon, dass am Samstag einiges los sein wird. Er hat mitbekommen, dass sich aus dem Rhein-Main-Gebiet, der eigentlichen Heimat seiner Familie, eine Menge Besuch angekündigt hat und dass sein Vater dank seiner guten Kontakte zum VfL Bochum etliche Karten für das Heimspiel gegen Hertha BSC organisieren musste.

Wie viele genau es sein werden, das will Ernst, der Torhüter des Berliner Fußball-Zweitligisten, lieber gar nicht wissen. Seinem Vater hat er jedenfalls verboten, mit ihm darüber zu sprechen. Zumindest vor dem Spiel am Samstagabend im Ruhrstadion (20.30 Uhr/Sky und RTL live).

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Pflichtspiele hat Tjark Ernst seit 2022 für Hertha BSC bestritten.

Schon Tjark Ernsts Vater Thomas hat als Torhüter für Bochum gespielt. Tjark selbst hat dort die Jugend durchlaufen, elf Jahre insgesamt. Dass die Begegnung mit dem VfL für den 22-Jährigen eine besondere ist, „kann ich nicht leugnen“.

Denn wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, wird Ernst am Samstag endlich sein erstes Profispiel im Ruhrstadion bestreiten – nachdem er dort in der Vergangenheit zweimal auf der Bank gesessen hat. Einmal für den VfL und einmal für Hertha.

Tjark hat eine tolle Entwicklung genommen. Er spielt wirklich konstant.

Stefan Leitl, Herthas Trainer, über seinen Torhüter

Aufgewachsen ist Ernst fast in Rufweite des Stadions. Fünf Minuten hat er mit dem Fahrrad von zu Hause zum Training gebraucht. Seine Eltern leben immer noch in Bochum. Dass er den VfL trotz der engen Bindung vor drei Jahren verlassen hat, war vor allem eine rationale Entscheidung. Der Klub hatte damals keine U 23 und Ernst hinter dem unangefochtenen Stammkeeper Manuel Riemann wenig Chancen auf ausreichend Spielpraxis gesehen.

Mit acht Jahren kam Tjark Ernst zum VfL Bochum. Nach der A-Jugend hat er den Klub verlassen.

© imago images/kolbert-press

Sein Plan ist aufgegangen. Bei Hertha hat er schon am Ende seiner ersten Saison, im letzten Spiel vor dem Abstieg, sein Debüt in der Bundesliga gefeiert. Seit rund zwei Jahren ist Ernst Stammspieler bei den Berlinern, im Sommer gehörte er zum Kader der deutschen U-21-Nationalmannschaft, die das Finale der Europameisterschaft erreichte – und aktuell befindet er sich in bestechender Form.

Das war zuletzt vor der Länderspielpause zu sehen, als Ernst seine Mannschaft gegen Preußen Münster nicht zum ersten Mal in dieser Saison vor einem Rückstand bewahrte. Gegen Oscar Vilhelmsson, der allein auf ihn zulief, und dann gegen Oliver Batista Meier gelang ihm eine spektakuläre Doppelparade. Der zweite Nachschuss flog ihm zwar unter den Beinen hindurch, wurde aber von Deyovaisio Zeefuik noch rechtzeitig gestoppt.

„Schön, wenn man Teamkollegen hat, die auf der Linie noch klären“, sagte Ernst. „Das ist die Mentalität, die wir brauchen: dieses Tor unbedingt verteidigen zu wollen.“ So blieb es beim 0:0, und am Ende feierte Hertha gegen Münster den ersten Heimsieg seit fünf Monaten.

Ernst profitiert von der Arbeit von Torwarttrainer Menger

Zehn Punkte holten die Berliner aus den jüngsten vier Spielen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem eher zähen Saisonstart findet sich die Mannschaft immer besser zurecht. Nur für Tjark Ernst gilt das nicht. Er spielt durchgängig stark und ist der einzige Berliner, der in dieser Spielzeit eigentlich immer seine Leistung abgerufen hat.

„Tjark hat eine tolle Entwicklung genommen. Er spielt wirklich konstant“, sagt Cheftrainer Stefan Leitl. „Großes Kompliment an Andi Menger. Ich glaube, dass er hauptverantwortlich ist.“

Menger, Herthas Torwarttrainer, hat in der Öffentlichkeit einen eher schweren Stand. Wann immer ein Torhüter kriselt, so wie es auch Tjark Ernst schon getan hat, wird das auf seine angeblich mangelhafte Arbeit zurückgeführt. Im umgekehrten Fall aber wird diese Kausalität nie hergestellt. Denn sonst müsste Andreas Menger gerade jede Menge Lob abbekommen – so verlässlich gut und souverän wie Herthas Nummer eins im Moment spielt.

81,8
Prozent der Torschüsse hat Ernst in dieser Saison abgewehrt. Das ist der zweithöchste Wert aller Stammkeeper der Zweiten Liga.

27 Torschüsse hat Ernst in dieser Saison schon pariert. Nur bei drei Torhütern sind es noch mehr. Seine Quote abgewehrter Schüsse (81,8 Prozent) ist sogar die zweitbeste aller Stammkeeper. Allein Nicolas Kristof vom Tabellenführer SV Elversberg ist noch geringfügig besser (82,8 Prozent).

In den neun Pflichtspielen dieser Saison ist Herthas Torhüter fünfmal ohne Gegentore geblieben – viermal in der Liga, dazu in 120 Minuten gegen Preußen Münster in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. In der gesamten vergangenen Spielzeit haben die Berliner nur sechsmal zu null gespielt.

Es war eine Saison, in der auch Tjark Ernst nicht immer gut aussah – und in der er zwischenzeitlich sogar seinen Stammplatz verlor. Cristian Fiél setzte in der Endphase seiner Amtszeit als Trainer etwas überraschend auf Marius Gersbeck. Stefan Leitl aber machte diese Entscheidung unmittelbar nach seinem Amtsantritt wieder rückgängig. „Ich bin extrem froh über das Vertrauen, das ich aktuell spüre von Stefan Leitl, von Andreas Menger sowieso und von allen Verantwortlichen eigentlich“, sagt Ernst.

Dass er in der vergangenen Saison gelegentlich patzte, ist gerade für einen jungen Torhüter nicht ungewöhnlich. Das haben selbst die Besten ihres Fachs erlebt. „Ich glaube, dass man als junger Spieler immer Phasen durchläuft“, sagt Ernst.

Vor allem bei hohen Bällen in den Strafraum ließ Herthas Torhüter trotz seiner stattlichen Größe immer wieder Schwächen erkennen. Auch in dieser Disziplin wirkt er inzwischen deutlich sicherer. „Ich trainiere sehr hart mit Andi Menger, gerade an den Sachen, wo Verbesserungspotenzial da ist“, sagt Ernst. „Irgendwann zahlt sich das auf dem Platz aus.“ Irgendwann scheint jetzt zu sein.

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