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Leichtathletik: Hummel mit WM-Hammer: „Dann ist er halt weit geflogen“

2025-09-17
In sport Vom admin

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Merlin Hummel küsste erst seine Silbermedaille und zeigte dann mit der Deutschland-Fahne hinter dem Rücken die Muckis. Er bejubelte die erste Medaille eines deutschen Hammerwerfers bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften seit 20 Jahren - und bereits die insgesamt dritte deutsche bei der WM in Tokio.

Der 23-Jährige schleuderte sein Wurfgerät auf die persönliche Bestweite von 82,77 Meter und musste sich damit nur Olympiasieger und Titelverteidiger Ethan Katzberg aus Kanada geschlagen geben.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich habe versucht, einen guten Job zu machen - und hat funktioniert“, sagte Hummel über seinen Silber-Coup. „Ich habe die ganze Zeit taggeträumt. Schon seit Tagen träume ich über den Wettkampf und visualisiere mir das automatisch.“

Hummel schockt alle außer Katzberg

Vor den Augen seines kleineren Bruders Matti, der ebenfalls Hammerwerfer ist, haute Hummel gleich im ersten Durchgang seinen besten Versuch raus. „Ob er die Konkurrenz damit geschockt hat, wird sich noch rausstellen“, sagte Hummels Trainer Martin Ständner nach dem Versuch. Die fulminante Leistung seines Schützlings habe sich schon im Training angedeutet, so der Coach weiter.

„Ich wollte den ersten Wurf eigentlich locker machen, und dann habe ich gemerkt: Oh, den erwische ich ganz gut - und dann habe ich noch Power reingegeben. Und dann ist er halt weit geflogen“, sagte Hummel.

Bis auf Katzberg wirkte die Konkurrenz aber tatsächlich geschockt. Während der Kanadier unbeeindruckt von Hummels Versuch die Siegerweite und einen Meisterschaftsrekord von 84,70 Metern aufstellte, hatten die anderen Kontrahenten keine Antwort auf den Hummel-Hammer. Auch der mitfavorisierte Ungar Bence Halasz nicht, der mit 82,69 Metern Dritter wurde.

Hummel eines der Gesichter einer jungen Generation

Hummel ist eines der Gesichter einer jungen und hoffnungsvollen deutschen Leichtathletik-Generation - und der Erste, der bei einem Großereignis auf Weltebene das Podest erklimmt.

Schon im Vorkampf zeigte sich Hummel in guter Form. Mit 78,54 Metern übertraf er die nötige Qualifikationsweite im ersten Versuch locker. „Die ganz weiten Würfe machen wir dann morgen“, kündigte Hummel am Montag angriffslustig an. Gesagt, getan.

Erste WM-Medaille für deutschen Hammerwerfer seit 2005

Mit seiner Medaille hat Hummel das deutsche Männer-Hammerwerfen aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Im Laufe dieses Jahres knackte er als erster Deutscher seit 18 Jahren die magische 80-Meter-Marke. Die zuvor letzte WM-Medaille holte Markus Esser 2005 in Helsinki. Er wurde damals Dritter. Den bislang letzten deutschen WM-Titel sicherte sich Karsten Kobs 1999 im spanischen Sevilla.

Im vergangenen Jahr hatte Hummel bei den Europameisterschaften in Rom als Vierter das Podium noch knapp verpasst. Die Olympischen Spiele von Paris 2024 schloss er als Zehnter ab.

Mit KI-App zum Erfolg

Hummel setzt nicht nur auf seine Kraft. Er studiert an einer Fernuniversität Angewandte Künstliche Intelligenz (KI) - und auch in seinem Sportlerleben spielt das Thema KI eine große Rolle. Denn der gebürtige Franke hat eine App entwickelt, mit deren Hilfe er seine Würfe analysieren kann, um an kleinen Details zu arbeiten. Zudem hat er seine Ernährung komplett auf den Sport auslegt, isst jeden Morgen sechs Eier.

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband ist das Edelmetall von Hummel die dritte Medaille bei den Weltmeisterschaften in Tokio. Zuvor gewannen Weitsprung-Star Malaika Mihambo und sensationell auch Amanal Petros im Marathon Silber.

Weßel über 1.500 Meter Letzte

Als Hummel seine Medaille ausgiebig feierte, musste Nele Weßel über die 1.500 Meter feststellen, dass die Weltspitze noch ein ganzes Stück entfernt ist. Sie wurde beim Sieg der favorisierten Kenianerin Faith Kipyegon 14. und abgeschlagen Letzte. Es habe „sehr, sehr“ wehgetan, sagte Weßel.

Deutschlands beste Dreispringerin Caroline Joyeux darf sich noch Hoffnungen auf eine Topplatzierung machen. Die Berlinerin schaffte als Neunte mit 14,19 Metern den Einzug ins Finale am Donnerstag. Teamkollegin Jessie Maduka verpasste den Endkampf als 30. mit 13,47 Metern hingegen deutlich.

800-Meter-Läufer Stepanov klagt nach Aus über „Halsweh“

Gregory Minoué schied im Halbfinale über die 110 Meter Hürden erwartungsgemäß aus. Den Endlauf entschied der Amerikaner Cordell Tinch für sich.

Keine Chance hatte auch Alexander Stepanov in den Vorläufen über die 800 Meter. Er wurde nur 40. und klagte anschließend darüber, dass er in der Nacht zuvor mit Halsschmerzen aufgewacht sei. „Ja, tatsächlich bin ich heute Morgen mit Halsweh aufgewacht. Ich habe eigentlich ganz gut trainiert - wahrscheinlich ist der Infekt noch da“, sagte Stepanov im ZDF.

© dpa-infocom, dpa:250916-930-45659/2

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