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Silber für Freitag, mehr Geld für alle

2025-03-01
In sport Vom admin

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Am Ende kam alles zusammen auf der Skisprungschanze in Granasen. Schnee, Regen, Graupel und Hagelkörner fielen vom Himmel herab. Aber die genau so vorhergesagten Wetterkapriolen hielten Selina Freitag nicht davon ab, die erste Medaille für die Deutschen bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Trondheim zu gewinnen – es war zugleich ihre erste Einzelmedaille bei einem internationalen Großereignis. Freitag, 23, sprang im Finale auf der Normalschanze 99 und 103,5 Meter weit und musste sich nur der Slowenin Nika Prevc, ohnehin als Topfavoritin gehandelt, geschlagen geben. Bronze gewann Eirin Maria Kvandal aus Norwegen. „Ich bin einfach mega happy, dass ich solche Sprünge im Wettkampf zeigen konnte. Es zahlt sich gerade so viel harte Arbeit aus. Es ist einfach herrlich, ich könnte heulen“, sagte Freitag den Tränen nahe.

Freitag, die in Breitenbrunn im Erzgebirge als Tochter des einstigen DDR-Skispringers Holger Freitag in eine Skispringer-Familie hineingeboren wurde – der jüngere ihrer beiden Brüder ist der zweimalige Weltmeister Richard Freitag – war nach dem ersten Sprung noch auf dem geteilten dritten Platz gelegen. Trotz mäßiger Noten sprang sie im zweiten Durchgang mit großer Weite noch auf den Silberrang vor. „Ich bin keine Landekatze“, hatte Freitag vor dem Beginn der Titelkämpfe in Trondheim gesagt, den Telemark bekommt sie noch nicht so hin, wie sie und die Trainer sich das wünschen. Aber diesmal reichte das richtige Fluggefühl.

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Ihre Kolleginnen zeigten Licht und Schatten an diesem Freitag: Agnes Reisch wurde gute Zehnte, Titelverteidigerin Katharina Schmid ist weiter auf der Suche nach ihrer Form und landete nur auf dem 19. Rang, Juliane Seyfarth wurde 27.

Am Donnerstagabend hatten die deutschen Skispringerinnen noch eine Hiobsbotschaft verkraften müssen, bevor die WM für sie richtig begonnen hatte. In der Qualifikation war Luisa Görlich 93 Meter weit gesprungen, bei der Landung aber mit dem rechten Knie heftig nach innen geknickt. Sie fuhr in der Hocke den kompletten Auslaufhügel hinauf, offenbar, weil sie sich nicht mehr aufrichten konnte. Danach blieb sie minutenlang auf dem Schnee liegen, wurde medizinisch versorgt. Gegen 22 Uhr fuhr sie in einem Krankenwagen aus dem Skisprungstadion in Granasen heraus, Helfer hoben sie danach in den Mannschaftsbus des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Sorgen um Luisa Görlich: Offenbar hat sich die Deutsche erneut eine schwere Knieverletzung zugezogen. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

„Ich gehe von einer schweren Verletzung in ihrem rechten Knie aus“, sagte DSV-Mannschaftsarzt Florian Porzig nach einer ersten Untersuchung. Die 26-Jährige, die nun zurück nach Deutschland zur Kernspintomografie fliegt, hatte 2018 und 2024 jeweils einen Kreuzbandriss im linken und im rechten Knie erlitten. Görlich, bei der WM 2023 in Planica noch Teil des deutschen Teamgold-Quartetts, fehlt nun auch im Teamwettbewerb am Samstag.

Selina Freitag hingegen tritt mit ihrem Erfolg langsam aus dem Schatten von Schmid heraus – und zeigt sich in dieser Saison nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch als Athletin, die für Gleichberechtigung auf der Schanze kämpft.

Das Frauen-Skispringen ringt ja seit Jahren um mehr Wertschätzung und Anerkennung. Gerade die Two-Nights-Tour, die im Rahmen der Vierschanzentournee der Männer in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen ausgetragen wurde, zeigte das vor zwei Monaten wieder. Dort hatte Freitag für ihren Qualifikationssieg in Garmisch nicht wie der Männer-Sieger 3000 Schweizer Franken erhalten, sondern eine Tasche mit Shampoo, Duschgel und vier Handtüchern, wie sie damals erzählte. Die Geschichte schlug hohe Wellen, aber es geriet auch etwas in Bewegung.

Denn beim Weltcup in Lake Placid initiierten ehemalige Skispringerinnen ein Crowdfunding, 9000 US-Dollar kamen zusammen, die dann unter den Skispringerinnen verteilt wurden. In Lubnow schüttete der internationale Skiverband Fis immerhin schon 1500 Euro für die Qualifikationssiegerin auf der Kleinschanze aus. „Das ist auch nicht gerade ohne. Es ist schon brutal, was sich da dieses Jahr schon getan hat“, sagte Freitag dazu in der Woche vor dem WM-Auftakt: „Im Endeffekt geht es um die Leistungen, die wir erbringen, und damit können wir uns den Herren annähern.“

Freitag hat keine einfache Saison hinter sich, kurz vor Weihnachten war sie bei einem Wettkampf schwer gestürzt

Auch in Trondheim tut sich etwas, zum ersten Mal herrscht der Equal-Pay-Gedanke bei Nordischen Skiweltmeisterschaften, das heißt, Frauen und Männer bekommen Preisgelder in gleicher Höhe. 2023 in Planica hatte es noch überdeutliche Unterschiede in diesem Bereich gegeben. Vor dem WM-Start hatte Freitag noch betont, dass sie froh sei, einen Anstoß gegeben zu haben auf diesem Weg.

Freitag hat keine einfache Saison hinter sich, kurz vor Weihnachten war sie bei einem Wettkampf schwer gestürzt, als sie die Kontrolle in der Luft verloren hatte. Sie zog sich dabei heftige Gesichtsblessuren zu. „Selina hat nach ihrem Sturz auch mental ein bisschen Zeit gebraucht, bis sie wieder den Mut gehabt hat, die Sprünge durchzuziehen“, sagte Bundestrainer Heinz Kuttin.

Umso beeindruckender ist es, dass sie nun auch in Trondheim wieder zu ihrem Selbstbewusstsein zurückgefunden hat. Auf einer Schanze, die alles andere als einfach zu springen ist, wie die Österreicherin Eva Pinkelnig, die am Ende Siebte wurde, nach dem Training betont hatte: „Hier hat der Vorbau zudem eine lange Nase. Zu früh oder zu spät zu sein, ist hier ganz, ganz schlecht.“ Auf den alten Schanzen sei der Anlauf meist steil und der Schanzentisch kurz gewesen, „da hat man dann gefühlt eine Rampe. Hier auf der neueren Schanze fühlt man einfach gar nichts“.

Freitag hatte offenbar beides: das richtige Timing beim Absprung – und ein wunderbares Gefühl in der Luft. Obwohl Schnee, Regen, Graupel und Hagelkörner auf sie herabfielen. Am Ende musste sie gar keine „Landekatze“ sein.

Skispringen Wintersport Nordische Ski-WM Ski Nordisch Leserdiskussion

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